23.08.2005 · Phantasien sind der Treibstoff der Kurse. Doch sie zünden nur dann, wenn sie neue Nahrung erhalten. EM.TV scheint dagegen eher unspektakulär dahinzurollen.
Es gibt sie immer noch: Die Unverwüstlichen, die glauben, was einmal gut für Höhenflüge war, muß das auch wieder fertigbringen. Jedenfalls erlebte die Aktie des einstigen Überfliegers des Neuen Marktes, EM.TV , im vergangenen Jahr einen neuerlichen Höhenflug, der das Papier von ihrem Tief bei 1,99 Euro im Mai 2004 um über 200 Prozent bis auf 6,21 Euro im Juli diesen Jahres nach oben beförderte.
Die Vorschußlorbeeren konnte das Unternehmen im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres jedenfalls nicht wirklich rechtfertigen. Selbst die größten Bullen unter den Privatanlegern auf Wallstreet-online reagierten zurückhaltend. „Ich würde die Zahlen eher als neutral bewerten, nicht mehr und nicht weniger. Anhand der weiter guten Aussichten, Wettgeschäft, WM etc. bleibe ich selbstverständlich weiter investiert.“
„Wie eingeschlafene Füße“
Andere waren da weniger optimistisch: „So prickelnd wie eingeschlafene Füße“, „Mal wieder eine absolute Enttäuschung“, „Wieder auf so einen Sch... reingefallen. Ich lerne es wohl doch nie“. In der Konsequenz zeigt sich das Papier am Dienstag zwar volatil, aber durchweg im Minus. Bis zu fünf Prozent ging es abwärts.
Nach einem ausgesprochen schwachen zweiten Quartal, in dem die Umsätze um 16 Prozent auf 49,5 Millionen Euro nach 59 Millionen im Vorjahreszeitraum fielen, schloß EM.TV das erste Halbjahr insgesamt mit einem Umsatz von 100,4 Millionen Euro ab - rund sechs Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Allerdings wurde das damalige Ergebnis durch einen Sondererlös verbessert, der aus dem Verkauf von Programmrechten an das Gemeinschaftsunternehmen Planeta Junior herrührt, an dem EM.TV seinerzeit die Beteiligung von 50 auf 33,3 Prozent verringerte. Klammert man diese aus, so dürfte der Umsatz etwa auf Vorjahresniveau gelegen haben.
Für den Umsatzrückgang ebenfalls mitverantwortlich, so EM.TV, sei auch der Wegfall der Produktion des Basissignals für die Fußball-Bundesliga. Der Umsatz des Geschäftsbereiches Sports sank um rund drei Prozent auf 88,5 Millionen Euro. Der Geschäftsbereich Unterhaltung setzte mit elf Millionen Euro rund 27 Prozent weniger um.
Schwaches zweites Quartal
Vor Steuern verbuchte EM.TV im zweiten Quartal einen bereinigten Verlust von zwei Millionen Euro. Aufgrund eines Gewinns im ersten Quartal betrug der Halbjahresgewinn vor Steuern dennoch 2,1 Millionen Euro, nachdem es im Vorjahr noch einen Verlust von zwei Millionen Euro gegeben hatte. Der Konzernüberschuß betrug 79.000 Euro, Nach Steuern fiel der Verlust gegenüber dem Vorjahr mit 79.000 Euro geringer aus als im Vorjahr, in dem er sich auf 6,8 Millionen belaufen hatte. Dabei sind die Vergleichszahlen des Vorjahres bereinigt um die Zahlung aus dem Kirch-Settlement bzw. den Restrukturierungsgewinn aus der Rückzahlung der Wandelschuldverschreibung.
Insgesamt zeigt sich eine enttäuschende Entwicklung im zweiten Quartal. Die gegenüber dem Vorjahr verbesserten Halbjahresergebnisse beruhen vorwiegend auf einem guten ersten Quartal. Auch wenn im Zuge der Restrukturierung Sonderbelastungen immer wieder die Vergleichbarkeit erschweren, so zeigt sich bei EM.TV keine durchgängige Aufwärtsentwicklung.
