Es war der Tag der Deutschen Einheit, aber an der Deutschen Börse war es der Tag der China-Aktien. Allen Unkenrufen zum Trotz hat die Euphorie für Anteile an chinesischen Unternehmen einen neuen Höchststand erreicht (vgl. Die chinesischen Aktienmärkte laufen heiß).
Von den 28 größten Kursgewinnern des Feiertags tragen immerhin sieben das Wort „China“ im Namen, ohne dass man von den Unternehmen je gehört hätte und mit Fuwei Films und Zhongde Waste lassen sich zwei weitere sofort identifizieren.
Nachfrage aus der Photovoltaik treibt den Kurs
Aber es gibt auch andere, weitaus unverdächtigere Unternehmen, deren Aktienkurs am Vortag von Fernost-Phantasie beflügelt wurde. Eines davon ist der Schweizer Hersteller von Spezialsägemaschinen und Sägen für das Trennen von harten und spröden Materialien wie Silizium, Saphir und anderen Kristallen.
Der Aktienkurs des Maschinenbauers, der seit Ende des vergangene Jahres börsennotiert ist, hat sich seitdem von 42,60 auf 285 Franken am Mittwoch nahezu versiebenfacht. Grund für den Höhenflug ist die Solarphantasie, denn die Spezialsägen des in Baar ansässigen Unternehmens werden hauptsächlich zum Trennen von Wafern, Prismen und anderen Formen in der Halbleiter- und der optischen Industrie, aber auch in der Solarindustrie eingesetzt.
Seit 2004 konnte das Unternehmen den Umsatz von 34,8 auf 82,6 Millionen Franken erhöhen. Verzeichnet man seinerzeit noch einen leichten Betriebsverlust (Ebit) von 500.000 Franken, so erzielte man 2006 einen Gewinn von acht Millionen. Auch das Konzernergebnis verbesserte sich von einem Verlust von einer Million Franken auf 5,6 Millionen Franken Gewinn.
Gewinnrückgang im ersten Halbjahr
Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres stieg der Umsatz gegenüber der Vorjahresperiode um 74 Prozent auf 68,14 Millionen Franken, das Betriebsergebnis fiel indes von 5,98 auf 4,5 Millionen Franken und der Periodengewinn von 5,1 auf 3,3 Millionen.
Das Unternehmen begründete dies zum einen mit einer aufgrund eines erhöhten Material- und Warenaufwands von 46,3 auf 31.6 Prozent reduzierten Bruttomarge, aber auch Neueinstellungen, verbunden mit zusätzlichen Raumkosten im Zuge einer Kapazitätserweitertung.
Dies alles sei Ausdruck des hohen Bestands an Aufträgen, den man fristgerecht ausführen wolle. Immerhin ist der Auftragseingang von 45,5 Millionen Franken im Jahr 2004 auf 169,7 Millionen im Jahr 2006 gestiegen. Im ersten Halbjahr 2007 stieg der Auftragseingang um 391 Prozent, so dass der Auftragsbestand zum 30. Juni 2007 470.2 Millionen Franken erreichte.
Großauftrag aus China
Und dazu kam am Mittwoch ein weiterer Großauftrag über 180 Millionen Franken bis ins Jahr 2010. Auftraggeber ist die chinesische Trina Solar Limited, die bereits im Juni einen Auftrag über 30 Millionen Franken erteilt habe. Bereits für das Geschäftsjahr 2008 werde ein umsatzwirksames Volumen von 50 Millionen Franken aus diesem Vertrag erwartet. Das Zusammenwirken von China und Photovoltaik musste natürlich den Aktienkurs beflügeln, und so kletterte dieser um weitere 11,76 Prozent auf das neue Allzeithoch.
Indes zeigen sich Analysten durchaus angetan. Der namhafte Bestellungseingang unterstreiche erneut die starke Stellung von Meyer Burger im Markt für Equipment zur Herstellung von Solarzellen, schrieb etwa die Züricher Kantonalbank.
Für Volkan Göcmen, Analyst von Helvea, zeigt der Auftragseingang der vergangenen Monaten deutlich, dass Meyer Burger nun einen starken Halt im asiatischen Markt gewonnen habe. Obwohl der Auftrag sehr groß sei, müsse das Unternehmen allerdings auch noch nach 2008/09 solch große Aufträge gewinnen, damit die hohe Bewertung gerechtfertig sei, schreibt Göcmen.
Einiges an Erwartungen eingepreist
Denn mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen auf Basis der Analystenprognosen von 41,75 für das laufende und 21,7 für das kommende Jahr sind bereits einige Erwartungen eingepreist. Und ob Meyer Burger das Wachstumstempo halten kann, ist keineswegs ausgemacht.
Wengleich das Unternehmen überzeugt ist, mit den getätigten Vorleistungen und einem seit April massiv erhöhten Produktionsausstoß in der zweiten Jahreshälfte die Ebit-Marge merklich erhöhen und den Konzerngewinn deutlich steigern zu können, so gab sich Vorstandschef Peter Pauli jüngst in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AWP eher zurückhaltend,.
Für 2008 rechnet der Manager mit einem Umsatzwachstum von 20 Prozent bis 30 Prozent, nachdem sich dieser im laufenden Jahr auf 180 Millionen Franken mehr als verdoppeln soll. Dies hielt Pauli für das kommende Jahr für unwahrscheinlich. Man hätte nie zu träumen gewagt, 2007 im Vergleich zum Vorjahr 100 Millionen zuzulegen.
Aktienkurs könnte weiter zulegen
Die noch vorhandene Knappheit von Silizium sei positiv zu bewerten, weil der Markt dadurch gedämpft wachse, da bei einem unkontrollierten Zuwachs „die berühmten Blasen generiert“ würden. Man habe auch hinsichtlich möglicher Akquisitionen die Fühler weit ausgestreckt, indes seien Übernahmeziele zum Teil kräftig überteuert. Pauli sieht Zukäufe eher in Europa, insbesondere in Deutschland und begründet dies mit kulturellen Eigenheiten. Es dränge sich in Asien derzeit auch kein Kaufobjekt auf.
Da das Interview vor dem Großauftrag gegeben wurde, könnte der Umsatz 2008 noch stärker wachsen, als von Pauli zu diesem Zeitpunkt avisiert. Bei mehr als 100 prozent ist Meyer Burger deswegen trotzdem nochlange nicht. Indes rechnen die Analysten mit einem Plus von 50 Prozent auf Basis einer mit 195 Millionen Franken ebenfalls höheren Umsatzprognose für das Jahr 2007.
Charttechnisch ist die Ausgangslage naturgemäß günstig, wie die Bank Vontobel meint. Nach dem kürzlich erfolgten Ausbruch über die wichtige Marke von 250 Franken dürfte der Weg nach oben offen sein, schreibt die Bank. Eine Unterstützung hat die Aktie bei 240 Franken.
Angesichts der Tatsache, dass es sich bei Photovoltaik und China um Trendthemen handelt, aber das Unternehmen auch starke Wachstumszahlen liefert, sind die Voraussetzungen für weitere Kursgewinne in den kommenden Wochen gut. Die hohe Bewertung spricht indes dafür, dass es im Zuge einer Eintrübung des Börsenklimas zu Gewinnmitnahmen kommen dürfte. Das könnte sich deutlich im Kurs bemerkbar machen, da die Aktie auch nicht allzu rege gehandelt wird. Insofern sollte man Absicherungsstrategien nicht vernachlässigen.