22.01.2007 · Fast vertikal in die Höhe geht derzeit der Kurs der Aktie des Schweizer Maschinenbauers Sulzer. Angeblich sollen Finanzinvestoren an einer Übernahme arbeiten. Doch eine Spekulation auf ein lukratives Angebot könnte ins Auge gehen.
Wohl dem, der in den vergangenen vier Jahren Sulzer-Aktien sein eigen nennen konnte. Mit Ausnahme der allfälligen Konsolidierung im Mai des vergangenen Jahres hat sich der Kurs kontinuierlich nach oben bewegt. Schon im Herbst begann sich die Aufwärtsbewegung zu beschleunigen, bevor sie in diesem Jahr nahezu in die Vertikale übergegangen ist.
Auch am Montag notiert die Aktie mit einem Plus von 8,6 Prozent wieder deutlich höher bei 1.739 Schweizer Franken auf einem Allzeithoch.
Starker Auftragseingang
Grund sind am Markt grassierende und in den Medien geschürte Übernahmespekulationen, während es im Handel nichts Neues gebe. Indes hat die UBS auch ihr Kursziel für den Maschinenbauer gleichzeitig auch massiv von 1.200 auf 1.850 Franken angehoben. Dies reflektiere lediglich das „außergewöhnlich starke Geschäftsumfeld“ und enthalte keine Übernahmeprämie, so Analyst Torsten Wyss.
Sulzer berichtet nur halbjährlich, gibt aber immer wieder zeitnah einen Einblick in die Entwicklung des Auftragseingangs. So berichtete der Konzern jüngst, dass im abgelaufenen Geschäftsjahr dank des Investitionsbooms in der Energiebranche der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahr um 24,4 Prozent auf 3,277 Milliarden Franken gestiegen sei. Analysten hatten im Schnitt mit einem Auftragseingang von 3,28 Milliarden Franken gerechnet. Vor allem das Pumpen- und das Misch- und Trenngeschäft (Chemtech) hätten von einer regen Nachfrage profitierten und überdurchschnittlich viele Grossaufträge gewonnen.
In Asien und im Nahen Osten gebe es vermehrt Infrastrukturprojekte. Zudem treibe die Angst vor Stromengpässen in Europa und Nordamerika Projekte in der Energieerzeugung voran, hieß es weiter. Chemtech stellte mit einem Plus von 44,9 Prozent auf 602,1 Millionen Franken zum dritten Mal hintereinander einen neuen Rekord beim Auftragseingang auf. In den Marktbereichen Öl und Gas, Petrochemie und Kunststoff sei die Nachfrage stark angestiegen.
2007 gutes Jahr erwartet
Hinterher hinkt dagegen die Division Turbo Services, die nur dank eines „Endspurts im Schlussquartal“ noch ein Plus von 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete. Sulzer erwarte für 2006 weiterhin eine deutliche Steigerung von Umsatz und Gewinn und geht für das laufende Geschäftsjahr von einer „lebhaften“ Nachfrage aus. Indes sei der Einfluss durch Großaufträge schwer abschätzbar.
Wegen der bereits sehr hohen Ausgangsbasis von 2006 seien aber tiefere Wachstumsraten wahrscheinlich. Mit der Vorlage des Jahresabschlusses will Sulzer am 1. März auch die mittelfristigen Zielvorgaben erhöhen. Bisher hat der Konzern bei einem Umsatzwachstum von sieben Prozent eine operative Marge von 9,3 Prozent angepeilt.
Angesichts der guten Geschäftslage erscheint der Konzern als durchaus nicht uninteressantes Übernahmeobjekt, auch wenn er bei einer Marktkapitalisierung von mittlerweile rund vier Milliarden Euro nicht unbedingt billig zu haben ist.
Wollen österreichische Finanzinvestoren Sulzer aushebeln?
Als Interessent gehandelt wird vor allem die Victory Industriebeteiligung, die bereits die OC Oerlikon (ehemals Unaxis), Saurer und Ascom kontrolliert. Hinter Victory stehen zwei österreichische Privatstiftungen, die von dem Investmentbanker Ronny Pecik bzw. dem Immobilien-Tycoon Georg Stumpf kontrolliert werden. Deren Mittlerbeschaffung ist aufgrund des Stiftungsrechts in der Alpenrepublik nicht zu ergründen. Indes hält die Gesellschaft Renova Industries mit Sitz auf den Bahamas 23,8 Prozent des Aktienkapitals von OC Oerlikon. Dahinter steckt laut der „Neuen Züricher Zeitung“ (NZZ) der russische Investor Viktor Vekselberg, der als Geschäftsfreund von Pecik gilt.
In Industriekreisen sorgt man sich laut NZZ wegen der undurchsichtigen Finanztransaktionen und über den großen Anteil der Optionen, mit denen ein Unternehmen billig unter Kontrolle gebracht werden könne. Vor diesem Hintergrund gibt einigen Beobachtern die hohe Emissionsfrequenz bei Optionscheinen auf Sulzer, Oerlikon und Ascom zu denken.
Die Aktien der Ascom Holding AG, bei der Victory bereits mit über 20 Prozent engagiert ist, verzeichnen mit einem Plus von 4,9 Prozent auf 23,35 Franken ebenfalls einen weiteren kräftigen Anstieg. Am Freitagabend wurde bekannt, dass die Deutsche Bank über Aktien und Optionen knapp neun Prozent an Ascom hält.
Unaxis als warnendes Beispiel
Sulzer hingegen will selbständig bleiben. Man sei selbst weiterhin auf der Suche nach Akquisitionen. Dafür könnte man bis zu einer Milliarde Franken ausgeben, wie Sulzer-Sprecherin Verena Gölkel am Dienstag der Schweizer Nachrichtenagentur AWP bestätigte.
Doch all das scheint nicht viel zu nützen. Auch die Beteuerungen von Vorstandschef Ulf Berg, man sei von keinen Bietern kontaktiert worden, änderten bislang nicht viel, zumal Sulzer nur wenig mehr als fünf Prozent der Aktien hält, und mit Ausnahme von zwei Investmentfonds ist der Anteilsbesitz breit gestreut. Glaubt man Händlern in Zürich, so sucht jemand gezielt Sulzer-Aktien. Das alles spricht für das Szenario eines schrittweisen Einkaufs und das könnte tatsächlich auf die Victory deuten.
Denn Pecik und Stumpf hatten auch schon die Unaxis-Übernahme über Optionen vollzogen. Gegen den Widerstand der Altaktionäre, des Managements und des Verwaltungsrats geriet der Schweizer Konzern in nur vier Monaten gegen unter den Einfluss der Austro-Investoren, schreibt das österreichische Magazin „News“ und zitiert Pecik: „Ich bin Optionsmathematiker, und es lässt sich sehr viel mit Mathematik machen“.
Die fundamentale Mathematik spricht indes gegen Sulzer. Mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 24 für das laufende und 21 für das kommende Geschäftsjahr ist die Aktie trotz des guten Geschäftsumfelds einfach zu teuer. Und wer auf ein Übernahmeangebot setzt, könnte sich getäuscht sehen. Denn auch bei Unaxis gab es nie ein Übernahmeangebot, weil eine entsprechende Klausel in den Statuten fehlte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |