15.08.2007 · Die Erwartungen übertroffen hat der Anlagenbauer Applied Materials die Erwartungen mit den Zahlen zum abgelaufenen Quartal. Doch der Ausblick ist eher negativ. Kurzfristig dürfte der Aktienkurs weiter nachgeben.
Der Dienstagabend war an der New Yorker Börse wieder einmal ein schwarzer. Nicht nur, dass neue Hiobsbotschaften aus dem Kreditmarkt die Runde machten: Die Hypothekenfirma Thornburg Mortgage verschob ihre Dividendenzahlung, während die Hypothekenbank Aegis gleich Konkurs anmeldete. Ein Geldmarktfonds wurde eingefroren und die Verluste der Citigroup werden mittlerweile auf eine Milliarde Dollar geschätzt.
Doch auch auf Unternehmenszahlen wirkte sich dies negativ aus. Home Depot leidet unter dem schwachen Häusermarkt, Wal-Mart begab eine Gewinnwarnung. Aber auch in weiter entfernten Branchen zeigen sich Schwächen.
Prognosen übertroffen
Wie etwa bei Applied Materials, dem weltgrößten Hersteller von Maschinen für die Chip-Produktion. Dieser hat im abgelaufenen Quartal „angesichts schwieriger Geschäfte in der Display-Branche“ weniger verdient als im Vorjahr, indes noch mehr als erwartet.
Unter dem Strich sei im dritten Quartal des im September endenden Geschäftsjahres ein Ertrag von 473,5 Millionen Dollar erzielt worden nach 512 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum, teilte das amerikanische Unternehmen am Dienstag nach New Yorker Börsenschluss mit. Dies sei auch auf höhere Kosten und geringere Zinseinnahmen zurückzuführen.
Der Umsatz legte auf 2,56 Milliarden Dollar von 2,54 Milliarden Dollar zu. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Gewinn von 437,5 Millionen Dollar bei Erträgen von 2,53 Milliarden Dollar gerechnet. Grund für das schwächere Wachstum war vor allem die Tatsache, dass Applied Materials Expansionspläne aufgrund sinkender Preise verschob.
Schwächere Aussichten
Waren die Zahlen für das abgelaufene Quartal also gar nicht so schlecht, so tendierte die Aktie im nachbörslichen Handel nichtsdestoweniger schwächer und verlor 3,7 Prozent auf 20,45 Dollar. Denn das Unternehmen vermeldete einen Rückgang bei den Auftragseingängen. Die neuen Orders fielen auf 2,28 Milliarden Dollar nach 2,67 Milliarden Dollar im Vorjahr.
Schon bei der Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal hatte sich Applied Materials zurückhaltend zu mehreren Geschäftsbereichen geäußert und einen Rückgang des Auftragseingangs in Aussicht gestellt. Die Konkretisierung vom Dienstag liegt am unteren Ende der damals genannten Spanne.
Im vierten Quartal könne der Umsatz um fünf bis zehn Prozent zurückgehen, sagte Finanzvorstand George Davis auf einer Analystenkonferenz. Dieser Umsatz läge mit 2,3 bis 2,43 Milliarden Dollar dann unter der bisherigen Analystenprognose von 2,45 Milliarden. Auch den Gewinn je Aktie soll mit 26 bis 29 Cents je Aktie unter den prognostizierten 30 Cents zu liegen kommen.
Aktie nicht wirklich preiswert
Als Grund wird ein flaueres Geschäft im Display-Bereich und im Design-Chip-Sektor genannt, dass den Trend eines fallenden Auftragseingangs im DRAM-Geschäft verstärkt. Einige Analysten geben sich indes zuversichtlich. Danach sei der Boden erreicht, meint Ben Pang, Analyst bei Caris & Co.
Mit prognostizierten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 17,3 für das laufende und 17 für das kommende Geschäftsjahr ist die Aktie nicht ganz so hoch bewertet wie so manch anderer amerikanischer Wert. Wirklich preiswert ist sie deswegen dennoch nicht, allzumal wenn das Geschäft sich gerade in einer Schwächephase befindet.
Erst vor wenigen Wochen konnte die Notierung dank eines guten Sentiments für Chip-Aktien aus einer jahrelangen Seitwärtsbewegung zwischen 15 und 21 Dollar ausbrechen und kletterte Anfang August auf ein Dreieinhalb-Jahres-Hoch bei 22,96 Dollar. Diese Herrlichkeit hielt im schwächeren Marktumfeld allerdings nicht lange und sie fiel bis auf 21,24 Dollar im regulären Handel zurück.
Ausbruch vor dem Scheitern
Sollten sich die Kursverluste im nachbörslichen Handel am Mittwoch bestätigen, so wäre der jüngste Ausbruch gescheitert, da die Notiz damit wieder unter das Zwischenhoch vom Januar 2006 bei 20,82 Dollar zurückfiele.
Damit stünde der Mitte 2006 etablierte Aufwärtstrend indes noch nicht zur Disposition, das wäre erst bei Kursen unter 20 Dollar der Fall. Unter 19 Dollar wäre auch der Aufwärtstrend des laufenden Jahres gefährdet.
Kurzfristig ist jedenfalls mit Abgaben zu rechnen, zumal das Marktumfeld schwächer tendiert. Indes sind die Prognosen nicht so schlecht, und da in der zyklischen Chip-Branche eine Abschwächung bereits als Vorbote eines kommenden Aufschwungs gesehen wird, könnte sich die Notierung mittelfristig wieder erholen.
Allerdings hängt dies auch von der amerikanischen und der Weltkonjunktur ab. Sollte diese sich nachhaltig eintrüben, dürfte eine Erholung auch über den Tag hinaus vorerst auf sich warten lassen.Sollten die Zahlen von Wal-Mart und Home-Depot dafür ein Signal sein, wären die Aussichten trüber - nicht nur für die Aktie von Applied Materials.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |