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MF Global Großer amerikanischer Börsenmakler wankt

28.10.2011 ·  Ratingagenturen stufen den großen Terminbörsenmakler MF Global auf Ramschniveau herab. Vorangegangen waren hohe Verluste, die durch Wetten auf europäische Anleihen enstanden.

Von Norbert Kuls, New York
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Der große amerikanische Terminbörsenmakler MF Global ist nach Wetten auf risikoreiche europäische Staatsanleihen ins Wanken geraten. Zwei große Ratingagenturen, Moody's und Fitch, haben die Bonität der vom ehemaligen Goldman-Sachs-Vorstandschef Jon Corzine geführten Gesellschaft in dieser Woche auf Ramschniveau heruntergestuft. Die Ratingagentur Standard & Poor's prüft eine Abstufung noch. Am Dienstag hatte MF Global zudem einen überraschenden Verlust von 192 Millionen Dollar für das dritte Quartal ausgewiesen. Der Aktienkurs von MF Global ist in den vergangenen fünf Handelstagen um 61 Prozent gefallen. Berichte über einen möglichen Notverkauf zumindest von Teilen des Geschäfts machen die Runde. Am Freitag sackte der Kurs zunächst um weitere 30 Prozent ab und lag dann mit 3,5 Prozent im Minus.

MF Global war 2007 von der großen britischen Hedgefonds-Gesellschaft Man Group abgespalten worden und ist vor allem als Makler für Termingeschäfte bekannt. Die Gesellschaft ist stark im Geschäft mit der Abwicklung, dem sogenannten Clearing, von Derivate-Geschäften, die über Börsen getätigt werden. Zu den Kunden von MF Global zählen sowohl Privatanleger als auch Rohstoffproduzenten. Im März 2010 machte MF Global Schlagzeilen, als der an der Wall Street sehr prominente Jon Corzine die Führung übernahm. Corzine war zusammen mit dem späteren amerikanischen Finanzminister Henry Paulson in den neunziger Jahren Vorstandschef der prominenten Investmentbank Goldman Sachs gewesen. Er verlor allerdings einen Machtkampf mit Paulson und verließ Goldman Anfang 1999. Danach ging Corzine in die Politik. Er wurde nach selbstfinanzierten und teuren Wahlkämpfen zunächst Senator von New Jersey in Washington und danach Gouverneur des Bundesstaates.

Stark an Wert verloren

Nachdem er nach einer Legislaturperiode nicht wiedergewählt wurde, ging Corzine zu MF Global, das er zu einer Art kleiner Goldman Sachs formen wollte. Er baute bei MF Global eine Handelsparte auf, die auf eigene Rechnung handelte und das Kapital der Firma investierte. Goldman hatte dieses Geschäft jahrelang erfolgreich betrieben, die Eigenhandelsparte aber zuletzt aufgrund regulatorischer Änderungen geschlossen. Die Wetten von MF Global auf europäische Anleihen, die im Zuge der Schuldenkrise stark an Wert verloren hatten, begannen in der zweiten Jahreshälfte 2010 und steigerten sich im ersten Halbjahr 2011 unter einem neuen von Corzine zu MF Global geholten Chefhändler.

Investoren sorgen sich trotz der jüngsten Beschlüsse des Euro-Gipfels, die die Kurse von Banken gestützt haben, um den Kapitalpuffer und die Zahlungsfähigkeit von MF Global. Der Makler ist nach eigenen Angaben mit 6,3 Milliarden Dollar in Anleihen von Italien, Spanien, Belgien, Irland und Portugal engagiert. Die Bank Morgan Stanley, deren Engagement in diesen Ländern rund 4 Milliarden Dollar beträgt, verfügte am Ende des dritten Quartals über fast 50 mal höhere Barmittel. „Die schwache Profitabilität im Kerngeschäft trug dazu bei, dass MF Global bedeutende Risiken in Form von europäischen Staatsanleihen in Peripherie-Ländern eingegangen ist“, begründete Moody's die Abstufung der Kreditwürdigkeit.

Verpflichtungen nachkommen

Das könnte die Zahl der Handelspartner reduzieren, die mit MF Global Geschäfte machen wollen. Um über ausreichende Barmittel zu verfügen, hat MF Global jetzt eine bestehende Kreditlinie von 1,3 Milliarden Dollar in Anspruch genommen. Einige Handelshäuser, die ihre Termingeschäfte über MF Global abwickeln, haben amerikanischen Medienberichten zufolge schon damit begonnen, ihre offenen Positionen zu reduzieren. „Wir ziehen noch nicht den Stecker raus, aber wir machen was wir können, um uns auf eine Veränderung vorzubereiten“, sagte ein Händler in Chicago. Große Terminbörsen wie die CME Group in Chicago, bekräftigten allerdings, dass MF Global seinen Verpflichtungen weiter nachkomme.

Das „Wall Street Journal“ berichtete, dass der Verwaltungsrat von MF Global die Investmentbank Evercore und einen weiteren nicht namentlich genannten Berater angeheuert hat, um strategische Optionen zu erörtern. Investoren interpretierten diesen Schritt als Verzweiflungstat und Misstrauensvotum für Vorstandschef Corzine. „Wir glauben, ein potentieller Verkauf muss innerhalb von Tagen und nicht von Wochen stattfinden, damit die Geschäftsführung den maximalen Wert für das Kundenportfolio erhält“, kommentierte Analyst Niamh Alexander vom Wertpapierhaus Keefe, Bruyette & Woods.

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