Nach einem robusten Höhenflug bis Ende des vergangenen Jahres hat die Aktie des Medien- und Telekommunikationsunternehmens United Internet den Aufwärtstrend gebrochen und inzwischen etwas mehr als 60 Prozent ihres Wertes verloren.
Diese Entwicklung mag auf der einen Seite mit dem allgemeinen Verkaufsdruck an den Börsen zusammenhängen. Auf der anderen Seite läuft das operative Geschäft weniger dynamisch als in der Vergangenheit. Das Unternehmen senkte seine Jahresprognose am Donnerstagabend wegen der Flaute im Online-Werbegeschäft erneut.
Wachstum des operativen Geschäfts schwächt sich ab ...
Der Rückgang beim Online-Marketing habe das Wachstum im dritten Quartal deutlich gebremst und auch die Aussichten für das Gesamtjahr gedämpft, teilte es mit. Das operative Geschäft soll demnach nur noch um zehn Prozent wachsen. Bislang hatte das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 16 Prozent und eine Ergebnissteigerung von 20 Prozent in Aussicht gestellt.
Man wolle nun verstärkt auf die Kosten achten, sagte Vorstandschef Ralph Dommermuth. Konkrete Sparmaßnahmen kündigte er aber noch nicht an. Die Vermarktungstochter AdLink hatte vor gut zwei Wochen schwache Zahlen für die ersten neun Monate 2008 vorgelegt und die Prognose für das Geschäftsjahr gesenkt. Zudem warnte AdLink, wegen der schwer einzuschätzenden Einflüsse der Konjunkturentwicklung auf den weiteren Geschäftsverlauf sei der Ausblick „nach wie vor mit Unsicherheiten behaftet“.
Neben der Konjunkturflaute schlug auch die Entwicklung an den Börsen auf das Ergebnis des Internetdienstleisters durch. Denn United Internet musste auf die Beteiligungen an Freenet in Höhe von 7,2 Prozent, an Drillisch in Höhe von 9,7 Prozent - Drillisch ist seinerseits zu knapp 26 Prozent an Freenet beteiligt - und an Versatel in Höhe von 25,2 Prozent 145,6 Millionen Euro abschreiben, nachdem deren Börsenkurse stark gefallen waren. Unterm Strich führte das im dritten Quartal zu einem Verlust von 103,8 Millionen Euro. Auch Umsatz und Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stiegen nicht so stark wie von Analysten erwartet. United Internet erwirtschaftete nach einem Zuwachs von 8,6 Prozent einen Umsatz von 407,4 Millionen Euro und nach einem Zuwachs von gerade einmal 1,4 Prozent ein Ebitda von 77,7 Millionen Euro.
... sowohl im Marketing- als auch im Portal- und DSL-Geschäft
Das Onlinemarketing-Unternehmen Adlink Internet Media AG, das zu knapp 88 Prozent in Besitz von United Internet steht, hatte seine Erwartungen für das Gesamtjahr bereits Ende Oktober gesenkt und geht für 2008 von einem Umsatz auf Vorjahresniveau und einem Gewinn vor Steuern von 10 Millionen Euro bis 12 Millionen Euro aus. Zuvor waren ein Umsatzplus von 10 Prozent und ein Vorsteuerergebnis von rund 21 Millionen Euro angestrebt worden.
Gleichzeitig wachsen bei United Internet die Vermarktungserlöse im Portalgeschäft moderater als geplant. In diesem Bereich würde nun ein Umsatzplus von 20 Prozent im Gesamtjahr erwartet. Ursprünglich war man von einem Zuwachs von 40 Prozent ausgegangen. Es gebe derzeit jedoch insgesamt eine spürbare Zurückhaltung bei Werbetreibenden, erklärte Dommermuth. Daneben will United Internet im vierten Quartal netto etwa 60.000 DSL-Kunden akquirieren. Bisher war man von 100.000 neuen DSL-Kunden ausgegangen.
Insgesamt erwartet United Internet den Angaben zufolge für das Gesamtjahr ein Plus von 11,6 Prozent beim Umsatz und knapp 11 Prozent beim Ebitda. Zuvor hatte das Unternehmen ein Umsatzwachstum von etwa 16 Prozent sowie einen Ebitda-Zuwachs von 20 Prozent in Aussicht gestellt. In absoluten Zahlen rechnet United Internet mit Erlösen von etwa 1,66 Milliarden Euro und einem Ebitda von rund 330 Millionen Euro.
Insgesamt haben die Wachstumsaussichten des Unternehmens aufgrund des schwachen konjunkturellen Umfelds aber auch der härter werdenden Konkurrenz abgenommen. Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 8,7 und 7,4 auf Basis der bisherigen Gewinnschätzungen und mit einer Dividendenrendite von drei Prozent ist die Aktie angesichts des robusten Wachstums der vergangenen Jahre inzwischen vernünftig bewertet. Der Kauf der Papiere dürfte sich allerdings erst dann empfehlen, wenn sich die Aussichten wieder bessern.
Fehler der Vergangenheit
Roland Stumpp (Kieler2008)
- 14.11.2008, 11:15 Uhr
Optisch vernünftig bewertet
Hugo E Martin (hemartin)
- 14.11.2008, 11:43 Uhr