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Medizintechnik Ausgerechnet der Hoffnungsträger macht Philips Ärger

15.10.2007 ·  Philips hat im dritten Quartal einige Erwartungen übertroffen, bei den entscheidenden Zahlen jedoch gepatzt. Deshalb ging es am Montag mit dem Kurs drastisch nach unten. Das Sorgenkind: die Hoffnungssparte Medizintechnik.

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Der niederländische Elektronikkonzern Philips hat im dritten Quartal einige Erwartungen übertroffen, bei den entscheidenden Zahlen jedoch gepatzt. Deshalb ging es am Montag mit dem Kurs drastisch nach unten. Die Aktie verlor rund fünf Prozent und führte damit die rote Laterne im europabreiten Standardwerte-Index Euro-Stoxx 50.

Wenig zu bemängeln gab es beim operativen Gewinn, der von 71 auf 438 Millionen Euro stieg, wie Philips mitteilte. Analysten hatten zwischen 343 und 349 Millionen Euro erwartet. Mit einem Umsatzanstieg von 6,313 auf 6,524 Milliarden Euro übertraf Philips ebenfalls die Analystenschätzungen, die zwischen 6,31 und 6,41 Milliarden Euro lagen.

Die Medizintechnik enttäuscht

Nur beim Überschuss blieben die Niederländer hinter den Prognosen zurück. Diese entscheidende Gewinnzahl belief sich auf 331 Millionen Euro. Das ist zwar viel, aber offensichtlich nicht genug für die Börsianer: Experten hatten mit 362 bis 392 Millionen Euro gerechnet.

Ärgerlich finden Anleger vor allem die enttäuschende Entwicklung der Medizintechniksparte. Hier verdiente Philips 182 Millionen Euro und damit deutlich weniger als erwartet. Im zweiten Quartal hatten sich die Geschäfte in der Sparte noch gut entwickelt und dazu beigetragen, einen Rückgang wegen der schwindenden TV-Geräte-Nachfrage im Jahr nach der Fußball-Weltmeisterschaft auszugleichen.

Rückschlag durch sparsame Amerikaner

Allerdings versetzte das amerikanische Gesetz zur Verringerung des Haushaltsdefizits dem Unternehmensbereich einen Rückschlag. Regulatorische Änderungen in den Vereinigten Staaten hätten den Markt beeinträchtigt, formulierte Philips-Finanzchef Pierre-Jean Sivignon: “Wir erwarten immer noch ein ziemlich gutes Umsatzwachstum, sind aber zurückhaltend zu dem bisherigen Ziel von sechs Prozent für das Gesamtjahr.“ Auch beim Ebita werde die Sparte wohl zurückstecken müssen.

Dafür profitierte die Licht-Sparte von einer starken Nachfrage nach Energiesparlampen. Der Bereich wird laut Philips auch künftig stark wachsen. Im Verbrauchergeschäft verzeichnete der Konzern dank einer Reihe von Markteinführungen ein belebtes Geschäft.

Trotzdem schrillen bei den Profis nun die Alarmglocken, zumal die Medizintechnik-Sparte als Kern des zukünftigen Wachstums von Philips gilt. “Wir sind besorgt über die Entwicklung in der Medizintechnik“, erklärte Analyst Eric de Graaf von Petercam und stufte die Aktie des Elektrokonzerns herunter.

Kleisterlee zufrieden mit dem Quartal...

Analyst Frits de Vries von Rabo Securities hingegen empfahl die Aktien weiterhin zum Kauf und beließ sein Kursziel bei 41,00 Euro. Die Elektrogeräte-Sparte habe eine „sehr starke Wertentwicklung“ gezeigt, sagte der Experte. Die Analysten von DNS Securities beließen ebenfalls ihre „Accumulate“-Einschätzung und ihr Kursziel von 36,00 Euro. Philips dürfte nach Einschätzung der Experten die Schätzungen für das Gesamtjahr nicht wesentlich ändern.

Den Schattenseiten im Vierteljahr zum Trotz zeigte sich Unternehmenschef Gerard Kleisterlee zufrieden mit dem Verlauf des dritten Quartals. Der Umsatzanstieg sei durch das Verbrauchergeschäft und wichtige Wachstumsmärkte wie Lateinamerika, China und Indien getrieben worden.

...aber der Optimismus hat einem Dämpfer erhalten

Die Philips-Aktie hatte bislang über das Jahr 13 Prozent zugelegt und sich damit parallel zum niederländischen Aktienindex AEX entwickelt. Zuletzt hatten Optimisten gute Chancen gesehen, dass der Titel den Gesamtmarkt schlagen kann - dann, wenn die selbst gesetzten Ziele erreicht werden. Unter anderem sieht ein Programm mit dem Namen „Vision 2010“ vor, die beiden Bereiche Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik zum 1. Januar 2008 zur neuen Sparte Philips Consumer Lifestyle zusammenzuführen.

Die Zahlen zum dritten Quartal haben dem Optimismus einen Dämpfer versetzt. Dass ausgerechnet der Hoffnungsträger Medizintechnik schwächelt, ist schwer zu verschmerzen. Allerdings drohen Unternehmen, die sich in regulierte Märkte begeben, immer mögliche Dämpfer von seiten der Politik. Andererseits ist die Medizintechnik bei dem Konzern mit einem Jahresumsatz von 27 Milliarden Euro nur ein Bruchteil des Geschäfts. Mutige sehen im aktuellen Kurseinbruch die Chance auf einen preisgünstigen Einstieg.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @tih
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