19.08.2005 · Mit guten Gewinnzahlen glänzt am Freitag der Axel Springer-Konzern. Den Kurs beeindruckte das wenig. Die Aktie empfiehlt sich auch derzeit nicht zum Kauf.
Mit starken Zahlen für das erste Halbjahr präsentierte sich am Freitag morgen der Verlagskonzern Axel Springer. Allerdings beeindruckte das die Märkte nicht sonderlich. Bis gegen 11 Uhr wurden gerade einmal 17 Aktien gehandelt.
Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) kletterte um 13,7 Prozent auf 173 Millionen Euro, der Konzernüberschuß um 48,8 Prozent auf 101,3 Millionen Euro. Dagegen fiel das Umsatzplus mit 1,3 Prozent auf 1,19 Milliarden Euro doch relativ bescheiden aus.
Auflagen in Deutschland rückläufig
In einem schwierigen Markt- und Branchenumfeld habe man das Kerngeschäft erfolgreich ausgebaut. Umsatz und Ergebnis der bestehenden Zeitungstitel seien erfolgreich entwickelt und die Präsenz im Zeitungsmarkt durch die schrittweise regionale Ausdehnung der „Welt kompakt“ gestärkt worden.
Das Zeitschriftensegment habe unter weiterhin hoher Wettbewerbsintensität entgegen dem Markttrend Umsatz und Ergebnis gesteigert. Zu der positiven Entwicklung hätten sowohl etablierte Titel als auch die in den letzten zwei Jahren gestartete Publikationen im In- und Ausland beigetragen.
Auf der Auflagenseite ist indes nicht allzuviel davon zu sehen. Nahezu alle Titel verzeichnen gegenüber dem ersten Halbjahr des Vorjahres ein deutliches Minus. Ganz besonders schlimm traf es den bereich der Jugendzeitschriften, in dem der Konzern teilweise satte Einbrüche im zweistelligen Prozentbereich zu verzeichnen hat, so bei den Titeln „Pocorn“, „Yam!“ und „Starflash“.
Deutliche Verluste gab es auch bei den Fernsehtitel. So verlor die „Funk Uhr“ zwölf Prozent und die „TV Neu“ sogar 15,5 Prozent an Auflage. Dagegen konnte „TV Digital“ zwar 65 Prozent zulegen, wird allerdings erst seit dem zweiten Quartal 2004 gezählt.
Besser hielten sich die Spezialzeitschriften. So konnte „Automobil Tests“ 14,2 Prozent zulegen und der „Autobild“-Ableger „Alles Allrad“ ein Plus von 4,9 Prozent verbuchen. Insgesamt aber verlor die Titelgruppe deutlich an Lesern. Auch die Zeitungen büßten ein. Die „Bild“-Auflage schwand um drei Prozent, die der „Bild am Sonntag“ sogar um über fünf Prozent. Auflagenzuwächse kamen häufig über Sondereffekte zustande, so die Fusion der von der Verlagsgruppe Handelsblatt zu Jahresbeginn erworbenen „€uro“ mit „Finanzen“, die für ein Auflagenplus von 63 Prozent sorgte. Für das Ausland legte der Konzern keine detaillierten Zahlen vor.
Anzeigenumsätze wachsen insgesamt
Besser entwickelten sich trotz der Konsumflaute in Deutschland die Vertriebserlöse des Konzerns, die um 1,1 Prozent auf 577,6 Millionen Euro stiegen. Auch die Anzeigenumsätze konnten um 1,9 Prozent auf 483,4 Millionen Euro zulegen. Der deutsche Markt zeigte sich weiter schwächer, so daß ein Großteil des Wachstums im Ausland stattfand, wo der Umsatz um knapp 13 Prozent auf 197,4 Millionen Euro zulegte.
Die Steigerung beruhte im wesentlichen auf die positive Entwicklung von TV Digital, der polnischen Boulevardzeitung Fakt sowie der Titel in Spanien und Ungarn zurückzuführen. Die Anzeigenerlöszuwächse stammten vor allem aus dem besseren Geschäft bei Fakt, Bild, Welt am Sonntag, den Anzeigenblättern in Berlin, den Programmzeitschriften und dem Ausbau des Rußlandgeschäfts. Dagegen waren die Erlöse im Zeitschriftengeschäft rückläufig.
