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Markttechnik Technische Qualität - made in Germany

25.06.2010 ·  Für technisch motivierte Engagements an den europäischen Aktienmärkten sollte mit Blick auf das zweite Halbjahr 2010 ein Schwerpunkt auf Aktien gelegt werden, die „währungssensibel“ sind. Interessant sind Aktien von BMW, Daimler und Siemens.

Von Achim Matzke
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Für technisch motivierte Engagements an den europäischen und deutschen Aktienmärkten sollte mit Blick auf das zweite Halbjahr 2010 ein Schwerpunkt auf Aktien gelegt werden, die einige Auswahlaspekte erfüllen. Zunächst sollten diese Titel eher währungssensibel sein und damit aus mittelfristiger Sicht von dem zuletzt schwächeren Euro profitieren können.

Zusätzlich sollten diese Werte wachsende Unternehmensaktivitäten in Asien inklusive China aufweisen, so dass Rückenwind vom dortigen Wachstum sowie von der mittelfristig erwarteten Aufwertung der chinesischen Währung vorliegen sollte. Als wichtigstes Auswahlkriterium sollte eine attraktive technische Gesamtlage hinzukommen.

Bei Aktien von BMW, Daimler, SAP und Siemens - intakte Hausse-Bewegungen

Von den Dax-Werten sollten dabei Beiersdorf, Linde und Volkswagen Vorzüge auf eine technische Beobachtungsliste gesetzt werden, da hier noch neue Investment-Kaufsignale fehlen. Bei BMW, Daimler, SAP und Siemens liegen schon intakte Hausse-Bewegungen vor, so dass sich diese Titel aus mittelfristiger technischer Sicht als (Zu-)Kaufkandidaten anbieten. Beim deutschen Automobilproduzenten Daimler war es - ausgehend von dem bisherigen Kurshoch im Jahr 1998 mit Kursen von mehr als 100 Euro - nach der Übernahme von Chrysler zu einer mehrjährigen Baisse gekommen. Aus übergeordneter langfristiger technischer Sicht fehlt bis heute eine grundlegende Aufarbeitung dieser Baisse, auch wenn Daimler sich zwischenzeitlich wieder von Chrysler getrennt hat. Ausgehend von dem Zwischenhoch bei 78,9 Euro (Oktober 2007), war Daimler von der damaligen Gesamtmarkt-Baisse erfasst worden.

Der anschließende Baisse-Trend beschleunigte sich im September des Jahres 2008 nach unten und mündete im Oktober 2008 in einen technischen Ausverkauf ("Sell-off") bei Kursen um 17,9 Euro. Erst im Juni 2009 gelang es Daimler, die etwa neunmonatige klassische technische Bodenformation (technischer Doppelboden unterhalb der Widerstandszone von 29 Euro) zu verlassen. Seitdem ist bei Daimler der technische Aufarbeitungsprozess der Baisse (von Oktober 2007 bis Oktober 2008) in Gang gekommen. Nach dem Hausse-Trend (März 2009 bis Dezember 2009; Kursanstieg von 17,2 auf 37,9 Euro) lief Daimler in eine mittelfristige, nach oben trendbestätigende Konsolidierung unterhalb der Widerstandszone um 37,9 Euro hinein.

Nach etwas mehr als sechs Monaten ist Daimler im April des Jahres 2010 mit einem neuen Investment-Kaufsignal aus dieser Konsolidierung herausgelaufen, so dass die Hausse-Bewegung mit einem neuen mittelfristigen Aufwärtstrend bei rund 39 Euro wiederaufgenommen wurde. Da sich als neues mittelfristiges technisches Etappenziel der Bereich von 49 bis 50 Euro andeutet, ist die Aktie von Daimler ein technischer (Zu-)Kauf. Trotz dieser attraktiven technischen Gesamtlage sollte allerdings jede Daimler-Position mit einem strategischen Sicherungsstopp bei 34 Euro belegt werden.

