21.08.2007 · Dass es mit EM.TV aus ist und sich das Unternehmen als EM.Sport Media voll auf den Sport konzentrieren will, ist schon länger bekannt. Die am Dienstag vorgelegten Zahlen bestätigen die Richtigkeit der Entscheidung. indes warten die Anleger offenbar auf weitere Weichenstellungen.
Was waren das noch für Zeiten! 1989 wurde eine kleine Vermarktungsfirma gegründet, die die Merchandising-Rechte für die beiden erfolgreichen Zeichentrickserien „Alfred J. Kwak“ und „Teenage Mutant Hero Turtles“ vermarktete. 1997 kam sie an die Börse, machte Geschäfte mit der damals noch mächtigen Kirch-Gruppe und erlebte einen Kursanstieg von über 34.000 Prozent.
Ebenso rasant und viel unerfreulicher war dann ihr Fall. Heute, 2007 sind von dem Unternehmen praktisch nur noch die zwei Buchstaben „EM“ übrig geblieben. Die Notierung der einstigen Erfolgsaktie wurde umgestellt und von den früheren Kursgewinnen ist nichts mehr zu sehen. Seit Mai ist auch die Trennung vom einstigen Urgeschäft der Kinder- und Jugendunterhaltung beschlossene Sache.
Sport auf dem Vormarsch
Denn das Sport-Segment, in das das Unternehmen 1990 erste Schritte machte und das nach dem Einstieg in das Deutsche Sport-Fernsehen (DSF) das neue Kerngeschäft darstellt, ist nicht nur wesentlich größer, sondern nach Meinung des Vorstands und Aufsichtsrats vor allem profitabler.
Blickt man auf die Zahlen des ersten Halbjahres, so ist die Argumentation durchaus überzeugend. Im ersten Quartal setzte das Unternehmen, das mittlerweile statt EM.TV EM.Sport Media heißt, in der Sport-Sparte 54,66 Millionen Euro um und in der Unterhaltung lediglich 5,6 Millionen Euro. Im Vorjahresvergleichszeitraum hatte die Unterhaltungssparte noch 13,9 Millionen Euro erlöst und die Sport-Sparte nur 46,1 Millionen. Indes war dieser im Bereich der Unterhaltung außergewöhnlich hoch gewesen.
Vor allem aber drehte sich das Profitabilitätsverhältnis vollkommen um. Brachte die Unterhaltung im ersten Quartal des vergangene Jahres noch einen Gewinn von 8,1 Millionen Euro, so war es diesmal ein Verlust von 153.000 Euro. Die Sport-Sparte die im Vorjahr noch einen Verlust von 2,6 Millionen Euro verbuchte, konnte diesmal einen Gewinn von 7,3 Millionen erwirtschaften.
Unterhaltungssegment in den roten Zahlen
Diese Tendenz setzt sich im zweiten Quartal drastisch fort. Im ersten Halbjahr verbuchte das Unternehmen unter Ausklammerung der Unterhaltungssparte ein Ergebnis von 11,3 Millionen Euro, nach einem Minus von 0,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn stieg auf 4,7 Millionen Euro nach einem Verlust von 4,5 Millionen im Vorjahreszeitraum. Die Erlöse stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um gut sieben Prozent auf 111,7 Millionen Euro.
Der zu veräußernde Bereich Unterhaltung, der Rechte an Serien insbesondere im Kinder- und Jugendbereich umfasst, hat in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres einen Verlust nach Steuern von 1,4 Millionen Euro eingebracht. Im Vorjahr waren es noch plus 4,6 Millionen Euro. Einschließlich der Unterhaltungssparte betrug der Reingewinn daher lediglich 3,4 Millionen Euro nach 0,2 Millionen Euro im selben Zeitraum des Vorjahres.
Die Differenz zwischen den Berichtszeiträumen wäre ohne Steuereffekte noch höher ausgefallen. So wurde der Gewinn im ersten Halbjahr des laufenden Jahres durch Steuern von 4,9 Millionen Euro belastet, nachdem im Vorjahreszeitraum ein Steuerertrag von 4 Millionen Euro verbucht werden konnte. Im ersten Halbjahr 2007 verbuchte EM.Sport Media aber auch ein um rund 4 Millionen Euro besseres Finanzergebnis von minus 1,7 Millionen Euro nach minus 6,1 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2006.
Prognosen erhöht
Da der positive Trend anhalten soll, hat sich EM.Sport-Media ein höheres Ergebnisziel für das Gesamtjahr gesteckt. Nach den überplanmäßigen Ergebnissen des ersten Halbjahres werde nun ein operative Ergebnis (vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, Ebitda) von 27 bis 31 Millionen Euro erwartet, statt wie bisher prognostiziert 25 bis 29 Millionen Euro.
Als Betriebsergebnis (vor Zinsen und Steuern, Ebit) werden 15 bis 17 Millionen Euro erwartet, statt der zuletzt erwarteten 12 bis 14 Millionen Euro. Das Umsatzziel von 215 Millionen (2006: 253 Millionen) Euro werde beibehalten, erklärte das Unternehmen. Die Trennung von der Sparte soll bis Ende des ersten Halbjahres 2008 umgesetzt werden, bis 2010 soll sich der Umsatz verdoppeln.
Analysten erwarteten im Schnitt bislang ein operatives Ergebnis von rund 34 und ein Betriebsergebnis von 16,4 Millionen Euro, so dass die Prognoseanhebung vom Montag keine Verbesserung darstellt. Daher reagierte der Aktienkurs auch überhaupt nicht, da das Unternehmen weiter mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 24 für das laufende und 21,8 für das kommende Jahr recht hoch bewertet ist, noch höher, wenn man die Unternehmensprognosen zugrundelegt.
Größere Nachrichten erwartet
Was der Aktie weitere Phantasie verleiht, sind Spekulationen über Zukäufe. Nachdem EM.TV vor wenigen Jahren noch kurz vor der Insolvenz stand, stehen neben dem künftigen Verkaufserlös der Kinder- und Jugendprogrammsparte auch rund 100 Millionen Euro liquide Mittel zur Akquisition bereit, sagte Unternehmenschef Werner Klatten Ende Juni der Zeitschrift „Euro am Sonntag“.
Damals dachte Klatten auch über die Aufnahme von Fremdkapital nach. Zumindest diese Pläne dürften jetzt angesichts der Situation auf den Kreditmärkten einen gewissen Dämpfer erhalten haben.
Charttechnisch befand sich die Notierung zwischen September des vergangenen Jahres und Ende Juli in einem Aufwärtstrend, der ihr einen Kursgewinn von knapp 84 Prozent verschaffte. Im Zuge der Konsolidierung der Märkte gab sie danach deutlich bis auf 3,90 Euro ab, bevor sie sich in den vergangen Tagen bei 4,20 Euro stabilisieren konnte. Indes liegt sie damit noch immer unter den Trendlinien.
Aktie in Wartestellung
Die vorsichtig positive Reaktion setzte sich am Dienstag zunächst fort. Auf die für das fortzuführende Geschäft durchaus positiven Zahlen reagiert der Markt mit einem Kursplus von einem Prozent auf 4,24 Euro. Kurze Zeit später rutschte die Notierung aber schon mit 0,24 Prozent ins Minus.
Ändern würde sich die verhaltene Tendenz der Notiz sicherlich dann, wenn der Verkauf der Unterhaltungssparte zu guten Konditionen gelänge oder das Unternehmen eine attraktive Akquisition bekannt geben könnte. Belastend dürfet sich auch die Ankündigung auswirken, Fremdkapital aufnehmen zu wollen.
Eher weniger, weil den Anlegern eine Hebelung der Bilanz nicht schmecken würde. Bei einer Eigenkapitalquote von 54 Prozent zum 31. März würde diese das durchaus vertragen. Vielmehr sind die Erfahrungen mit EM.TV in dieser Hinsicht schmerzlich, mussten doch die Gläubiger der Wandelanleihe 2000/2005 auf sämtliche Rechte und Pflichten verzichten, um seinerzeit das Unternehmen zu retten.
Insofern scheint es geraten zu sein, zunächst einmal weiter abzuwarten. Spekulativere Anleger könnten jetzt erste Positionen aufbauen. Das Risiko besteht darin, dass EM.Sport Media womöglich zunächst die Fremdkapitalpläne verwirklicht, ohne die Unterhaltungssparte verkauft zu haben oder Akquisitionsziele zu nennen, was den Kurs belasten könnte. Das ist zwar wenig wahrscheinlich, weil die Finanzierungsbedingungen derzeit eher wenig günstig sind, ist aber nicht auszuschließen.
Indes könnte sich die Situation schon bald ändern. Wie der Medienkonzern bekannt gab, stoße man beim angestrebten Verkauf der Unterhaltungssparte auf reges Interesse. „Es hat bereits eine Vielzahl von Adressen aus dem In- und Ausland - sowohl strategische Interessenten als auch Finanzinvestoren - ihr grundsätzliches Interesse bekundet“, teilte das Unternehmen mit. Ein Sprecher des Konzerns sprach von einer „ganz klar zweistelligen Zahl“. Angebote gebe es aber noch nicht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |