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Medien Ungünstiges Umfeld für Börsengang von 10tacle

13.06.2006 ·  Der Darmstädter Computerspiele-Hersteller 10tacle will an die Börse. Die Aktie erscheint nicht unangemessen bewertet, Potential ist in dem hochkompetitiven Markt da. Doch das Umfeld für Neuemissionen und Wachstumswerte ist derzeit alles andere als förderlich.

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In den vergangenen Monaten haben einige Unternehmen aus dem Bereich der Unterhaltungssoftware den Weg an die Börse beschritten. Meistens war ihnen weniger Erfolg beschieden.

Mit dem Darmstädter Computer- und Videospielehersteller 10tacle Studios gesellt sich zu Magix und Frogster jetzt ein weiteres Unternehmen aus dem Sektor hinzu. 10tacle zählt sich zu den in Europa führenden unabhängigen Entwicklungs- und Produktionsunternehmen für hochwertige Computer- und Videospiele. Im August 2003 gegründet, verfügt man derzeit über sechs eigene Entwicklungsstudios in Darmstadt sowie Hannover, London, Charleroi, Bratislava und Singapur, wo derzeit mehr als 180 Beschäftigte arbeiten.

Rasante Spiele für einen rasanten Markt

Ein Produktschwerpunkt von 10tacle sind vor allem Rennsimulationen. Unter den acht auf der Website beworbenen Spielen machen sie die Hälfte aus. Daneben hat man mit „Elveon“ ein Game aus dem Bereich Fantasy, mit „Black Buccanner“ ein Piratenspiel - im Grunde also alles, was an „Games“ derzeit gängig ist.

Somit steht 10tacle auch in einem intensiven Wettbewerb, von denen einige größer und finanziell besser ausgelastete sind und somit über Wettbewerbsvorteile verfügen. Außerdem drängen weiterhin neue Unternehmen auf den Markt, so daß ein intensiver Preiswettbewerb herrscht, der die Verkaufspreise des Unternehmens unter „regelmäßigen Preisdruck“ hält.

„Black Buccaneer“ ist das erste Spiel, das das Unternehmen auch für den Konsolenmarkt anbietet, ansonsten ist 10tacle vor allem im PC-Spielemarkt vertreten. Von „Neocron“ gibt es auch eine Multi-Player-Online-Version, mit „Prophecy“ soll 2008 ein zweites Spiel für diesen Markt folgen. Auf dem Markt für Handy-Spiele agiert man mit „Oktoberfest“.

Starkes Wachstum im Vorjahr

Mit dem Börsengang in den General Standard will das Unternehmen 21,3 Millionen Euro erlösen. Die bis zu 1,98 Millionen Aktien stammen aus einer Kapitalerhöhung, lediglich die Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) von 180.000 Stück kommt aus dem Besitz der Altaktionäre. Die Preisspanne für die Zeichnung, die vom Dienstag an bis zum 20. Juni gezeichnet werden können, liegt zwischen 11,75 bis 13,50 Euro.

Mit dem Geld sollen den Angaben zufolge die Geschäftsaktivitäten von 10tacle erweitert und die Expansion nach Asien und in die Vereinigten Staaten finanziert werden. Geplant sei zudem eine Weiterentwicklung der Software „Neoreality“.

2005 erzielte 10tacle einen Umsatz von 17,9 Millionen Euro, 113 Prozent mehr als im Jahr davor. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg um rund 362 Prozent auf 1,684 Millionen Euro, der Jahresüberschuß errreichte 1,06 Millionen Euro und war damit zum ersten Mal positiv. der Cashflow vor Finanzierungstätigkeit war indes im vergangenen Jahr noch deutlich negativ, was in Anbetracht der kurzen Unternehmenshistorie kaum überraschen kann. Bei einem Cashflow aus laufenden Geschäftstätigkeit von 1,24 Millionen Euro betrug der Mittelabfluß aus Investitionstätigkeit 5,26 Millionen Euro.

Branchenangemessene Bewertung

Bezogen auf die Aktienzahl nach Börsengang liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das vergangene Jahr bei 67 bis 77. Über die Bewertung auf Basis der zukünftigen Aussichten lassen sich mangels verwertbarer Prognosen nur eingeschränkt Aussagen treffen.

Die Aktien von Computerspiele-Herstellern sind üblicherweise hoch bewertet - sofern sie überhaupt Gewinne erzielen. Insofern ist die Bewertung der 10tacle-Aktie im Branchenvergleich jenseits aller Prognosen durchaus üblich. Electronic Arts etwa kam für das vergangene Jahr auf ein KGV von über 44. Indes ist der Hersteller sehr viel größer und kann daher nicht die Wachstumsraten aufweisen, die bei 10tacle möglich sind.

Andererseits impliziert die geringe Unternehmensgröße und die kurze Historie von 10tacle auch ein recht große Schwankungsanfälligkeit. Fehlschläge bei einzelnen Projekten, Plattform-Verschiebungen im Hardware-Bereich, nicht antizipierte modische Schwankungen - all dies kann recht rasch zu Verlusten bei Umsatz und/oder Ertrag führen. Das Risiko der Aktie ist also nicht zu unterschätzen.

Schlechtes Sentiment für Neuemissionen und Wachstumswerte

Was das unmittelbare Umfeld der Zeichnung angeht, so kann man nicht umhin festzustellen, daß das Sentiment gegenüber Aktien-Neuemissionen ist im Juni deutlich eingebrochen ist. Das ist das Ergebnis einer am Dienstag veröffentlichten Sentix-Umfrage unter rund 800 Investoren in der vergangenen Woche. Der Headline-Index brach mit minus 31,75 Punkte nach minus 16,25 im Vormonat auf den tiefsten Stand seit Beginn der Erhebung im Juli 2005 ein. „Die Kurseinbrüche am Aktienmarkt haben die Anleger schwer verunsichert“, berichtet Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner.

Dabei richte sich die Abneigung gar nicht so sehr gegen Aktien-Neuemissionen an sich. Vielmehr sei sie Ausdruck einer allgemeinen, schnell um sich greifenden Abneigung gegen Investmentrisiken, so Hübner. Eine ähnliche Entwicklung sei sowohl im Sentix-Risikoindex als auch bei den Subindizes zu Neben-, Wachstumswerten oder Unternehmensanleihen zu beobachten. Die Anleger zögen sich in defensivere Anlageformen zurück.

Für die Aktie von 10tacle sind dies keine guten Vorboten, denn es handelt sich um die Neuemission eines gering kapitalisierten Wachstumswertes. Das sind praktisch gleich drei Handicaps. Zwar ist ihr Potential nicht abzusprechen und auch der Preis erscheint nicht unangemessen, doch das Umfeld ist einfach ausgesprochen ungünstig. Daher erscheint ein Spekulieren auf unmittelbare Zeichnungsgewinne gewagt - indes ist in einem besseren Marktumfeld mehr drin.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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