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Maschinenbau Gildemeister-Aktie läuft SDax seit neuestem voraus

23.08.2005 ·  Die Gildemeister-Aktie hat ihre Besitzer lange Zeit enttäuscht und ist dem bullenstarken SDax hinterher gelaufen. Doch im jüngsten Vierteljahr hat sich das Bild gedreht. Dazu passen die Fortschritte im Alltagsgeschäft des Maschinenbauers.

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Den Bielefelder Werkzeugmaschinenhersteller Gildemeister als margenschwach zu bezeichnen, wäre fast schon verniedlichend formuliert. Das vergangene Jahr schloß das Unternehmen bei einem Umsatz von 1,05 Milliarden Euro mit einem Gewinn von gerade einmal 5,5 Millionen Euro ab - nachdem es im Vorjahr noch einen geringen Verlust verbucht hatte. Daß der Konzern finanziell eher schwach auf der Brust ist, signalisieren auch die Kredit-Ratings von B2 bei Moody´s und B- von Standard&Poor´s. In der Konsequenz mußte Gildemeister für seinen vor gut einem Jahr begebene Anleihe 9,75 Prozent Zinsen zahlen.

Zudem hat Gildemeister in der Vergangenheit öfter seine Prognosen nicht einhalten können und den Markt enttäuscht. So nimmt die schwache Wertentwicklung nicht wunder. Binnen Jahresfrist hat sich das Papier nur um knapp sechs Prozent verteuert. Zum Vergleich: Der SDax, in dem der Titel notiert, ist um 49 Prozent hochgelaufen. Aber: In den vergangenen drei Monaten hat sich der Gildemeister-Kurs deutlich belebt. Die Notiz eilt nun dem Kleinwerte-Index voraus.

Am Dienstag steht der Titel allerdings unter Druck. Nachdem er vorbörslich noch schöne Gewinne verzeichnet hatte und im frühen Handel nur leicht nachgab, steht aktuell ein Minus von 1,6 Prozent auf 6,29 Euro zu Buche. Am Bericht über die ersten sechs Monate kann dies indes nicht legen: Gildemeister hat im ersten Halbjahr vor allem dank Zuwächsen im Auslandsgeschäft Umsatz und Gewinn gesteigert und den Ausblick bestätigt. Möglicherweise haben einige Anleger aber eine verbesserte Prognose erwartet und trennen sich nun von den Titeln.

Unternehmen will wieder Dividende zahlen

Bei einem um sechs Prozent auf 517,8 Millionen Euro gestiegenen Umsatz sei ein Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 19,4 Millionen Euro erzielt worden nach 17 Millionen im Vorjahreszeitraum, teilte das Unternehmen laut Reuters mit. Der Nettogewinn habe sich von 700.000 Euro vor einem Jahr auf 1,7 Millionen Euro erhöht. Im Ausland legte der Umsatz um 18 Prozent auf 297,5 Millionen Euro zu. Damit stieg die Exportquote auf 57 von 52 Prozent.

Der Auftragseingang übertraf mit 574,2 Millionen Euro den Vorjahreswert um sechs Prozent. Auch hier habe das gute Auslandsgeschäft zum Wachstum beigetragen, so Reuters weiter. Den Bestand an Aufträgen zur Jahresmitte bezifferte Gildemeister mit 378,2 Millionen Euro.

Der Konzern bekräftigte seine Planungen für das Gesamtjahr. Gildemeister strebt demnach einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro und einen Überschuß von mehr als zehn Millionen Euro an. Die Aktionäre sollen nach drei Jahren ohne Ausschüttung wieder eine Dividende erhalten. Analysten rechnen im Schnitt mit 15 Cent je Aktie, was auf eine ordentliche Dividendenrendite von 2,4 Prozent hinausläuft.

Branchenmesse EMO als Hoffnungsträger

Unter Analysten sind die neuen Nachrichten unaufgeregt aufgenommen worden. Bei der Hypo-Vereinsbank (HVB) und dem Bankhaus Lampe heißt es unisono, der Halbjahresbericht berge keine Überraschungen. Gildemeister habe schon im März einen recht erfreulichen Ausblick geliefert. Als positiv hob ein HVB-Analyst im Gespräch mit FAZ.NET den Anstieg des Auftragseingangs in Deutschland um zwei Prozent hervor. Dabei sei zu bedenken, daß die wichtige Branchenmesse EMO erst noch bevorstehe. „Da sollte einiges an Aufträgen hereinkommen.“

Dies meint auch Roland Könen vom Bankhaus Lampe. Im Maschinenbau verhalte es sich wie in der Druckindustrie: Vor der großen Branchenmesse im September hielten sich Kunden mit Orders zurück. Folglich müßte sich der Auftragseingang nach der Delle von April bis Ende Juni im dritten Quartal kräftig beleben. Ein Plus von sechs Prozent im ersten Halbjahr sei gleichwohl „eine gute Zahl“.

Dennoch stuft Könen die Gildemeister-Aktie von „Kaufen“ auf „Halten“ ab. Der Grund ist allein in der guten Kursentwicklung zu suchen. Das im Mai von ihm gesteckte Kursziel von 6,20 Euro hat die Notiz überflügelt. Dabei ist sich Könen bewußt, daß Kollegen der Aktie mehr zutrauen. Die HVB zum Beispiel empfiehlt das Papier mit dem Kursziel von 7,00 Euro und dem Rating „outperform“ letztlich weiter zum Kauf. Der Lampe-Analyst will aber sehen, ob Gildemeister diesmal die Prognosen erreicht. Dann seine eine Hochstufung drin. Der Bankverein Werther sieht in Gildemeister eine „Turnaround-Chance“.

Aktie recht günstig bewertet

Die Bestätigung der Ertragswende dürfte allerdings nicht in Frage stehen. So rechnen Analysten mit spürbar steigenden Gewinnen: Für 2006 kommt die Aktie auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa zehn nach 17 für dieses Jahr und ist mithin recht günstig bewertet. Aus Sicht von Könen ist Gildemeister im Vergleich mit anderen deutschen Maschinenbauern unterbewertet, was aber aufgrund der schwachen Profitabilität und der vergleichsweise geringen Aufmerksamkeit, die einem SDax-Wert geheim zuteil werde, auch gerechtfertigt sei.

Charttechnisch sieht es auch ganz erfreulich aus, da die Aktie aus der oben bei 6,10 Euro begrenzten Handelsspanne ausgebrochen ist. Ein technisches Kaufsignal wäre ein nachhaltiger Sprung über die am 3. August 2004 gesetzte Hürde von 6,37 Euro, die die Notiz zu Wochenbeginn schon übertraf. Der nächste technische Widerstand baut sich dann bei 6,80 Euro auf, in Gestalt des Zwischenhochs vom 22. August 2003. Unter dem Strich ist Gildemeister derzeit eine Halte-Position.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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