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Maschinenbau Gea-Aktie trotz guter Zahlen unter Druck

 ·  Trotz guter Zahlen gerät die Notierung der Gea-Aktie am Mittwoch unter Abgabedruck. Offenbar hatten sich die Anleger konkretere Auskünfte zum Verkauf von Lurgi und Lentjes erhofft.

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Die Geschichte der Gea Group ist eine sehr bewegte. Bis zum Jahr 2000 unter dem Namen Metallgesellschaft firmierend, geriet sie Anfang der neunziger Jahre in akute Liquiditätsnöte, wurde danach neu ausgerichtet und konzentrierte sich zunehmend weiter auf den Spezialmaschinenbau der ehemals zugekauften Tochter Gea, deren Namen sie heute trägt.

Der Konzernumbau hinterließ dabei seine Spuren in der Gewinn- und Verlustrechnung. 2005 etwa stand bei einem Umsatz von 3,4 Milliarden Euro unter dem Strich ein Verlust von 64,3 Millionen, da die Verluste aus nicht fortgeführten Geschäftsbereichen die Gewinne aus dem verbleibenden Geschäft mehr als aufzehrten.

Starker Auftragseingang

Im vergangenen Geschäftsjahr hingegen konnte der Spezialmaschinen- und Anlagenbauer im operativen Geschäft überzeugen. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) aus dem fortgeführten Geschäft - ohne die Großanlagenbau-Töchter - stieg im Vergleich zum Vorjahr um knapp ein Drittel auf 298,2 Millionen Euro, der Umsatz kletterte um 28 Prozent auf 4,35 Milliarden. Von dpa-AFX befragte Analysten hatten mit einem Ebit von 284 Millionen und Erlösen von 4,12 Milliarden Euro gerechnet.

Angesichts eines starken Auftragseingangs stellt Gea weiteres Wachstum in Aussicht. Der Auftragseingang liege um 18 Prozent über dem Vorjahr, sagte der Vorstandsvorsitzende Jürg Oleas am Mittwoch während der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf. Der Wert verbesserte sich 2006 um 35 Prozent auf fast fünf Milliarden Euro. „Aufgrund der sehr gut gefüllten Auftragsbücher in allen Unternehmensbereichen sowie der weiterhin ungebrochenen Konjunktur in allen Hauptgeschäftsfeldern der GEA Group sind die Aussichten für das Geschäftjahr 2007 sehr positiv“, sagte Oleas.

Hohe Verluste bei Lentjes

Sowohl im laufenden Jahr als auch 2008 solle der Umsatz jeweils um fünf bis zehn Prozent gegenüber 2006 steigen. Das operative Ergebnis werde überproportional dazu wachsen. Die Ebit-Marge soll sich in den nächsten drei Jahren von heute 6,9 Prozent auf über 8 Prozent verbessern. „Die neue Konzernstruktur wird ein Garant für starkes Wachstum vor allem der Ebit-Margen sein“, betonte der Vorstandschef. Aus heutiger Sicht werde für 2007 die Zahlung einer Dividende wieder aufgenommen. Einige Marktteilnehmer hatten indes bereits für 2006 mit einer Ausschüttung gerechnet.

Unter dem Strich aber schreibt der Konzern wie erwartet wegen der weiteren Belastungen aus dem Großanlagenbau deutlich rote Zahlen. Das Minus stieg gegenüber dem Vorjahr um mehr als das Vierfache sich auf 288,2 Millionen Euro. Verantwortlich waren laut Gea zum einen die erheblichen Ergebnisverschlechterungen beim Energie- und Umwelttechnikspezialisten Lentjes, der vor Steuern einen Verlust von 345,6 Millionen Euro verzeichnete - mehr als das Zwanzigfache wie im Vorjahr. Zum anderen hätten erwartete Verluste und Vorsorgeaufwendungen aus dem Verkauf von Lentjes belastet.

Lurgi erstmals wieder mit Gewinn

Die erwarteten positiven Erträge aus dem Verkauf des Anlagenbauers Lurgi könnten dagegen erst 2007 verbucht werden. Lurgi erreichte nach jahrelangen Verlusten 2006 vor Steuern mit 9,6 Millionen Euro wieder ein positives Ergebnis.