Der Kosmetikkonzern Beiersdorf gehört aus technischer Sicht zu den technischen Marathonläufern (das steht für Aktien, die sich in sehr langfristigen Aufwärtsbewegungen befinden) am deutschen Aktienmarkt. Dies zeigt sich zum Beispiel darin, dass Beiersdorf im Jahr 2007 mit Kursen um 56,5 Euro seine alten historischen Topkurse aus den Jahren 2000 bis 2002 (damals bei 47,5 Euro) deutlich überboten hatte, während dies dem Dax nicht gelungen war. Trotzdem wurde auch Beiersdorf - ausgehend von seinen historischen Topkursen (im Juli 2007 bei 56,6 Euro) - von der damals einsetzenden Gesamtmarktbaisse erfasst.

Papiere von Beiersdorf gehören aus technischer Sicht zu den „Marathonläufern“

Nach der im Mai 2008 startenden Abwärtsbeschleunigung hatte die Aktie einen langfristigen Baisse-Trend etabliert, der im April des Jahres 2009 mit einem technischen Ausverkauf bei Kursen um 28,7 Euro endete. Im September 2009 ist die Aktie aber wieder aus der TradingBodenformation (unterhalb der Widerstandszone um 36 Euro) herausgekommen, wobei gleichzeitig der damalige zentrale Baisse-Trend abgeschlossen und die 200-Tage-Linie überwunden wurde.

Die von einer hohen Dynamik geprägte Erholung führte Beiersdorf bis zum November 2009 in den Bereich der Widerstandszone von 46,5 bis 47,5 Euro, die in den Jahren 2007/2008 bereits als Unterstützungszone der damaligen Top-Formation gearbeitet hatte. Seit sieben Monaten steckt Beiersdorf jetzt in einer Seitwärtspendelbewegung mit der Unterstützungszone um 41,1 Euro und der gestaffelten Widerstandszone von 46,5 bis 47,5 Euro fest. Diese hat aus mittelfristiger technischer Sicht einen trendbestätigenden Charakter nach oben. Sollte Beiersdorf in den kommenden Wochen mit einem Investment-Kaufsignal nach oben ausbrechen (das bedeutet Kurse von mehr als 47,5 Euro), bietet sich ein Positionsaufbau beziehungsweise ein technischer Zukauf an, da sich in diesem Fall ein neues langfristiges technisches Kurspotential bis in den Widerstandsbereich von 55 bis 56,6 Euro (im Umfeld der alten historischen Topkurse) andeutet.

Siemens musste von Dezember des Jahres 2007 an (Start bei Kursen um 110 Euro) eine sehr ausgeprägte Baisse hinnehmen, die nach mehreren Verkaufssignalen im Oktober 2008 mit einem technischen Ausverkauf bei Notierungen um 33,1 Euro endete. Nach dem Verlassen des zentralen Baisse-Trends im Mai 2009 dauerte es noch bis zum Juli 2009, bis Siemens auch die technische Bodenformation (technisches Dreieck) mit einem Investment-Kaufsignal in eine neue Aufwärtsbewegung verlassen hatte.

Seitdem befindet sich Siemens - begleitet von einem Wechselspiel aus Kaufsignalen, Aufwärtstrends und trendbestätigenden Konsolidierungen - in einer intakten Hausse. In den vergangenen Wochen steckte die Aktie wieder in einer Konsolidierung (Unterstützungszone um 67 Euro; gestaffelte Widerstandszone von 77 bis 78,4 Euro) mit einem trendbestätigenden Charakter nach oben fest. Zuletzt ist die Aktie mit einem Kaufsignal wieder nach oben in Bewegung gekommen. Vor dem Hintergrund der intakten technischen Hausse bleibt die Aktie von Siemens, die ein mittelfristiges technisches Kurspotential bis in den Bereich von 86 bis 87 Euro aufweist, ein (Zu-)Kauf. Trotz dieser attraktiven technischen Gesamtsituation sollte auch jede Siemens-Position mit einem strategischen Sicherungsstopp bei Kursen um 58 Euro belegt werden.

Der Autor leitet das europäische Index Research von Commerzbank Corporates & Markets

Quelle: F.A.Z.
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