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Mobilfunk Motorola-Aktie hat Höhenflug wohl fürs erste beendet

 ·  Motorola verkauft so viele Handys wie nie. Dennoch enttäuscht der Umsatz, denn die Preise der Mobiltelefone sind gesunken. Das zeigt, in welch schwierigem Markt das Unternehmen unterwegs ist. Die Aktie verliert deutlich.

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Die flachen Motorola-Handys verkaufen sich gut, der amerikanische Handyhersteller kommt dem Marktführer Nokia immer näher. Das gilt auch für den Aktienkurs: In den vergangenen drei Monaten war der Motorola-Kurs um 28 Prozent gestiegen, verglichen mit zwei Prozent bei Nokia.

Doch am Dienstag sackten die Aktien im elektronischen Handel um 7,8 Prozent auf 22,90 Dollar ab (Isin US6200761095). Schuld sind vor allem verfehlte Umsatzerwartungen im dritten Quartal.

Ziele verfehlt

Für das dritte Quartal gab der zweitgrößte Hersteller von Mobiltelefonen am Dienstag nach Börsenschluß in den Vereinigten Staaten einen um 17 Prozent höheren Umsatz von 10,6 Milliarden Dollar bekannt. Von Reuters befragte Analysten hatten jedoch im Schnitt mit 11,06 Milliarden Dollar gerechnet. Der Gewinn fiel auf 968 Millionen Dollar oder 39 Cent je Aktie nach 69 Cent im Vorjahreszeitraum. Damals hatte der Konzern jedoch 39 Cent je Aktie Sondereinnahmen verbucht.

Im Quartal seien 53,7 Millionen Handys ausgeliefert worden - 39 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit sei ein neuer Rekord erreicht, teilte der Konzern weiter mit. Trotzdem: Das Ziel von 55 Millionen Handys wurde verfehlt, außerdem ist das Umsatzwachstum das langsamste seit fünf Quartalen.

„Der Umsatz und der Gewinn je Aktie waren deutlich unter den Erwartungen der Wall Street“, sagte Ed Snyder von Charter Equity Research. Das Firmengeschäft sei nicht annähernd so gut gelaufen wie erwartet.

Marktanteil gesteigert?

Ron Garrique, der das Handy-Geschäft bei Motorola verantwortet, sagte in einem Interview, er glaube nicht an ein Nachlassen des Wachstums. Für das vierte Quartal rechnet Motorola mit einem Umsatz von 10,9 bis 11,1 Milliarden Dollar.

Garrique zufolge sei der Marktanteil wohl von 22,1 Prozent im zweiten auf 22,4 Prozent im dritten Quartal gestiegen. „Bevor wir nichts von Nokia gehört haben, ist es schwierig zu sagen, was mit den Marktanteilen passiert ist“, schränkt Brad Williams ein, der als Analyst bei MTB Investment Advisors in Baltimore arbeitet.

Neue Produkte sollen die Preise wieder steigen lassen

Die durchschnittlichen Preise für die Telefone sanken im Vergleich zum zweiten Quartal um zehn Prozent, nachdem das Unternehmen die Preise für das „Razr“ gesenkt hat. In diesem Quartal werde der Durchschnittspreis wegen neuer Modelle vielleicht aber wieder steigen, sagte Finanzvorstand David Devonshire.

Hoffnungen setzt das Management auch auf das neue „Q“, einem Smartphone mit E-Mail-Funktion, das seit Juni verkauft wird und dem „Blackberry“ des Konkurrenten RIM Konkurrenz macht. Bis Ende Februar sollen mehr fünf Millionen „Qs“ verkauft werden. Im laufenden Quartal will Motorola zudem das „Motofone“ einführen, das dünnste Handy, das Motorola je entwickelt hat. Damit will das Unternehmen am Erfolg des „Razr“ anknüpfen.

Aktie trotz der Korrektur nicht billig

Die Motorola-Aktie schoß im New-Economy-Boom regelrecht nach oben: In wenigen Monaten verdoppelte sie damals ihren Wert auf zeitweise mehr als 60 Dollar im Jahr 2000. Ebenso schnell fiel die Aktie freilich wieder - bis auf 7,71 Dollar 2003. Seither geht es aber, wenn auch mit Unterbrechungen, wieder nach oben. Vor wenigen Tagen erreichte die Motorola-Aktie bei 26,20 Dollar ein neues Fünfjahreshoch. Dieses Hoch ist jetzt wieder in einiger Ferne.

Die Analysten sahen die Aktie sehr wohlwollend. Nach Bloomberg-Daten schraubten in den vergangenen vier Wochen sechs Analysten ihr Gewinnziel für dieses und fünf ihres für das kommende Jahr nach oben. Korrekturen nach unten gab es keine. Trotzdem ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) mit 18,6 für dieses und 16,2 für das kommende Jahr nicht gerade niedrig, vor allem weil die Gewinndynamik nicht überschätzt werden darf.

Zyklische Branche

Motorola konnte in den vergangenen Jahren Gewinn und Umsatz solide steigern. Die Quartalszahlen werfen allerdings die Frage auf, ob dies auch in den kommenden Jahren gelingen wird. Im Handy-Segment muß das Unternehmen ständig neue Produkte auf den Markt werfen. Wenn die Kunden nicht jede Innovation annehmen, kommt das dem Konzern teuer zu stehen. Die Gefahr ist real: Die Amerikaner könnten bei einer abflauenden Konjunktur geneigt sein, den Kauf eines neues Handys eher nach hinten zu verschieben als andere Anschaffungen.

Der Preisdruck ist enorm, Fehlschläge sind da nicht leicht zu verdauen. Das gilt freilich nicht nur für Motorola, sondern für die gesamte Branche. Doch gerade der Druck, der auf der Branche lastet, spricht dafür, daß der beachtliche Höhenflug der Motorola-Aktie fürs erste beendet ist.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi
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