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Maschinenbau : Aktie von Wincor Nixdorf trotz Gewinnrückgang gefragt

Wincor sorgt dafür, dass die Bargeld-Zapfsäule läuft Bild: obs

Der Aktienkurs des Geldautomatenherstellers Wincor Nixdorf kann sich am Montag trotz schwacher Zahlen behaupten. Unternehmen und Anleger hoffen auf die Wende durch die Schwellenländer.

          Was der Geldautomaten- und Kassensystemhersteller Wincor Nixdorf am Montag den Anlegern vorsetzt, war nun wahrlich nicht sehr erbaulich. In den im September abgelaufenen Geschäftsjahr blieb der Umsatz mit 2,34 Milliarden Euro praktisch unverändert. Dafür fiel der operative Gewinn um 38 Prozent auf 101 Millionen und das Reinergebnis auf 63 Millionen Euro.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin im Wirtschaftsteil.

          Dass der Aktienkurs dennoch um mehr als 2 Prozent stieg, lag wohl daran, dass die Analysten nicht viel bessere Vermeldungen erwartet hatten. Letztlich fiel der Umsatz etwas größer und das Ergebnis etwas kleiner aus, als es der Durchschnitt haben wollte.

          Das Zauberwort vom Schwellenland

          Der zweite Grund für die Kursgewinne dürfte wohl sein, dass der Konzern das Zauberwort Schwellenländer fallen ließ, wo er sein Geschäft nun kräftig vorantreiben will. Ziel sei es, noch stärker am Wachstum dieser Länder zu partizipieren und zugleich die gegenwärtige schwierige Marktsituation in Europa auszugleichen, sagte Vorstandsvorsitzender Eckard Heitloff bei der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf. „Wir können nicht darauf warten, dass der Markt in Europa sich dreht.“ Der Umsatzanteil der Schwellenländer soll in den nächsten Jahren von 27 auf 30 Prozent steigen.

          Im Zuge seiner Restrukturierungsstrategie will der Paderborner Konzern seine Produkte stärker an den Bedürfnissen von Wachstumsmärkten in Asien, Südamerika und dem Mittleren Osten ausrichten. Zudem sollen Produktions- und Entwicklungskapazitäten in die aufstrebenden Regionen verlagert werden.

          Während dort die Kapazitäten aufgestockt werden, läuft in Westeuropa der bereits im Frühjahr angekündigte Abbau von 500 Stellen weiter. Bisher wurden 300 Arbeitsplätze gestrichen.

          Seit vier Jahren kriselnd

          Die Investitionszurückhaltung der europäischen Banken und Handelsunternehmen macht Wincor Nixdorf schon seit einiger Zeit schwer zu schaffen. Der Umsatz des abgelaufenen Geschäftsjahres hat zwar Rekordniveau, doch liegt er nur 1 Prozent als vor vier Jahren. Die operative Marge war mit 4,3 Prozent noch nie so niedrig und hatte ihr Maximum ebenfalls schon vor vier Jahren erreicht.

          Insgesamt scheint die Entwicklungsstrategie des Unternehmens vor einigen Jahren ins Stocken geraten zu sein und es hat bis jetzt gedauert, dass man in Paderborn nicht mehr auf die Wende des Marktes zum Besseren warten will.

          Ein kleiner Wandel zeigt sich in der Umsatz entwicklung. Mit einem Anteil von 53 Prozent brachte die Sparte Software/Services erstmals mehr Umsatz als das Gerätegeschäft. Beispielsweise besorgt Wincor Nixdorf für 10000 Shell-Tankstellen und 3700 Supermärkte des britischen Tesco-Konzerns die gesamten IT-Dienstleistungen.

          Dividendenverfall

          So schnell wird die Wende aber nicht gehen. Im laufenden Geschäftsjahr rechnet Heidloff in Südeuropa mit wenig Wachstum. Dank Wachstumsimpulsen aus den Schwellenländern soll der Umsatz um 2 Prozent steigen, der operative Gewinn 120 Millionen Euro erreichen, die Marge mithin mit 5 Prozent nicht eben riesig sein.

          Das bekommen auch die Aktionäre zu spüren, die eine deutlich gekürzte Dividende von nur 1,05 Euro (Vorjahr 1,70) Euro je Aktie erhalten sollen. Doch Kummer sind diese auch schon länger gewöhnt: Seit 2007 ist die Dividende gefallen, nun hat sie das Niveau der Erstausschüttung von 2005 wieder erreicht.

          Nicht zu mutig

          Bei einer Bewertung der Aktie mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von mehr als 12 für das laufende und 10 für das kommende Jahr erscheint diese derzeit weder allzu preiswert noch zu teuer, sondern eher als Position, die man jetzt auch schon nicht mehr auflösen sollte. Im Februar 2011 hatte der Kurs noch 62,98 Euro erreicht und damit nahezu ein Fünf-Jahres-Hoch. Seitdem ist der Kurs um nicht mehr ganz die Hälfte gefallen, denn seit Juli befindet er sich schon auf Erholungskurs.

          Damals hatte das Unternehmen die Prognose bestätigt, was als ermutigend gewertet worden war. Doch zu viel Mut sollte man als Anleger nicht bekommen. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel der Analysten liegt mit 34,88 Euro nur wenig höher als das aktuelle Kursniveau von 33,63 Euro.

          Quelle: F.A.Z.

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