Sportwetten-Phantasie hatte beflügelt
Das liegt nicht zuletzt am darniederliegenden Werbemarkt. 2005 soll weiterhin eine Steigerung des Umsatzes im zumindest prozentual einstelligen Bereich erreicht werden. Das Ergebnis vor Steuern soll erstmals ohne Sonder- und Einmaleffekte positiv ausfallen. Indes fügt das Unternehmen einschränkend an, daß diese Aussage unverändert „unter dem Vorbehalt etwaiger Anlaufkosten bzw. Investitionen, die im Zusammenhang mit dem Einstieg in den Bereich Sportwetten entstehen können“ steht. Man prüfe in diesem Zusammenhang verschiedene strategische Optionen; eine Entscheidung sei in der zweiten Jahreshälfte 2005 geplant.
Der Einstieg in den Sportwetten-Bereich begründet auch die Spekulation auf das Papier. Denn die Aktien der derzeitigen Sportwetten-Anbieter haben in den vergangenen Monaten eine raketenhafte Entwicklung genommen. Sportwetten.de verbesserten sich von 1,01 bis auf 3,76 Euro. Fluxx.com legten von 3,75 bis auf 12,74 Euro zu und allen voran gingen Betandwin, die von 13,62 Euro zu Jahresbeginn bis auf 71,22 Euro im Juni hochschossen.
Allerdings nehmen die Bewertungen dieser Aktien Gewinne - vor allem in bezug auf die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft - vorweg, bei denen es fraglich ist, ob sie diese jemals erzielen werden. Sieht man einmal davon ab, daß Betandwin auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 800 gehandelt werden, so belaufen sich die KGVs für die kommenden Jahre auf 36 für Betandwin und 25 für fluxx.com. Die britische William Hill kommt dagegen lediglich auf KGVs von 15 und 12,5.
DSF-Verkauf: Eher Phantasterei als Phantasie
Dagegen kommt EM.TV für das laufende Jahr auf ein KGV von 93 und für das kommende Jahr von 47. Selbst wenn man nun auf die Sportwetten-Spekulation setzt und die Bewertungen der Aktien aus diesem Bereich für angemessen hält, so ist das bei EM.TV fraglich.
Denn erstens hat EM.TV noch überhaupt kein Sportwettengeschäft. Zweitens ist EM.TV auch dann kein reiner Sportwetten-Anbieter, so daß sich die Bewertung eher an der Fluxx.com als an Betandwin.com orientieren müßte. Zwar ist für die EM.TV-Tochter DSF im kommenden Jahr durch die WM mit einem besseren Werbegeschäft zu rechnen, aber auch das ist bereits in den Gewinnschätzungen erhalten. Letztlich muß man also die EM.TV-Aktie als überbewertet betrachten.
Da hilft auch die Phantasie eines Verkaufs des DSF nichts. Obendrein wies der Konzern erst im Juli einen Bericht des „Focus“ über einen Verkauf des DSF an Premiere bereits vor Erscheinen zurück. „DSF ist ein wichtiger integraler Bestandteil von EM.TV. Es gibt derzeit keinen Grund anzunehmen, daß sich daran etwas ändert“, hieß es. Der „Focus“ hatte damals berichtet, der DSF könne bis zum Auftakt der Bundesliga am 5. August den Besitzer wechseln - das war vor 18 Tagen.
Richtung Süden
Außerdem ist der hohe Preis, den der Springer-Konzern für die Sendergruppe Pro7Sat.1 zahlt, keineswegs auf den Sparten-Sender DSF übertragbar. So kamen die drei Vollprogramme der Gruppe im August auf einen gemeinsamen Marktanteil von rund 20 Prozent, in der wichtigen Zielgruppe zwischen 14 und 49 Jahren sogar über 28 Prozent. Der DSF ist dagegen ein Zielgruppensender, der obendrein stark schwankende Einschaltquoten hat. Die Dart-Meisterschaften und teilweise obskuren, nächtlichen Game-Shows sind einfach weniger attraktiv als die Bundesliga.
Auch charttechnisch überzeugt die Aktie nicht. Nach ihrem raschen Anstieg zum Jahresende 2004 geht sie seit Februar eigentlich nur seitwärts. Im Bereich von 4,50 Euro hat das Papier eine Unterstützung. Aber Aufwärtspotential ist nicht zu erkennen. Im Gegenteil befindet sich die Aktie im kurzfristigen Abwärtstrend, wobei zu erwarten ist, daß die 4,50 Euro getestet werden. Halten diese nicht, so ist erst unterhalb von drei Euro wieder mit Unterstützung zu rechnen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |