08.05.2007 · Deutlich unter Druck stehen am Dienstag die Aktien des Medizin- und Sicherheitstechnikanbieters Drägerwerk, nachdem die Geschäftszahlen zum ersten Quartal nicht das hielten, was sich manche versprochen hatten. Vorläufig fehlt es an Aufwärtsimpulsen.
Medizintechnik-Aktien erfreuten sich in den vergangenen Jahren recht großer Beliebtheit, was mitunter dazu führte, dass ihre Bewertungen in recht große Höhen stiegen. Dies impliziert hohe Erwartungen, die nicht immer erfüllt wurden.
Zu den insgesamt nicht so stark gefragten Aktien der Branche gehörte die der Drägerwerk AG, die nach einer starken Entwicklung im Jahr 2003 zu Beginn des Folgejahres von ihrem damaligen Allzeithoch bei 63 Euro bis auf 38,03 Euro abrutschte und sich in den Folgejahren nur mäßig erholen konnte.
Ende eines Ausbruchs
Im Großen und Ganzen tendiert die Aktie nach einer anfänglichen Erholung im Jahr 2005 zwischen 45 und 50 Euro seitwärts. Ein erster Ausbruchsversuch im Jahr 2006 scheiterte schon bei 58 Euro. Erst im laufenden Jahr gelang dies, nachdem das Unternehmen aufgrund eines starken vierten Quartals die Umsatz- und Ergebniserwartungen der Analysten übertroffen hatte. Der Konzern gab sich optimistisch für die Zukunft, und obwohl Analysten die Aktie herabstuften, erreichte der Kurs noch am Freitag der vergangenen Woche bei 73,80 Euro ein neues Allzeithoch. Mit zunehmend weniger Kaufempfehlungen aber begann der Kurs schon am Montag zu bröckeln, bevor er dann am Dienstag um zeitweise 7,6 Prozent auf 67,30 Euro einbricht.
Hintergrund dürften die vorgelegten Zahlen zum ersten Quartal sein, die nicht das hielten, was sich wohl viele davon versprochen hatten. Ein im Jahresvergleich geringerer Umsatzanstieg gegenüber dem starken Vorjahresquartal führte zu einem deutlichen Ergebnisrückgang. Das Betriebsergebnis (Ebit) fiel um 15 Prozent auf 17,4 Millionen Euro, teilte der Medizin- und Sicherheitstechnikkonzern mit. Analysten hatten mit einem nicht nennenswerten Rückgang auf 20,2 Millionen Euro gerechnet.
Starker Ergebnisrückgang in der Medizintechnik
Der gesunkene Ertrag resultierte allein aus dem Bereich Medical, in dem Drägerwerk beispielsweise Anästhesie-Arbeitsplätze oder Beatmungsgeräte vertreibt. Im ersten Quartal lag das Ebit mit 8,5 Millionen Euro um 34 Prozent unter dem Vorjahreswert von 12,9 Millionen Euro. Zwar erreichten den Angaben zufolge Bruttomarge und Bruttoergebnis fast den Vorjahreswert. Doch habe der Anstieg der linear verlaufenden Funktionskosten um 3,4 Millionen Euro belastend gewirkt, zumal auch der Umsatz mit einem Plus von 1,9 Prozent auf 392,5 Millionen Euro unter den Schätzungen von 397,4 Millionen Euro lag.
Hinzu kommt ein Auftragsrückgang von insgesamt neun Prozent und von zwölf Prozent in Deutschland. Das deute an, dass auch das zweite Quartal für Dräger Medical nicht überragend werde, meint Analystin Yasmin Majewski von Dresdner Kleinwort Investment Banking (DKIB). Der schwächere Trend könne sich damit fortsetzen. Unbequem für das Unternehmen sei daneben, dass die Medical-Sparte immer noch keinen Vorstandschef habe.
Zwar wird der niedrigere Auftragseingang nicht zuletzt auf einen außergewöhnlich hohen Vorjahreswert zurückgeführt, doch zeigt dies nur um so deutlicher, dass sich Erfolgsgeschichten eben nicht ohne weiteres fortschreiben lassen.
Für den Gesamtjahresverlauf „wenig aussagekräftig“
Der Auftragseingang des Gesamtkonzerns lag den Angaben zufolge mit 444, 9 Millionen Euro um 1,6 Prozent unter Vorjahr, wobei der Bereich Sicherheitssysteme das Minus im Medizintechnikbereich trotz eines Plus' von 11,8 Prozent auf 175 Millionen Euro nicht vollständig zu kompensieren vermochte. In diesem Bereich kletterte der Umsatz im ersten Quartal um drei Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 138,9 Millionen Euro.Das Ebit stieg auf 12,3 nach 10,9 Millionen Euro.
Das Quartalsergebnis fiel gegenüber dem Vorjahresvergleichsquartal um zwölf Prozent auf 6,5 Millionen Euro. Indes ist vor allem der Steueraufwand aufgrund des gesunkenen Ergebnisses zurückgegangen. Durch die Übernahme des zehnprozentigen Anteils an der Dräger Medical AG & Co. KG stieg das Ergebnis je Vorzugsaktie dagegen von 0,37 Euro im Vorjahr auf 0,40 Euro.
Der Start ins Jahr sei schwächer als erwartet ausgefallen, meinte Analyst Christian Cohrs von der HVB. Allerdings müsse dabei auch der schwankende Charakter des Projektgeschäftes berücksichtigt werden. Für den Gesamtjahresverlauf sei das erste Quartal wenig aussagekräftig. Auch das Unternehmen selbst zeigt sich davon insoweit überzeugt, als es den Ausblick, wonach für das laufende Jahr ein Umsatz- und Ergebniswachstum geplant ist, bekräftigte. Es werde hier weiterhin mit einer positiven Entwicklung gerechnet, hieß es.
Ungünstige charttechnische Voraussetzungen
Andere Analysten sind nicht ganz so optimistisch. So stuften die Analysten von Sal. Oppenheim die Aktie aufgrund des schwachen Starts ins Jahr und eines sinkenden Auftragseingangs der Medizintechnik-Sparte auf „halten“ herab. Die jüngste Kursrally habe den Kurs über das Niveau des fairen Werts gehoben. Der Ausblick für 2007 falle noch sehr vage und vorsichtig aus. Doch lasse sich absehen, dass die neue Produktgruppe „Infinity“ der Medizintechniksparte die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens stärken werde. Mit dieser neuen Produktgruppe sollen Patientenüberwachung, Therapie und Informationsmanagement eines Krankenhauses quer durch alle Bereiche vernetzt werden.
Mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 16,25 für das laufende und 13,9 für das kommende Jahr erscheint die Aktie des Drägerwerks für eine Medizintechnik-Aktie nach dem Kursrutsch vom Dienstag vergleichsweise niedrig bewertet, die Kurs-Cashflow-Verhältnisse mit sechs bzw. 5,7 sogar relativ günstig.
Allerdings hat die Notierung sowohl ihren kurzfristigen Aufwärtstrend als auch die Unterstützung bei 71 Euro durchbrochen und sieht sich erste im Bereich des früheren Allzeithochs von 63 Euro neuen Unterstützungen gegenüber. Auf der anderen Seite könnte sich die derzeit recht wetterwendische Stimmung am Markt wieder wenden, besonders dann, wenn das Unternehmen mit neuen Erfolgsmeldungen aufwarten kann. Indes sollte man diese vor einem Neuengagement getrost abwarten, weil ohne einen solchen Impuls vorläufig nicht mit einer Wende nach oben zu rechnen sein dürfte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |