22.12.2005 · Am Tag nach dem Kursverlust von 40 Prozent haben Analysten ihre neue Meinung zu Premiere gebildet. Sie senken ihre Kursziele massiv. Lehman Brothers und HVB haben den fairen Wert gedrittelt. Die Aktie erholt sich dennoch etwas.
Der erste Schock ist überstanden. Anleger, die auf eine Zukunft mit Bundesliga-Übertragungsrechten bei Premiere gewettet hatten, lecken sich die Wunden. Sofern sie am Mittwoch nicht rechtzeitig die Aktie verkauft und ihre Verluste begrenzt haben. Nun lautet die Frage: Was ist das Papier wert, da der Bezahlsender nun nicht wie geplant bis 2009 die Fußball-Bundesliga exklusiv im Fernsehen übertragen darf?
Am Tag nach dem Kursverlust von 40 Prozent haben sich Analysten ihre neue Meinung zu Premiere gebildet. Die Zahlendeuter haben die Aktie reihenweise heruntergestuft und unter dem Strich Verkaufsempfehlungen abgegeben. Besonders drastisch fällt die Neubewertung bei den Kurszielen aus: So sieht Lehman Brothers den fairen Wert nun bei 12,70 Euro - mithin hat die Investmentbank das Kursziel um zwei Drittel (!) gesenkt. Gleiches gilt für die Hypo-Vereinsbank.
Gemessen an den nun genannten Kursziele ist die Aktie selbst beim Xetra-Schluß am Mittwoch nach dem Absturz noch überbewertet gewesen. Gleichwohl kann sich die Notiz etwas fangen. Im frühen Handel legte sie bei andermals sehr hohen Umsätzen um bis zu 5,8 Prozent auf 14,41 Euro zu, pendelt aber hektisch.
Von „buy“ oder „overweight“ auf „underperform“
Die Deutsche Bank hat nach Angaben von Händlern das Kursziel auf 12,30 Euro von 22,80 Euro gesenkt. Ihre Anlageempfehlung bekräftigten die Analysten aber mit „hold“, heißt es.
Die Analysten der Hypo-Vereinbank haben Premiere auf „underperform“ von „buy“ heruntergestuft. Das Kursziel senkten sie auf 13 von 36 Euro. Das Unternehmen könne nach dem Verlust der Bundesliga-Übertragungsrechte 30 Prozent der Abonnenten verlieren. Der operative Gewinn werde dadurch massiv beeinträchtigt, begründeten die Analysten ihren Schritt in einem Marktkommentar.
Nach dem Verlust der Live-Senderechte für die Fußball-Bundesliga haben die Analysten von Cheuvreux nach Aussagen von Händlern das Kursziel für die Aktie von 26 Euro auf 13 Euro reduziert. Die Einstufung mit „underperform“ sei beibehalten worden. Michael Schacht, Analyst von Credit Agricole Cheuvreux, schätzte schon am Mittwoch, Premiere könne in den nächsten zwei bis drei Jahren bis zu 33 Prozent seiner Abonnenten verlieren.
Lehman Brohers warten auf „Plan B“
Nicht zuletzt rät nun die Investmentbank Lehman Brothers, Premiere-Aktien unterzugewichten. Zuvor lautete das Anlageurteil „übergewichten“. Das Kursziel hat Lehman von 38,50 Euro auf 12,70 Euro gesenkt, erwartet aber 2006 einen Gewinn je Aktie von 1,60 Euro nach 1,43 Euro - schließlich entfällt das Ausgabenpaket für die Bundesliga. Durch den Verlust der Bundesligarechte ab der kommenden Saison sieht die Bank den Pay-TV-Anbieter vom zweiten Halbjahr an starkem Preis- und Konkurrenzdruck durch die Deutsche Telekom und die Kabelanbieter ausgesetzt. Nach Einschätzung der Analysten habe es die Unternehmensführung versäumt, einen geeigneten „Plan B“ zur Sicherstellung der Übertragungsrechte zu präsentieren.
Immerhin läßt sich Premiere-Chef Georg Kofler ein Hintertürchen offen. Es will nicht ausschließen, daß der Sender Unterlizenzen nehme, um weiter Bundesligaspiele übertragen zu können. Unklar ist, wie stark Premiere der Verlust der Bundesliga-Pay-TV-Rechte wirklich trifft. Weniger als 100.000 Kunden hätten sich bislang für das Live-Fußball-Zusatzabo entschieden, sagte Finanzvorstand Michael Börnicke in der Telefonkonferenz, meldet die Agentur Dow Jones-vwd.
Vor diesem Hintergrund ist die schon zuvor ziemlich uninteressante Aktie nun noch unattraktiver. Schließlich fehlt es an der Berechenbarkeit. Längerfristig orientierte Anleger sollten (weiter) die Finger von dem Papier lassen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |