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Mode & Konsum Aktie von Esprit etwas in die Defensive geraten

 ·  Es gibt Aktien, die laufen Jahre lang vergleichsweise beständig nach oben. Zu diesen Werten gehörten bisher die Papiere der Modekette Esprit. Neuerdings zeichnet sie sich allerdings durch zum Teilt deutliche Kursverluste aus.

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Es gibt Aktien, die laufen Jahre lang phänomenal und vor allem auch vergleichsweise beständig nach oben. Zu diesen Werten gehörten bisher die Papiere der in Hongkong ansässigen Modekette Esprit. Neuerdings zeichnen sie sich allerdings durch zum Teilt deutliche Kursverluste aus.

Seit seinem Allzeithoch bei knapp 131 Hongkong-Dollar hat das Papier inzwischen knapp 27 Prozent seines Wertes auf zuletzt 96 Dollar in Landeswährung verloren. Alleine in den vergangenen beiden Tagen ging es um etwas mehr als zehn Prozent nach unten. Dabei hat die Aktie auch den langfristigen Aufwärtstrend sehr deutlich „angeknappert“, wenn nicht sogar durchbrochen.

Aufwärtstrend „angeknappert“ - Insider haben Aktien in größerem Stile verkauft

So etwas wäre und ist ebenso signifikant wie die Tatsache, dass Unternehmensvorstand Heinz Jürgen Krogner und Finanzchef Poon Cho Ming im Dezember des vergangenen Jahres ihren Anteil am Unternehmen mit hohem Gewinn deutlich reduzierten. Immerhin haben solche Insider einen besseren Einblick in den Geschäftsverlauf eines Unternehmens, als von außen auf das Unternehmen blickende Anleger oder Analysten.

Das heißt, solche Transaktionen können immer dann zu denken geben, wenn sei aus technischer Sicht auch noch mit Trendbrüchen verbunden sind. Immerhin deutet genau diese Kombination nicht selten darauf hin, dass sich etwas am wirtschaftlichen Umfeld geändert hat. Aus diesem Grund sollten Anleger entsprechend hellhörig darauf reagieren.

Konnte das Unternehmen aufgrund seiner idealen Positionierung am Markt - Produktion in Regionen mit niedrigen Kosten und Verkauf in Regionen mit hohen Einkommen und aufwertenden Währungen - in den vergangenen Jahren sowohl Umsatz als auch Gewinn zuverlässig sogar im geometrischen Trend steigern, so scheint nun ein gewisser volkswirtschaftlicher Gegenwind nicht ausgeschlossen zu sein.

Er ergibt sich einmal aus der immer deutlicher und wohl auch ausgeprägter werdenden konjunkturellen Schwäche in den Vereinigten Staaten und zunehmend auch in Europa. Siehe auch: Enttäuschende Umsatzentwicklung: Marks & Spencer schürt Sorge um Einzelhandel - Kurssturz.

Dort werden die Konsumenten gegenwärtig gleich von verschiedenen Seiten in die Zange genommen: Die verfügbaren Einkommen stagnieren bei anhaltend hohen Energiekosten und steigenden Preisen. Für die steigenden Preise sind in Europa unter anderem die Politiker mitverantwortlich, indem sie zum Beispiel in Deutschland die Mehrwertssteuer erhöht haben, indem sie die Nahrungsmittelpreise aufgrund von Fehlanreizen in Form von Subventionen für Biogasanlagen und Ähnliches nach oben treiben und indem sie völlig überhöhten Lohnforderungen vor allem aus dem Öffentlichen Sektor - dort gibt es so gut wie keine Produktivitätssteigerungen und überschüssigen Stellen auch keine vernünftige Begründung für deutlich steigende Löhne - nicht entschieden genug entgegen treten.

Kritischer Blick auf die Konsumnachfrage notwendig

So dürfte es kaum verwundern, wenn sowohl Insider als auch die Anleger im allgemeinen skeptisch auf die Konsumnachfrage blicken. Esprit ist stark von der wirtschaftlichen Lage in Europa abhängig. Immerhin erzielte das Unternehmen im Jahr 2006 rund 85 Prozent seiner Erlöse in dieser Region, vor allem in Deutschland. Gerade dort verbuchte der Einzelhandel im vergangenen Jahr erstmals seit drei Jahren wieder Minus. Nach einem schwachen November geht das Statistische Bundesamt für das Gesamtjahr von einem Rückgang um 0,7 bis 1,0 Prozent aus. Real fällt das Minus mit bis zu 1,8 Prozent noch deutlicher aus, wie das Amt am Mittwoch auf Basis einer Schätzung mitteilte. Das Management von Esprit hatte in jüngerer Zeit die Absicht, den Absatz breiter zu diversifizieren und das Amerikageschäft neu zu beleben. Allerdings dürfte diese Strategie angesichts der konjunkturellen Schwäche gerade zum falschen Zeitpunkt aufgekommen sein.

Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 18,6 und 15,6 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr ist die Espritaktie neuerdings günstiger bewertet als in der Vergangenheit. Möglicherweise deutet jedoch der gegenwärtige Kursrückgang darauf hin, dass die Anleger die Gewinnschätzungen für zu hoch halten. Insgesamt dürfte man die Aktie gegenwärtig etwas kritischer betrachten müssen, als im Rahmen des weltwirtschaftlichen Booms der vergangenen Jahre. Das Modegeschäft ist schnelllebig. Und selbst gute Unternehmen laufen manchmal Gefahr, das eigene Geschäftsmodell zu überreizen - siehe Bijou Brigitte (Rückschlag für die Aktie von Bijou Brigitte).

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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