20.12.2000 · Am Neuen Markt tummeln sich zahlreiche Medienunternehmen. Viel zu viele, meint Bernard Tubeileh, Medienanalyst bei Merrill Lynch.
Zahlreiche junge Medienfirmen sind an den Neuen Markt gegangen. Doch nicht alle werden das kommende Jahr als unabhängige AGs überleben. Selbst bekanntere Unternehmen wie Kinowelt oder Senator könnten Übernahmekandidaten werden, glaubt Bernard Tubeileh, Medienanalyst bei Merrill Lynch.
Herr Tubeileh, was passiert 2001 mit den Medienunternehmen am Neuen Markt?
Auf jeden Fall werden einige Spieler verschwinden. Es überleben die Cleveren wie beispielsweise International Media und natürlich die „Old Boys“ wie Kinowelt, Senator und Constantin. Diese sind seit vielen Jahren ein fester Bestandteil des deutschen Unterhaltungsgeschäfts und haben ein Management mit großer Branchenerfahrung. Das sind Wettbewerbsvorteile, die auch bei zwischenzeitlichen Finanzengpässe nicht außer Acht gelassen werden dürfen.
Könnten die „Old Boys“ selbst zu Übernahmekandidaten werden?
Natürlich. Gerade weil sie sehr interessante und umfangreiche Filmbibliotheken haben und im Deutschen Markt gut aufgestellt sind. Das könnte sie für einen Major aus den USA interessant machen. Außerdem sieht Hollywood die Marktkonzentration in Deutschland rund um die RTL- und Kirch-Gruppe nicht gern. Denn Deutschland gehört immerhin zu den wichtigsten Filmmärkten für US-Filme. Es wunderten sich einige, was Rupert Murdoch mit seiner Mehrheitsbeteiligung an dem einstigen Frauensender tm3 vor hatte und vor allem mit den dort gepoolten Rechten für die Champions League. Meiner Meinung nach war es - ebeno wie sein Engagement bei Vox - hauptsächlich ein Flaggezeigen.
Werden sich die Unterhaltungsriesen wie News Corp am Neuen Markt umgucken?
Das ist Spekulation. Wenn die Studios hier einsteigen, dann nur bei den größten Playern. Wie der Presse zu entnehmen ist, erwägt MGM den Einstieg bei einem deutschen Medienunternehmen. Aber auch ein Branchenfremder könnte auf Einkaufstour gehen. Telefonica hat es mit Endemol ja schon vorgemacht. T-Online wird auf der Suche nach Content sicher auch das ein oder andere Medienunternehmen unter die Lupe nehmen.
Was ist das generelle Problem der Medienunternehmen am Neuen Markt?
Dass sie über keinen Fernsehsender für Spielfilme verfügen. Das wird auch langfristig ihre Achillesferse sein. Ein eigener TV-Sender wäre fast die Garantie für einen nachhaltigen Geschäftserfolg. Ein weiteres Problem ist, dass der Kapitalmarkt durch die geprügelten Aktienkurse nicht mehr bereitwillig Geld für Medienunternehmen gibt. Der Zugang zu neuen Finanzmitteln ist aber in dem Kapital intensiven Filmgeschäft ungeheuer wichtig.
Dann dürften geschlossene Medienfonds immer wichtiger werden?
Sicher haben diejenigen Unternehmen am Neuen Markt einen großen Vorteil, die mit einem Medienfonds eng zusammenarbeiten. Nur kennen die Fondsgesellschaften auch ihren steigenden Wert im Filmgeschäft, was sich in höheren Kosten für die Kapitalbeschaffung niederschlagen dürfte. Außerdem sind Medienfonds immer noch mit zahlreichen steuerlichen Unwägbarkeiten behaftet. Das erschwert die Planung für den Initiator bzw. das Filmunternehmen. Vor diesem Hintergrund ist die Beteiligung eines finanzstarken und breit aufgestellten Unterhaltungskonzerns sicher eine wichtige Option.
Wie sieht es mit den Musikunternehmen aus?
In der Musikbranche ist der Besitz eines hochwertigen Rechtekatalogs noch wichtiger als im Filmgeschäft - eben weil die Tonträgerbranche sehr schnelllebig ist und auch eine Britney Spears mit einem Mal außer Mode kommen kann. Wenn dann nicht die alten Hits und Evergreens die plötzlichen Umsatzeinbrüche auffangen, laufen Unternehmen wie edel die Kosten davon. Auch hier ist der Einstieg eines Großen durchaus denkbar.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |