Vollgas gibt an der amerikanischen Börse am Freitag der Dieselmotorenbauer Cummins. Um fast 25 Prozent stieg der Aktienkurs, nachdem das Unternehmen Ergebnisse für das erste Quartal vorgelegt hat, angesichts derer „die Erwartungen übertroffen“ fast wie ein Understatement klingt.
Der amerikanische Dieselmotorenhersteller meldete am Freitag, dass er im ersten Quartal eine Gewinnsteigerung von sechs Prozent erzielt hat, was auf eine starke Entwicklung seiner kleineren Geschäftsbereiche zurückzuführen sei. Der Reingewinn stieg auf 143 Millionen Dollar oder 1,42 je Aktie, der Konzernumsatz um 5,2 Prozent auf 2,82 Milliarden Dollar.
Analysten ausgebremst
Ausschlaggebend ist indes nicht der Zuwachs, sondern die Tatsache, dass Analysten mit einer gegensätzlichen Entwicklung gerechnet hatten Die Experten waren davon ausgegangen, dass der Gewinn je Aktie um über ein Drittel auf 86 Cents sinken und auch der Umsatz knapp zwei Prozent geringer ausfallen würde.
Dabei schrumpfte der Markt für schwere Lkws, der für das Unternehmen immer noch der bedeutendste ist, erwartungsgemäß, weil der Absatz durch bevorstehende neue Dieselemissionsstandard beeinträchtigt wurde. Der Umsatz in diesem Bereich fiel um drei Prozent auf 1,76 Milliarden Dollar, der Absatz um 45 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Diese negativen Effekte konnte Cummins durch einen Umsatzanstieg von 26 Prozent auf 675 Millionen Dollar im Generatoren-Bereich überkompensieren. Der Absatz von Großgeneratoren stieg um 27, der von Frequenzwandlern um 43 Prozent, wohingegen nur sieben Prozent mehr tragbare Generatoren verkauft wurden.
Fiat sorgt für Kursschub
Cummins hob gleichzeitig die Gewinnprognose an. Statt wie zuvor 5,50 bis 5,75 Dollar je Aktie erwartete der Motorenbauer jetzt einen Gewinn von 6,00 bis 6,50 Dollar. Damit würde der gewinn gegenüber dem Vorjahr weniger stark, nämlich nur um 7 bis 16, statt wie zuvor prognostiziert um 18 bis 22 Prozent oder wie von Analysten im Durchschnitt vorhergesagt noch etwas stärker.
Die Notiz läuft bereits schon seit Ende 2002 fast unentwegt nach oben und hat sich in in den vergangenen fünf Jahren gut verzehnfacht. Allein in dieser Woche aber kletterte der Kurs um fast 30 Prozent. Hintergrund sind Spekulationen, dass Cummins ein Übernahmeziel des Fiat-Konzerns sein könnte, dessen Chef Sergio Marchionne mit Iveco auf den amerikanischen Markt will und zu diesem Zwecks insbesondere Zukäufe in Betracht zieht. Am Dienstag stufen die Analysten von Bear Stearns die Aktie von „underperform“ auf „peer perform“ herauf.
Spekulation mit Risikopotential
Alles in allem scheint der starke Kursanstieg von einer Kombination aus guten Ergebnissen und Übernahmespekulationen verursacht zu sein. Geht man von der Unternehmensprognose aus, so ist die Aktie für das laufende Jahr mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis zwischen 15 und 17 bewertet und liegt damit auf ähnlichem Niveau wie das der Lkw-Bauer MAN und Scania und noch deutlich unter dem der Konkurrenten Paccar und Navistar.
Andererseits könnte sich der jüngste Kursanstieg als spekulative Übertreibung herausstellen, wenn sich die Übernahmegerüchte in Luft auflösen sollten. Dann könnte die Aktie wieder zum längerfristigen Aufwärtstrend zurückkehren, was deutliche Abschläge mit sich bringen würde, wobei die vergleichsweise moderate Bewertung wiederum stützend wirkt.
Nach dem anfänglichen Höhenflug setzten am Freitag Gewinnmitnahmen ein, so dass das Kursplus sich auf weniger als 16 Prozent reduzierte. Insgesamt erscheint eine Spekulation daher auf dem aktuellen Niveau einigermaßen gewagt, könnte aber auch erfolgreich sein.