Im fortgeführten Geschäft erzielte Gea im vergangenen Jahr einen Gewinn von 187,4 Millionen Euro nach 140,4 Millionen Euro im Vorjahr. Nach dem Verkauf des Großanlagenbaus will sich der Konzern auf den Ausbau der Kernkompetenz Verfahrenstechnik konzentrieren. Organisches Wachstum und Akquisitionen sollen dabei gleichermaßen Auftragseingänge und Umsätze fördern. Der Anfang März erfolgte Zukauf der italienischen Procomac sei ein erster Schritt gewesen.

Die Veräußerung von Lurgi und Lentjes stünden kurz vor dem Abschluss, eine prinzipielle Übereinkunft sei bereits erzielt worden. Ursprünglich sollte der Verkauf der Töchter bereits Ende vergangenen Jahres unter Dach und Fach gebracht werden. Die Verhandlungen hätten sich dann aber als komplexer als erwartet herausgestellt, insbesondere wegen der operativen Schwierigkeiten bei Lentjes, wohingegen die Zahl der Interessenten an Lurgi größer gewesen sei als angenommen.

Kein Fahrplan für Verkauf des Großanlagenbaus

Auf einen Zeitplan für den Verkauf wollte sich Oleas am Mittwoch allerdings nicht festlegen. Ob es sich bei den Interessenten um strategische oder Finanzinvestoren handele, wollte Oleas nicht kommentieren. Beide Unternehmen würden aber getrennt an unterschiedliche Interessenten veräußert.

Die Aktie des MDax-Unternehmens startete ursprünglich mit einem Plus von anderthalb Prozent in den Tag, bevor es dann Händlern zufolge zu Gewinnmitnahmen kam. Der Kurs rutschte bis zum Mittag 1,8 Prozent ins Minus auf 17,83 Euro ab.

Dabei wurden Bilanz und Ausblick insgesamt sehr positiv beurteilt. Weniger gut kam indes an, dass es auch 2006 keine Dividende geben wird und sich der Abschluss der Verkaufsverhandlungen weiter verzögert.

Die WestLB stufte das Papier nach der Zahlenvorlage und in Erwartung einer „noch rosigeren Zukunft“ von „hold“ auf „buy“ hoch und hob das Kursziel kräftig an. Statt 15 werden nun 23 Euro angegeben. Analyst Achim Henke hatte seine Erwartungen wegen der Aussichten auf deutliche Umsatzsteigerungen, des gut gefüllten Auftragsbuchs und der positiven Prognosen des Konzerns für 2007 und 2008 überarbeitet.

Aktie recht angemessen bewertet

Auch HVB-Analyst Stefan Halter lobte die „sehr starken operativen Zahlen“. Enttäuscht äußerte er sich allerdings darüber, dass Gea keine Angaben über den Abschluss des Verkaufs der Großanlagenbau-Töchter gemacht habe.

Allem Anschein nach scheint derzeit die Enttäuschung darüber zu überwiegen, zumal die Aktie mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 18,4 für das laufende und 16 für das kommende Jahr auf dem derzeitigen Kursniveau recht angemessen bewertet erscheint. Zwar muss man berücksichtigen, dass die Unternehmensprognosen für das laufende Jahr etwas besser ausfallen, so dass sich das KGV für das laufende Jahr auf unter 17 taxieren ließe.

Charttechnisch sind die Gewinnmitnahmen kein gutes Signal. Im Februar hatte die Notierung bei 19,15 Euro ein Sieben-Jahres-Hoch erreicht, gab dann aber im Zuge der Marktkonsolidierung zum Monatsende auf 16,23 Euro deutlich ab und fiel damit auch unter das Januarhoch.

Warten auf Nachrichten zum Verkauf

Indes hatte sie sich dann rasch erholt und den seit Ende 2005 anhaltenden Aufwärtstrend wieder aufgenommen. Die Abgaben am Mittwoch sind nicht dramatisch, indes stellt sich die Frage nach einem möglichen Impuls für die Fortsetzung der Aufwärtsbewegung. Dieser hätte aus einem Zeitplan für den Verkauf von Lentjes und Lurgi kommen können.

Sollte die Aktie unter das Januarhoch von 17,63 Euro rutschen, verschlechtert sich das Chartbild. Es könnte dann zu weiteren Abgaben bis zur Unterstützung um 16,25 Euro kommen.

In Aufwärtsrichtung liegt derzeit nur ein Widerstand bei 19 Euro. Dieser erscheint aber derzeit außer Reichweite zu liegen. All dies dürfte sich ändern, wenn Zeitplan und Konditionen der Verkaufsvorhaben bekannt werden oder sich entsprechende Gerüchte verdichten. Bis dahin aber dürfte die Gea-Aktie erst einmal seitwärts gehen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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