23.10.2008 · Bei Metro stürzen die Aktienkurse wie im Schlussverkauf die Preise. Um mehr als 16 Prozent ist die Notierung am Donnerstag gefallen. Die Analysten kehren der Aktie reihenweise den Rücken. Wie lange hält Vorstandschef Cordes durch?
Der Verlierer des Tages an der deutschen Börse heißt Metro. Zeitweise mehr als 16 Prozent auf 21,75 Euro hat die im Dax notierte Aktie am Donnerstag verloren. Damit ist der Kurs auf den niedrigsten Stand seit 1996 gestürzt.
Aktueller Auslöser war die Empfehlung der Société Générale, die Metro-Aktie zu verkaufen. „Wir meinen, dass eine Gewinnwarnung jetzt unvermeidlich ist“, schrieb die Analystin Eloïse Veillet in ihrer Begründung. „Es sind jetzt genügend negative makroökonomische Signale da, um für das restliche Jahr vorherzusagen, dass sich die Aktie sowohl im Vergleich zur Konsumelektronik als auch zum Lebensmitteleinzelhandel unterdurchschnittlich entwickeln wird.“
Aktie auf Verkaufen gesetzt
Die Analystin der französischen Großbank ist nicht die einzige, die sich von der Metro-Aktie so klar abwendet. Auch die Analysten von Morgan Stanley und der Citigroup haben ihre Kursziele gesenkt. Jérôme Samuel von der Citigroup hält nun eine Bewertung von 32 Euro und nicht mehr 42 Euro für angemessen - damit liegt sein Ziel schon 10 Euro über dem aktuellen Kurs. Morgan Stanley setzte sein Kursziel ungewöhnlich kräftig von 48 Euro auf 25 Euro herunter.
Tatsächlich nimmt der Druck auf Metro zu, der sich Lage offen zu stellen. Doch der Vorstandsvorsitzende Eckhard Cordes will bisher nicht über eine Senkung seiner Gewinnschätzung mit sich reden lassen. „Wir spüren zwar eine zunehmende Verunsicherung der Verbraucher, aber bislang sehen wir keine nennenswerten Auswirkungen“, sagte Cordes noch in der Montagsausgabe des Wochenmagazins „Focus“.
Wie lange werden die Haniels noch zuschauen?
Es wird auch schon offen darüber geredet an der Börse, wie lange Cordes überhaupt noch dem Druck von Analysten und Anlegern standhalten kann. Denn obwohl die Metro-Aktie in der obersten deutschen Börsenliga gehandelt wird, hat Cordes es nicht mit einer großen Menge anonymer Aktionäre zu tun. Vielmehr ist der Industriellen-Clan Haniel bei Metro Großaktionär, und diese hatte Cordes vom Autokonzern Daimler als Chef des Einzelhandelskonzerns nach Düsseldorf geholt. Doch auch das Auto-Geschäft läuft offenbar anders als der Handel.
Doch trotz aller Bemühungen von Cordes ist Metro in weiten Teilen ein Sanierungsfall geblieben. Dies gilt in erster Linie für die großen Supermärkte und die Discounterkette Real. Die beiden Elektronikketten Media Markt und Saturn schlagen sich noch gut. Doch auch bei ihnen sinken die Erträge.
Der Konzern lässt sich nicht so leicht zerlegen
Die Einzelteile des Firmengemenges Metro sind mehr wert als der gesamte Konzern. Mit dieser Einschätzung trat Cordes sein Amt an, um den Konzern nach Portfolio-Manager-Manier zu zerlegen. Doch es zeigte sich, dass viele der Einzelteile sich nicht gewinnbringend verkaufen lassen, um die angeblich im Verborgenen liegenden Schätze zu heben. Bei den beiden Elektronikketten sind zum Teil noch die Altgesellschafter mit knapp 25 Prozent beteiligt, die bei einem Verkauf oder einem -zeitweise von Cordes favorisierten - Börsengang - ein Wort mitzureden haben. Ein Gang an die Börse von Media Markt oder Saturn kommt derzeit ohnehin nicht mehr infrage.
Auch sein Versuch, die Warenhauskette Galeria Kaufhof abzustoßen, schlug fehl. Die Investmentbank JP Morgan sollte Käufer präsentieren und steht bisher mit leeren Händen da. Auch die Modemärkte Adler will Cordes loswerden. Denn Sanierungskosten und eine vollständige Abschreibung der Firmenwerte führten zu einem Verlust von 375 Millionen Euro im ersten Halbjahr.
Auch die Großhandelsmärkte, die ursprünglich Metro groß gemacht hatten, laufen nicht mehr so gut wie in der Vergangenheit. Viele Selbständige decken sich für ihre Kioske, Restaurants, Kneipen oder Hotels nicht mehr bei Metro ein, sondern bei Discountern Aldi, Lidl oder Penny, die in vielen Fällen noch günstiger sind.
Mit einem Umsatz von knapp 32 Milliarden Euro trugen die Großmärkte - zusammengefasst im Unternehmensbereich Cash & Carry - rund die Hälfte zum Konzernumsatz von 64 Milliarden Euro bei. Media Markt und Saturn kamen auf einen Umsatz von 17 Milliarden Euro, Real auf 11 Milliarden Euro und Galeria Kaufhof auf 3,6 Milliarden Euro.
Expansion in Osteuropa kommt ins Stocken
Bisher konnte Metro einen Teil der Umsatzschwäche in Deutschland durch die Expansion in Osteuropa auffangen. Cash & Carry hatte dort in den vergangenen Jahren regelmäßig Zuwachsraten von mehr als 10 Prozent erreicht. Doch auch hier verdüstern sich die Aussichten. „Gegenwind aus Osteuropa hätte spürbare Auswirkungen auf die Metro“, warnte Thilo Kleibauer, Analyst beim Bankhaus M. M.Warburg.
Auch wenn viele Einzelhandelsaktien in den vergangenen Monaten Federn lassen mussten, erging es der Metro-Aktie besonders schlecht. Mehr als die Hälfte ihres Werts hat sie in den vergangenen zwölf Monaten eingebüßt. Die Aktie des französischen Einzelhandelskonzerns Carrefour beispielsweise hat in dieser Zeit 44 Prozent verloren. Vor allem die Titel der britischen Kette Tesco haben sich in den vergangenen fünf Jahren besser entwickelt als Metro. Und auch im vergangenen Jahr verloren Tesco nur 40 Prozent und damit deutlich weniger an Wert als Metro. Auf zehn Jahre gesehen waren Tesco eindeutig die beste Anlage im Vergleich zu Metro, Carrefour und Arcandor (siehe Grafik).
Aus charttechnischer Sicht bietet sich bei Metro ein ausgesprochen desolates Bild. Der Kurs hat sämtliche Unterstützungslinien durchbrochen und befindet sich seit Sommer 2007 in einem scharfen Abwärtstrend. Nachdem der Kurs mit knapp 22 Euro nun in die Region der langjährigen Tiefstände von 2002 gestürzt ist, treibt manche Anleger schon die Sorge um, dass auch diese nicht halten werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |