http://www.faz.net/-gv6-76ymn

Milliarden-Investition : Warren Buffett ist in Kauflaune

Warren Buffett Bild: AFP

Anders als Apple hortet der Milliardär nur ungern Geld. Jetzt hat er beim Ketchup-Hersteller Heinz zugeschlagen - und hat längst nicht genug.

          Warren Buffett hat in dieser Woche das Kontrastprogramm zum amerikanischen Elektronikkonzern Apple geliefert. Apple sieht sich gerade einem Angriff seines Investors David Einhorn gegenüber, der meint, das Unternehmen horte unnötig riesige Barbestände von 137 Milliarden Dollar und solle mehr davon an seine Aktionäre geben.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Apple-Vorstandschef Tim Cook stellte zwar vor wenigen Tagen in Aussicht, etwas großzügiger sein zu wollen, aber er sieht auch keine Eile darin, das Liquiditätspolster zu reduzieren: „Das Geld brennt ja kein Loch in unser Portemonnaie.“ Der legendäre Investor Buffett hat eine ganz andere Philosophie, er hält Bargeld für „eine furchtbare langfristige Anlage“. Im Moment ist er besonders erpicht darauf, Geld auszugeben.

          Bereit für einen weiteren „Elefanten“

          Gerade kündigte er an, zusammen mit der Beteiligungsgesellschaft 3G den traditionsreichen amerikanischen Ketchup-Hersteller H.J. Heinz für 23 Milliarden Dollar zu kaufen (inklusive der Übernahme von Schulden sind es 28 Milliarden Dollar), und damit hat er längst nicht genug.

          Buffetts Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway steuert rund 12 Milliarden Dollar zum Heinz-Kauf bei, angesichts ihres Liquiditätspolsters von zuletzt 47 Milliarden Dollar bleibt somit Spielraum für weitere Zukäufe, den Buffett auch nutzen will. Dem Fernsehsender CNBC sagte er, er sei bereit für einen weiteren „Elefanten“, wie er Großzukäufe gerne nennt.

          Bild: F.A.Z.

          Heinz passt perfekt in das Portfolio des 82 Jahre alten Investors. Buffett mag etablierte Unternehmen mit starken Marken und nicht allzu komplexen Geschäftsmodellen. Heinz fügt sich in eine Reihe von Beteiligungen und Tochtergesellschaften aus dem Berkshire-Imperium, die ihre Wurzeln im neunzehnten Jahrhundert haben. Für Konsumgüter und insbesondere Lebensmittel hat er eine besondere Vorliebe. Zu seinen größten Beteiligungen gehört der Getränkekonzern Coca-Cola, und im vergangenen Quartal hat er Aktien am Milka-Hersteller Mondelez (früher Kraft) gekauft.

          Mit der Heinz-Transaktion zeigt Buffett aber auch ungewohnte Seiten. So überrascht es, dass er sich mit einer Beteiligungsgesellschaft verbündet. In der Vergangenheit hat sich Buffett oft verächtlich über solche Private-Equity-Investoren geäußert, die nach seiner Auffassung die Geschäfte der von ihnen gekauften Unternehmen „nicht lieben“ und sich zu sehr auf die „Strategie für den Ausstieg“ konzentrierten.

          Partnerschaften bei großen Transaktionen

          Aber Buffett und 3G-Gründer Jorge Paulo Lemann kennen sich seit langem, außerdem ist die Partnerschaft womöglich nur ein erster Schritt auf dem Weg zu einer vollständigen Übernahme. Der „New York Times“ sagte Buffett, sollte 3G sich in Zukunft von seinem Engagement bei Heinz verabschieden wollen, stünde Berkshire Hathaway als möglicher Käufer bereit.

          Allgemein ist es Buffett nicht fremd, bei großen Transaktionen Partnerschaften einzugehen, manchmal auch in einer Nebenrolle. So half Berkshire Hathaway bei der Finanzierung, als der Lebensmittelkonzern Mars 2008 für 23 Milliarden Dollar den Kaugummihersteller Wrigley kaufte. Berkshire steuerte damals 6,5 Milliarden Dollar bei. Buffett versprach auch finanzielle Unterstützung, als der Kosmetikkonzern Coty im vergangenen Jahr den Wettbewerber Avon in einem feindlichen Manöver kaufen wollte. Coty blies den Übernahmeversuch wieder ab, weil Avon Widerstand leistete.

          Berkshire Hathaway verwaltet einerseits ein umfangreiches Wertpapierportfolio und hat zum anderen rund 80 Tochtergesellschaften unter seinem Dach. Zu den wichtigsten Minderheitsbeteiligungen gehören neben Coca-Cola die Finanzdienstleister Wells Fargo und American Express, der Technologiekonzern IBM und der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble.

          Die Palette der Tochtergesellschaften reicht von den Versicherern General Re und Geico über die Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe bis zum Textilhersteller Fruit of the Loom. Burlington war 2010 mit einem Preis von rund 27 Milliarden Dollar der bisher größte Zukauf von Berkshire Hathaway. Wie immer hatte Buffett auch hier einen langfristigen Anlagehorizont. Er sagte damals in einem Interview, Burlington sei eine Investition „für das nächste Jahrhundert“.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Das Rating der wichtigsten Länder Video-Seite öffnen

          Für Europa : Das Rating der wichtigsten Länder

          Bunt ist die Rating-Welt. Die FAZ.NET-Karte zeigt von Grün bis Rot zu welchen Rating-Klassen die Staaten Europas gehören. Hier unser interaktiver Überblick.

          Topmeldungen

          Sie scheint gestärkt, nicht geschwächt: Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Abbruch der Sondierungsgespräche.

          Jamaika-Ende bei ARD und ZDF : „Ich fürchte nichts“

          Die Auftritte der Bundeskanzlerin im Fernsehen nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche setzen ein Zeichen. Dafür sorgen nicht die Journalisten, das macht Angela Merkel schon selbst. Sie will es nochmal wissen und regieren. Am liebsten, hören wir heraus, mit Schwarz-Grün.

          Nach Aus für Jamaika : Ihr gelbes Wunder

          Auch die AfD hatte auf eine große Koalition gehofft. Sie versprach sich von Jamaika goldene Zeiten in der Opposition – nun muss sie jedoch die Liberalen fürchten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.