Der Verlag bekräftigte die Prognose für das laufende Jahr. Demnach soll der Umsatz leicht über Vorjahr liegen, teilte das Verlagshaus am Freitag bei der Vorlage der Halbjahreszahlen mit. Diese Prognose gelte unter der Prämisse, daß sich die neu gestarteten Titel weiterhin erfolgreich entwickelten und die Anzeigenmärkte wüchsen. Das Ebita soll über dem um die Effekte aus dem Kirch-Vergleich bereinigten Ebita des Vorjahres liegen, hieß es weiter.
Pro7Sat.1-Übernahme ein zweischneidiges Schwert
Daß der Springer-Konzern auf dem besten Wege ist, seine Marktstellung in Deutschland auszubauen ist unbestritten. Auch daß er sicherlich einer der Gewinner einer fortschreitenden Konzentration sein dürfte, steht außer Frage. Mit der Expansion in die elektronischen Medien, wie durch die Pro7Sat.1-Übernahme beginnt sich das Unternehmen auch vom rückläufigen Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt zu lösen.
Der Unsicherheitsfaktor ist jedoch das Ausmaß und die Geschwindigkeit des Schrumpfens der traditionellen Märkte. Schon in diesem Halbjahr führte Axel Springer die deutliche Ergebnissteigerung auch auf rückläufige Anlaufverluste und fortgesetzte Kostendisziplin zurück.
Auch die Pro7Sat.1-Übernahme ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits kauft sich Springer einen Jahresumsatz von rund 1,8 Milliarden Euro hinzu, womit sich der Konzernumsatz um rund drei Viertel steigen wird. Die Bruttorenditen waren zuletzt dagegen annähernd gleich, so daß sich die Rentabilität durch den Zukauf allein nicht spektakulär verändern dürfte.
Auf der anderen Seite kommen auf Springer Belastungen in Höhe von 2,47 Milliarden zu, die zum Großteil durch Bankkredite, zum Teil auch durch neue Aktien finanziert werden. Dies dürfte künftig das negative Finanzergebnis des Konzerns belasten, das sich in diesem Halbjahr wieder deutlich verbessert hatte.
Die Aktie ist eher teuer
Derzeit ist die Aktie des Konzerns mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 22 auf Basis des laufenden und 21 auf Basis des kommenden Jahres bewertet. Unter den Papieren der Printmedien-Gesellschaft gehört die Springer-Aktie damit zu den teuersten.
Grund ist dafür nicht zuletzt der gute Lauf der Aktie in den vergangenen zwei Jahren, in denen der Kurs von einem Tief von 40 Euro bis auf ein Hoch von 101 Euro am 9. August stieg. Charttechnisch sieht das Papier damit immer noch gut aus, läuft allerdings gegen einen harten Widerstand aus den Jahren 1999 bis 2001 an, der bei 100/101 Euro liegt. Diese Marke wurde bislang nicht überwunden. Auch am Freitag sieht es nicht danach aus. Das Papier hängt bei 100 Euro fest.
Trotz recht guter Ergebnisse drängt sich die Aktie derzeit unter keinem Aspekt wirklich auf, zumal auch die Dividendenrendite nur 1,3 Prozent beträgt und das Papier wenig liquide ist, weil es sich um vinkulierte Namensaktien handelt, so daß eine Übertragung von der Zustimmung der übrigen Gesellschafter abhängig gemacht werden kann.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.733,31 | −0,08% |
| FAZ-INDEX | 1.502,83 | −0,08% |
| TecDAX | 778,57 | +0,42% |
| MDAX | 10.273,70 | −0,16% |
| SDAX | 5.019,39 | +0,15% |
| REX | 421,76 | +0,17% |
| Eurostoxx 50 | 2.489,00 | −0,10% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,40 | −0,10% |
| Dow Jones | 12.874,00 | 0,00% |
| Nasdaq 100 | 2.569,49 | +0,87% |
| S&P500 | 1.351,77 | +0,68% |
| Nikkei225 | 9.052,07 | +0,59% |
| EUR/USD | 1,3186 | +0,11% |
| Rohöl Brent Crude | 117,52 $ | −0,23% |
| Gold | 1.727,00 $ | +0,91% |
| Bund Future | 138,31 € | −0,01% |