11.02.2004 · Der amerikanische Kabelnetzbetreiber Comcast überrascht den Markt mit einem Übernahmeangebot für Disney. Er scheint mit überteuerter Währung bezahlen zu wollen, denn die eigene Aktie ist kein Schnäppchen.
Der Übernahmewahn an der Wall Street greift weiter um sich. Nun hat der amerikanische Kabelnetzbetreiber Comcast rund 50 Milliarden Dollar oder 49 Milliarden Euro in Aktien für den weltbekannten Unterhaltungskonzern Walt Disney geboten und ist bereit, zusätzlich die Schulden in Höhe von knapp 12 Milliarden Dollar zu übernehmen. Die Aktie des Unternehmens fällt daraufhin durch den kurzfristigen Aufwärtstrend und liegt im späten Handel mit einem Minus von knapp sieben Prozent bei 31,58 Dollar.
Die Papiere von Disney legen dagegen satte 14 Prozent zu auf 27,50 Dollar. Das ist nicht nur die Krönung des im März des vergangenen Jahres etablierten, kurzfristigen Aufwärtstrends, sondern damit ist es der Aktie auch gelungen, die zuletzt erreichte Widerstandszone bei 25 Dollar deutlich zu überwinden.
Analysten sehen Fusion als Chance - bei nachgebessertem Preis
Analysten weisen daher auf die Notwendigkeit einer Nachbesserung der Offerte hin. “Das Angebot muß höher ausfallen“, sagte Analystin Angela Kohler von Federated Investors. Der faire Wert für die Titel von Disney liege “weit über 30 Dollar“. Analyst Larry Haverty von State Street Research sieht den Fairen Wert bei knapp über 32 Dollar. Passen würde der Zusammenschluß von Sendeinhalten und Sendeplätzen jedenfalls, heißt es in Analystenkreisen.
Merrill Lynch sieht Disney und Comcast als “perfekte Partner“ für einen Zusammenschluß. Für Comcast bedeute das Geschäft in der momentanen Struktur “absolut keine Belastung für die Bilanz“. Comcast habe eine “lange Geschichte“ beim Schaffen von Shareholder Value, die “absolut außerordentlich“ sei. Beobachter wiesen dabei auf die erfolgreiche Akquisition von AT&T Broadband durch Comcast hin, wobei Comcast beim Kauf vor 15 Monaten nur halb so groß wie die übernommene die AT&T-Sparte gewesen sei.
Comcast verspricht rosige Zeiten nach Zusammenschluß
Comcast sieht sich als potentiellen Sanierer von Disney. So seien die Margen einiger Bereiche von Disney unterdurchschnittlich und könnten durch die Fusion verbessert werden, sagte President Steve Burke, der früher selbst zwölf Jahre lang bei Disney tätig war. Durch eine Fusion ergibt sich laut Comcast ein Sparpotential von 300 Millionen bis 500 Millionen Dollar jährlich, der Cashflow könne um 200 Millionen bis 300 Millionen Dollar gesteigert werden. Disney könne unter anderem vom Kabelnetz Comcasts profitieren.
Aktuelle Lage läßt Anleger an Disney zweifeln
Augenmerk auf die Vorteile des Zusammenschlusses dürften Disney-Aktionäre vor allem legen, weil der Konzern sich jüngst in eine schwache Lage gebracht hat. “Wir reden nicht davon, Disney in nie gesehene Höhen zu tragen. Aber davon, einige Sparten wieder dahin zu bringen, wo sie vor fünf Jahren waren“, sprach Comcast-President Burke wohl einigen Anlegern aus der Seele. Die Aktie von Disney war im Jahr 2000 noch mehr als 45 Dollar wert.
Disney-CEO Michael Eisner hatte den Rückhalt vieler Aktionäre verloren. Die Trickfilm-Sparte verdankt ihre momentane Bedeutung beispielsweise nicht mehr dem Unternehmen selbst, sondern der Zusammenarbeit mit Pixar, deren computeranimierte Filme allesamt große Erfolge waren. Diese Kooperation läuft aber mit dem übernächsten Pixar-Film aus.
Disney rät zum Abwarten
Walt Disney rät den Anlegern, zunächst abzuwarten. Der Board werde den Comcast-Vorschlag prüfen. Comcast hatte mitgeteilt, daß CEO Eisner sich in einem Gespräch Anfang der Woche gegen den Vorschlag einer Fusion entschieden hatte. Am Nachmittag präsentierte Disney überraschend früh Quartalszahlen, was Beobachter als Versuch sahen, den eigenen Unternehmenswert herauszustellen. Die Umsätze sind demnach im ersten Quartal 2003/04 in allen vier Geschäftsbereichen gestiegen. Comcast veröffentlichte ebenfalls Zahlen. Das vierte Quartal 2003 zeigte dabei einen um 58 Prozent auf 4,74 Milliarden Dollar gekletterten Umsatz und einen Nettogewinn von 383 Millionen Dollar oder 28,24 Cents je Aktie. Auf dieser Basis ist das Papier mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 111 extrem teuer. Selbst wenn man unterstellte, daß das Unternehmen alleine im kommenden Jahr 60 Cents je Aktie erzielen könnte, läge das KGV immer noch bei teuren 52.
Comcast-Aktie ziemlich teuer
Bei allem Optimismus der Analysten, scheint Comcast mit einer überbewerteten Währung bezahlen zu wollen. Gleichzeitig hat Comcast bei einer Marktkapitalisierung von knapp 70 Milliarden Dollar Anleihen im Gegenwert von 23,4 Milliarden Dollar ausstehen. Das Rating liegt bei BBB und ist nicht gerade überragend. Einzelne Ratingagenturen haben durchblicken lassen, daß sich das Rating einer fusionierten Einheit verbessern könnte. Das zeigt allerdings, das das wohl ein gutes Geschäft wäre für die Comcastaktionäre und eher ein schlechtes für die Disneyaktionäre. Ob sich die Synergieeffekte in prognostizierter Höhe realisieren lassen würden dürfte auch noch dahingestellt sein. Zu oft haben sich solche Prognose als heiße Luft erwiesen. Insgesamt sollte man wohl die Comcast-Aktie eher vorsichtig betrachten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.808,08 | +0,83% |
| FAZ-INDEX | 1.517,98 | +0,85% |
| TecDAX | 778,81 | +0,79% |
| MDAX | 10.366,60 | +0,68% |
| SDAX | 5.027,63 | +0,76% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.510,81 | +0,86% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,18 | +0,89% |
| Dow Jones | 12.904,10 | +0,96% |
| Nasdaq 100 | 2.592,29 | +1,42% |
| S&P500 | 1.358,04 | +1,10% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3134 | +0,04% |
| Rohöl Brent Crude | 119,88 $ | −0,14% |
| Gold | 1.713,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 138,76 € | +0,03% |