Der Dax hat am Freitag nach dem bekräftigten Bekenntnis der Bundeskanzlerin zum Euro mit Leichtigkeit die Hürde von 7000 Punkten überwunden. Angela Merkel hatte während ihres Besuchs in Kanada abermals den politischen Willen der Regierungen der Europäischen Union, alles Nötige zur Stabilisierung des Eurokurses tun zu wollen, unterstrichen. Der deutsche Leitindex, der die psychologisch wichtige Marke von 7000 Punkten schon am Vortag erstmals wieder seit April kurz überwunden hatte, legte zum Handelsschluss um 0,6 Prozent auf 7041 Punkte zu. Auf Wochensicht bedeutete dies ein Plus von 1,4 Prozent. Für den M-Dax ging es am Freitag um 1,2 Prozent auf 11.228 Punkte nach oben. Der Tec-Dax gewann 1,3 Prozent auf 796 Punkte. Der marktbreite FAZ-Index legte um 0,8 Prozent auf 1519 Punkte zu.
„Nach langer Zeit ist endlich wieder etwas Ruhe in die Märkte eingekehrt“, kommentierte Händler Markus Huber von ETX Capital. Dabei verwies er auf die Aussage des Chefs der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, vor etwas mehr als zwei Wochen, dass seinerseits alles getan werde, um den Euro zu erhalten. Die Worte der Kanzlerin runden laut einem Marktstrategen das Bild nun ab und schüren die Hoffnung auf weitere geldpolitische Lockerungen seitens der Europäischen Zentralbank.
Bankaktien gefragt
Die Bankaktien waren nach den Merkel-Aussagen die besten Werte im Dax. Die Titel der Deutschen Bank gewannen an der Indexspitze 3,5 Prozent auf 26,72 Euro. Die Papiere der Commerzbank stiegen um 3,3 Prozent.
„Die Politik Merkels wird zukünftig wohl etwas italienischer ausfallen, also mehr Unterstützung für die Euro-Südländer. Und die Banken haben die Anleihen dieser Länder“, begründete Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank die Kursgewinne.
Lufthansa geben nach
Die Anteilsscheine der Lufthansa sanken um 0,4 Prozent und verringerten damit ihre Verluste vom Vormittag, nachdem ein Streik des Kabinenpersonals zumindest bis zum Beginn der neuen Woche vom Tisch ist. Allerdings hatte die Gewerkschaft UFO das Gesamtpaket der Lufthansa im Tarifstreit abgelehnt. Es werde nun auf ein Angebot gewartet, das sich allein auf die Vergütung beziehe. Die Lufthansa habe bis spätestens Mittwoch eine Offerte angekündigt.
In Europa stieg der Euro Stoxx 50 um 0,6 Prozent auf 2471,5 Punkte. Auch der Pariser Leitindex und der britische „Footsie“ legten zu. In den Vereinigten Staaten verbuchten die wichtigsten Indizes zum Zeitpunkt des europäischen Börsenschlusses moderate Gewinne.
Eurokurs sinkt
Am Rentenmarkt sank die Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,2 Prozent (Donnerstag: 1,24 Prozent). Der Rentenindex Rex stieg um 0,03 Prozent auf 133,8 Punkte. Der Bund Future gewann 0,4 Prozent auf 142 Punkte.
Der Kurs des Euro fiel nach besser als erwartet ausgefallenen amerikanischen Konjunkturdaten und notierte zuletzt bei 1,2307 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs gegen Mittag noch auf 1,2337 (1,2279) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8106 (0,8144) Euro.
Moderate Gewinne an Wall Street
Positiv ausgefallene Stimmungsindikatoren haben den amerikanischen Börsen am Freitag nicht den erhofften Schwung verliehen. Der Dow Jones Index kam nach dem Auftakt nur mühsam in Gang und stand zuletzt mit 0,1 Prozent im Plus bei 13.269 Punkten. Am Vortag hatte das Börsenbarometer etwas deutlicher zugelegt und den höchsten Stand seit dreieinhalb Monaten erreicht. Auch der breiter gefasste S&P 500-Index legte am Freitag nur hauchdünn zu, er stand zuletzt bei plus 0,1 Prozent auf 1417 Zählern. Immerhin erreichte der Index kurzfristig ein Vier-Jahres-Hoch. An der Technologiebörse Nasdaq kletterte der Composite Index um 0,2 Prozent auf 3069 Punkte nach oben, und der Auswahlindex Nasdaq 100 rückte um 0,4 Prozent auf 2776 Punkte vor.
„Die Märkte haben sich zuletzt gut geschlagen“, sagte ein Marktbeobachter. Um weiter zu steigen, seien nun noch mehr gute Nachrichten nötig. Dabei zeigten die jüngsten Stimmungsindikatoren tendenziell in die richtige Richtung: So hatte sich das von der Universität Michigan ermittelte Konsumklima im August überraschend aufgehellt. Zudem war auch der Sammelindex von zehn Frühindikatoren im Juli stärker als erwartet gestiegen. Nach dem Kursrutsch um mehr als 6 Prozent am Vortag ging es für die Facebook-Aktien weiter abwärts. Die Titel gaben um 3 Prozent auf 19,29 Dollar nach. Zuvor hatten die Papiere bei 19,22 Dollar den tiefsten Stand ihrer noch sehr kurzen Börsengeschichte erreicht. Am Donnerstag war eine Haltefrist für jene Aktionäre geendet, die schon vor dem Börsengang an Bord waren. Seit dem Börsengang im Mai, als die Facebook-Aktie zum Preis von 38 Dollar auf den Markt kam, hat sich ihr Wert damit nahezu halbiert.
Unterdessen tröpfelten noch die Nachrichten von Nachzüglern der Bilanzsaison ein. So legten die Papiere des Schuhherstellers Foot Locker nach überraschend gut ausgefallenen Quartalszahlen um 2,5 Prozent zu. Noch größere Kursgewinne fuhren die Papiere des Einzelhändlers Gap ein, die 4,9 Prozent auf 39 Dollar vorrückten. Die Modekette hatte ihren Gewinn im abgelaufenen Quartal etwas deutlicher gesteigert als von Experten erwartet und zudem auch die erst zwei Wochen alte Unternehmensprognose übertroffen. An der Technologiebörse Nasdaq verteuerten sich die Papiere von Brocade Communications Systems nach den für das dritte Geschäftsquartal vorgelegten Zahlen um 3,2 Prozent. Der Netzwerkausrüster hatte mit seinem Zahlenwerk ebenfalls die Analysten positiv überrascht. Besonders freuen durften sich die Aktionäre von Apple. Die Papiere des erfolgsverwöhnten iPhone- und iPad-Herstellers zogen zwischenzeitlich auf den höchsten Kurs ihrer Börsengeschichte bei 643,5 Dollar an. Zuletzt betrug das Kursplus noch 1,1 Prozent.