Mit deutlichen Kursgewinnen hat sich die Aktie des Maschinenbauers Hermle in den vergangenen Monaten vom Tief bei elf Euro im Oktober des vergangenen Jahres erholt, sich in der Zwischenzeit etwas mehr als verdoppelt und dabei einen kurzfristigen Aufwärtstrend etabliert.
Diese Entwicklung dürfte das Resultat einer positiveren Entwicklung sein , als sie das Unternehmen selbst zunächst vorausgesehen hatte. Denn war das Unternehmen eher skeptisch in das laufende Geschäftsjahr gestartet, so konnte es im August über ein Plus von neun Prozent auf 58,3 Millionen Euro bei den Auftragseingängen im ersten Halbjahr berichten. Auf dieser Basis gab sich das Unternehmen optimistisch, auch im laufenden Jahr den Umsatz des Vorjahres erreichen zu können. Im Jahr 2002 hatte das Unternehmen 117 Millionen Euro umgesetzt und dabei einen Gewinn von 1,99 Euro je Aktie erzielt.
Umsatz auf Vorjahreshöhe angestrebt
Das Gesamtjahr 2003 sieht Hermle aufgrund des unverändert schwachen Branchenumfeldes verhalten. "Vor dem Hintergrund unserer eigenen verbesserten Auftragslage", so Dietmar Hermle, "halten wir unser Ziel, einen Umsatz in Vorjahreshöhe zu erreichen, für ehrgeizig, aber erreichbar." Beim Ertrag wird zwar ein Rückgang, aber erneut ein positives Ergebnis prognostiziert, sofern sich die konjunkturelle Lage nicht verschlechtert. Positive Impulse erwartet das Unternehmen unter anderem durch seine Maschinenneuheiten, die verstärkten Serviceaktivitäten und das im Mai eröffnete Technologie- und Servicezentrum in Amerika, das den Kontakt zum amerikanischen Markt intensivieren soll.
Die Maschinenfabrik Berthold Hermle zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Fräsmaschinen und Bearbeitungszentren. Hermle-Werkzeugmaschinen kommen aufgrund ihrer hohen Qualität und Präzision in anspruchsvollen Branchen wie der Medizintechnik, der optischen Industrie, der Luftfahrt-, Automobil-, Rennsportindustrie und bei deren Zulieferern zum Einsatz. Im Jahr 2002 erzielte der Hermle-Konzern mit 566 Mitarbeitern einen Umsatz von 117 Millionen Euro und einen Jahresüberschuß von 9,9 Millionen Euro. Die Bruttomarge vom Umsatz betrug 13,5 Prozent .
Flexible Unternehmenstrukturen
Durch flexible Unternehmensstrukturen und eine hochautomatisierte Fertigung konnte der Hermle-Konzern im ersten Halbjahr 2003 erneut einen soliden Gewinn erzielen, der allerdings hinter dem Vorjahreswert zurückblieb. Der Rückgang resultiert vor allem aus höheren Sozialabgaben und leicht gestiegenen Personalzahlen.
Die strategisch wichtigen Bereiche Vertrieb und Service verstärkt Hermle nicht nur personell, sondern auch durch den Bau eines Dienstleistungszentrums für Service- und Hotlinemitarbeiter, der im dritten Quartal begonnen wird. Im ersten Halbjahr betrafen die Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände überwiegend Ersatz-und Rationalisierungsmaßnahmen sowie die verbesserte IT-Ausstattung und beliefen sich auf 1,2 Millionen Euro, nach 2,5 Millionen Euro im Vorjahr. Im F & E-Bereich intensiviert Hermle seine Aktivitäten weiter antizyklisch. Auf der Fachmesse EMO im Herbst wird das Unternehmen mit der U 1130, einer großen Universalfräsmaschine in Massivblockbauweise, eine weitere Produktneuheit vorstellen.
Das Unternehmen bietet bei guter Konjunktur Potential
Mit den jüngsten Kursgewinnen dürfte die Aktie schon einen großen Teil der positiveren Entwicklung in jüngster Zeit vorweggenommen haben. Sollte jedoch die Konjunktur deutlich anziehen, dürfte das Unternehmen davon profitieren können. Im Jahr 2001 hat das Unternehmen einen Gewinn je Aktie von 5,28 Euro erzielt. Das würde beim aktuellen Kurs von 22 Euro zu einem Kurs-Gewinnverhältnis von 4,2 führen. Das zeigt, was bei einer positiven Entwicklung möglich wäre. Auf dieser Basis dürfte die Aktie des Unternehmens zumindest bei Kursrückschlägen einen Blick wert sein.