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Medien Spekulation auf Pro7-Aktie könnte ins Auge gehen

09.11.2006 ·  Die Tatsache, daß die Pro7-Aktie neue Höhen erklimmt ist weniger der guten Lage des Unternehmens als Übernahmespekulationen geschuldet. Aber ob Vorzugsaktionäre wirklich davon profitieren werden, ist eher fraglich.

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Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 hat turbulente Zeiten hinter und womöglich auch noch vor sich. Vor wenigen Jahren aus den Ruinen des Kirch-Imperiums an den Finanzinvestor Haim Saban verkauft, sollte das Unternehmen Anfang des Jahres an den Springer-Konzern gehen - doch das verhinderte das Bundeskartellamt.

Das änderte aber nichts an den Verkaufsabsichten Sabans. In den vergangenen Tagen machte das Interesse von Mediaset, dem Unternehmen des italienischen Medienmoguls und ehemaligen Ministerpräsidenten Berlusconi von sich reden. Das verdeckte indessen, glaubt man dem Geflüster unter der Hand, daß das Interesse an dem Unternehmen weit über Italien und den Medien-Nero Berlusconi hinausgeht.

Berlusconi ist raus

Insgesamt zehn Angebote seien für den zum Verkauf stehenden Münchener Fernsehkonzern eingegangen, heißt es aus gewöhnlich gut informierten Kreisen.
Einige Bieter, die in einer ersten Angebotsrunde ihr unverbindliches Interesse bekundet hätten, würden mehr als 30 Euro je Aktie bezahlen, sagte die Person. Dies würde einen Aufschlag von knapp einem Drittel gegenüber dem Schlußkurs von Mittwoch
bedeuten.

Mediaset ist dagegen gar nicht mehr im Bieterrennen. Die Italiener seien aus politischen Gründen aus dem Bieterprozeß ausgeschlossen worden, bestätigte das Unternehmen am Nachmittag. Das Angebot sei indes angemessen gewesen. Falls andere Angebote einen höheren Wert der deutschen Gruppe unterstellten, „folgen sie offensichtlich einer anderen Logik“, hieß es in der Mitteilung. „Kartellwächter und Politiker sind dagegen, daß Berlusconi am deutschen Markt Fuß faßt“, sagte dagegen die ungenannte Person, auf die sich die Nachrichtenagentur Reuters beruft. Auch noch ein weiterer Bieter sei aus dem Rennen.

Als Interessenten für den Kauf der Sendergruppe aus ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und N24 wurden zuletzt unter anderem zwei Finanzinvestoren-Konsortien bestehend aus Apax und Goldman Sachs sowie Permira und KKR gehandelt. Diese gehören zwar zu den üblichen Verdächtigen, doch ergibt dies durchaus Sinn.

Für Finanzinvestoren interessant

Denn nachdem der Konzern Ende Juli die Unternehmensanleihe im Volumen von 200 Millionen Euro vollständig zurückgezahlt hat, hat sich seine Netto-Finanzposition weiter verbessert. Die Finanzierungskosten sind durch neue Kreditfazilitäten gesunken und die ausstehenden Finanzverbindlichkeiten langfristig reduziert worden. Mit einer Eigenkapitalquote in Höhe von 57,7 Prozent und einer Netto-Finanzverschuldung von nur noch 311,6 Millionen Euro zum 30. September steht das Unternehmen solide da. Und das gibt Finanzinvestoren Spielraum für die Finanzierung der Übernahme durch Junkbonds.

ProSiebenSat.1 will zum Kaufinteresse keine Stellungnahme abgeben. „Wir kommentieren Angaben zu unseren Eigentümern grundsätzlich nicht“, sagte ein Sprecher. Der Springer-Konzern hatte seinerzeit 23,37 Euro je Stamm- und 14,10 Euro je Vorzugsaktie geboten. Die Alteigentümer um Saban, die 88 Prozent der Stammaktien und 13 Prozent der Vorzugsaktien halten, dürften nun deutlich mehr für ihre Anteile bekommen. Denn seitdem ist nicht nur der Kurs der Vorzugsaktie auf 23 Euro gestiegen, sondern es hat sich auch die Situation des Unternehmens verbessert.

Drittes Quartal enttäuscht

Obwohl gerade die am Donnerstag vorgelegten Zahlen für die ersten neuen Monate des laufenden Geschäftsjahres eher enttäuschten. Denn im dritten Quartal hat die Münchener Sendergruppe trotz höherer Werbeeinnahmen weniger verdient als erwartet. Vor allem höhere Marketing- und Personalkosten drückten auf das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, und Abschreibungen (Ebitda), das um zwei Prozent auf 58,7 Millionen Euro sank.

Die Erlöse der Sendergruppe aus ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und N24 stiegen hingegen um
knapp vier Prozent auf 431,3 Millionen Euro. „Das Wachstum im TV-Markt sorgte für Rückenwind“, sagte Sender-Chef Guillaume de Posch. Der Konzern habe auch im saisonbedingt schwächsten Quartal seine Werbeerlöse gesteigert, betonte er.

Unter dem Strich halbierte sich der Gewinn der Sendergruppe im Vergleich zum Vorjahr nahezu auf 13,1 Millionen Euro. ProSiebenSat.1 begründete dies mit den Kosten des Rückkaufs der Anleihe, die das Unternehmen 2002 im Zuge der Kirch-Pleite ausgegeben hatte. Dies habe dazu geführt, daß das Finanzergebnis im dritten Quartal von minus zwölf auf minus 27,2 Millionen Euro sank.

Prognosen für Werbemarkt angehoben

Damit lag der Gewinn noch niedriger als von Analysten erwartet: Sie hatten im Durchschnitt mit einem Überschuß von 14,8 Millionen Euro und einem Ebitda von 60,4 Millionen Euro gerechnet.

Für das Gesamtjahr zeigte sich der Fernsehkonzern dennoch zuversichtlich und bekräftigte seine Prognosen. „Die deutsche Wirtschaft wird im Jahr 2006 stärker wachsen als erwartet. Vor diesem Hintergrund hat die ProSiebenSat.1-Gruppe ihre
Wachstumsprognose für den TV-Werbemarkt angehoben“, teilte die Sendergruppe mit.

Bei einem Wachstum des Werbemarktes um drei Prozent sei eine Umsatzsteigerung von fünf bis sechs Prozent zu erwarten. Das Ergebnis soll überproportional zum Umsatz steigen.

Bezogen auf die ersten neun Monate steigerte die ProSiebenSat.1-Gruppe das Betriebsergebnis um 12,8 Prozent auf 254,9 Millionen Euro, das Ergebnis vor Steuern um 4,4 Prozent auf 208,3 Millionen Euro und das Ebitda um 13,3 Prozent auf 284,1 Millionen Euro. Die Ebitda-Marge stieg von 18,5 Prozent auf 19,6 Prozent, der Konzernüberschuß erhöhte sich um 2,6 Prozent auf 127,3 Millionen Euro.

Vorzugsaktien für Käufer nicht unbedingt interessant

Das Ergebnis je Vorzugsaktie betrug damit 0,59 Euro nach 0,58 Euro in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres. Analysten rechnen bislang mit einem gewinn von 1,16 Euro je Aktie im Gesamtjahr. zwar ist das vierte Quartal üblicherweise das deutlich stärkste, indes scheinen 57 Cents je Aktie doch etwas vermessen. Insofern ist es nicht falsch, einen Sicherheitsaufschlag auf das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis einzukalkulieren, das damit deutlich über 20 für das laufende Jahr läge und für 2007 etwa 18 erreichen würde.

Indes spielt dies bei einer Übernahme eine geringe Rolle. Die Frage ist vielmehr, was ein Käufer bereit ist für die stimmrechtslosen Vorzugsaktien zu zahlen bereit ist. Er benötigt sie nicht zur Kontrolle. Saban hält lediglich 13 Prozent der Vorzüge. 75 Prozent befinden sich dagegen im Streubesitz.

Es wäre ein denkbares Vorgehen, für die Stammaktie einen deutlich höheren Preis zu zahlen und das Angebot für die Vorzüge gering zu halten. Das könnte den Käufer sogar billiger kommen, dann er für die 109 Millionen Vorzugsaktien lediglich zwei Cents Dividende mehr zahlen muß als für die Stammaktien. das macht pro Jahr gerade einmal Mehrkosten von 2,2 Millionen Euro. Angesichts eines Preises von bis zu 2,9 Milliarden Euro für die 109 Millionen Stammaktien eine lächerliche Summe.

Bisherige Angebote enttäuschten

Es ist auch das Vorgehen, das Haim Saban seinerzeit selbst gewählt hat, als er ProSiebenSat.1 kaufte. Sechs Euro bot Saban damals an, was aber praktisch nicht wahrgenommen wurde. Dabei notierte die Aktie seinerzeit in etwa in dieser Region und war damit fast noch großzügiger als das Springer-Angebot, das eher einen Abschlag darstellte.

Wer darauf baut, daß ein Käufer ein großzügiges Angebot für die Vorzugsaktie macht, dürfet daneben liegen. Unter diesen Umständen kommt es dann doch wieder auf die Zukunftsfähigkeit des Konzerns an. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist zwar recht hoch, nicht aber im Rahmen von Fernsehaktien. So ist die französische Canal Plus deutlich höher bewertet, die britische BSKyB deutlich niedriger.

Andererseits steckt im Aktienkurs eine große Menge Übernahmephantasie. Aktuell notiert die Aktie bei 23,10 Euro auf einem Fünf-Jahres-Hoch. Nachdem die Konsolidierung im Mai überwunden wurde, befindet sie sich in einem deutlichen Aufwärtstrend. Sollten sich die Hoffnungen auf ein gutes Angebot zerschlagen, dürfte das den Kurs deutlich in Mitleidenschaft ziehen, der attraktiven Dividendenrendite von 3,765 Prozent zum Trotz.

Die Dividende könnte indes im Fall einer Übernahme durch Finanzinvestoren wiederum ein Hoffnungsfaktor sein. Sollte dessen Strategie auf kurzfristigen gewinn ausgelegt sein, könnte eine großzügige Dividendenausschüttung hinauslaufen. Da aber die Unternehmenssatzung die Ausschüttung einer höheren Dividende an die Vorzugsaktionäre vorsieht, wäre dieser dann daran interessiert auch die Vorzugsaktien in die Hände zu bekommen. Andererseits haben sich solche Firmen stets als sehr erfinderisch erwiesen, wenn es darum ging, derartige Bestimmungen zu umgehen.

Darauf sollte also auch niemand zu fest bauen. Die Spekulation auf die Pro-Sieben-Aktie ist also heiß und wird mit zunehmender Verdichtung einer Übernahme immer heißer.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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