08.01.2010 · Der amerikanische S&P 500, der japanische Nikkei 225, der europäische Euro Stoxx 50 und auch der Dax haben ihre Baisse-Trends verlassen. Allerdings ist eine langsamere Gangart zu erwarten. Das lässt zumindest die technische Analyse erwarten.
Von Achim MatzkeDie im März des Jahres 2009 gestarteten Aufwärtsbewegungen in den weltweit führenden Aktienindizes wie dem amerikanischen S&P 500, dem japanischen Nikkei 225, dem europäischen Euro Stoxx 50 und dem deutschen Dax haben diese sowohl aus ihren vorherigen Baisse-Trends als auch aus den jeweiligen technischen Bodenformationen herausgeführt. Die hohe Aufwärtsdynamik, wie sie im vergangenen Jahr bei einigen Indizes aufgetreten war, hatte aus technischer Sicht den Charakter einer typischen Liquiditätshausse, wie sie im Regelfall zu Beginn von mittel- und langfris-tigen Hausse-Bewegungen auftritt.
Mit Blick auf den Jahresauftakt sowie die erste Hälfte des Jahres 2010 sollten sich die Hausse-Bewegungen in den führenden Aktienindizes und damit der positive technische Grundcharakter fortsetzen. Allerdings zeigt das sich andeutende differenzierte technische Bild bei den Sektoren, dass die mittelfristige Aufwärtsdynamik deutlich geringer als im Jahr 2009 sein sollte und damit eine langsamere Gangart auf der technischen Agenda steht.
S&P 500-Index hat die Führungsrolle inne
Unabhängig von den zuletzt aufgetretenen Verschiebungen an den Devisenmärkten hat der S&P 500 auch weiterhin die technische Führungsrolle mit Blick auf die wichtigen europäischen Aktienindizes. Der Index hatte die vorherige Baisse (Oktober 2007 bis März 2009; Kursrückgang von rund 1576 Punkten auf etwa 667 Punkte) mit einer Bodenformation, die den technischen Charakter einer Kopf-Schulter-Kaufformation (sogenannte Nackenlinie bei rund 950 Punkten) aufweist, abgeschlossen. Im Juli 2009 war der Index mit einem Investment-Kaufsignal (Sprung über 950 Punkte) aus der Bodenformation herausgekommen, so dass mit der neu etablierten Hausse-Bewegung die Aufarbeitung der vorherigen Baisse in Gang gekommen ist.
Seit August 2009 hat der S&P 500 jetzt einen neuen mittelfristigen Aufwärtstrend (Aufwärtstrendlinie aktuell bei rund 1080 Punkten) etabliert, der schon eine deutlich geringere Aufwärtsdynamik aufweist. Hierbei wurde zum Jahreswechsel die vorherige, kurzfristige, trendbestätigende Konsolidierung unterhalb von 1119 Punkten mit einem weiteren Kaufsignal verlassen.
Mit Blick auf das erste Halbjahr des Jahres 2010 sollte beim S&P 500 einerseits auch eine Abschwächung der mittelfristigen Aufwärtsdynamik einkalkuliert werden, andererseits deutet die mittel- und langfristige technische Gesamtlage weiterhin ein technisches Kurspotential bis in die Widerstandszone von 1200 bis 1250 Punkten an. Die technische Gesamtlage im Index würde sich erst eintrüben, wenn der S&P 500 bei der nächsten Korrektur die steigende 200-Tage-Linie (aktuell bei rund 990 Punkten) beziehungsweise die Unterstützungszone um 950 Punkte nicht verteidigen kann.
Der Nikkei 225 war ausgehend von einem Kursniveau um 18 300 Punkte (Februar 2007) in eine Baisse hineingelaufen (zentraler Baisse-Trend lag zuletzt bei rund 10 000 Punkten), die zum Jahreswechsel 2008/2009 in eine klassische technische Bodenformation (Doppelboden mit Kurstiefs bei rund 7000 Punkten und einer Widerstandszone um etwa 9000 Punkte) mündete. Bereits Anfang April des Jahres 2009 war der Index mit einem Investment-Kaufsignal aus der Bodenformation herausgekommen und danach in einem mittelfristigen Aufwärtstrend bis an den zentralen Baisse-Trend bei rund 10 770 Punkten (im August 2009) herausgelaufen. Zunächst war es dem Nikkei 225 nicht gelungen, diesen Baisse-Trend im ersten Anlauf zu überwinden, sondern der Index war - direkt unterhalb des Baisse-Trends - in eine fünfmonatige Korrektur (Unterstützung um 9000 Punkte) hineingelaufen.
Zum Jahreswechsel ist der Nikkei 225 allerdings angesprungen und hat diese Korrektur sowie den zentralen Baisse-Trend mit einem neuen Investment-Kaufsignal verlassen. Nach den deutlichen Kursgewinnen der letzten Wochen sollte sich die mittelfristige Aufwärtsdynamik im ersten Halbjahr wieder abschwächen. Trotzdem sollte der Nikkei 225 aber einen weiteren Teil des langfristigen technischen Kurspotentials (Test der Widerstandszone von 12 000 bis 12 200 Punkten) ausschöpfen.
Europäische Indizes haben zumindest technische neue Kaufsignale ausgebildet
Beim Euro Stoxx 50, der in der Baisse (von Juni 2007 bis März 2009) von 4573 Punkten auf 1765 Punkte zurückgefallen war, ergab sich vom vierten Quartal des Jahres 2008 an - unterhalb der Widerstandszone um 2550 Punkte - ebenfalls eine Kopf-Schulter-Kaufformation. Nach dem Investment-Kaufsignal (Sprung über den Bereich um 2550 Punkte im Juli 2009) führte der Liquiditätshausse-Trend den Index zunächst auf rund 2960 Punkte. Von Anfang September des Jahres 2009 an steckte der Index dann in einer mittelfristigen Trading-Range unterhalb der Widerstandszone um 2900 bis 2960 Punkte fest.
Diese Konsolidierung hatte aus technischer Sicht einen trendbestätigenden Charakter (nach oben). Deshalb überrascht es nicht, dass der Index zuletzt mit einem neuen Kaufsignal wieder nach oben in Bewegung gekommen ist. Damit sollte er in den kommenden Monaten einen weiteren Teil des mittel- bis langfristigen technischen Kurspotentials (Test der gestaffelten Widerstandszone von 3200 bis 3430 Punkten) ausschöpfen. Erst wenn der Index in einer Korrektur die 200-Tage-Linie (aktuell bei rund 2650 Punkten) beziehungsweise die Unterstützungszone um 2550 Punkte nicht verteidigen kann, würde das langfristig positive technische Gesamtbild verlorengehen.
Im Dax endete die Baisse (Juli 2007 bis März 2009; Kursrückgang von 8152 auf 3588 Punkte) zum Jahreswechsel 2008/2009 in einer Bodenformation unterhalb der gestaffelten Widerstandszone von 5100 bis 5300 Punkten. Auch im Dax hat diese den technischen Charakter einer Kopf-Schulter-Kaufformation. Das Investment-Kaufsignal (im Juli 2009; Sprung über die Widerstandszone von 5100 bis 5300 Punkten; Verlassen des zentralen Baisse-Trends) hat den Dax in eine "Klettertour" zur Aufarbeitung der vorherigen Baisse geschickt.
Hierbei mündete der klassische Liquiditätshausse-Trend unterhalb der Widerstandszone um 5900 von September 2009 an in eine Konsolidierung (mit trendbestätigendem Charakter nach oben). Zum Jahreswechsel ist der Dax dann mit einem neuen Kaufsignal angesprungen und arbeitet an der Etablierung eines neuen mittelfristigen Aufwärtstrends. Mit Blick auf die ersten Monate des Jahres 2010 deutet dieses Kaufsignal ein technisches Kurspotential bis rund 6500 Punkten an, wobei auf der Wegstrecke aber eine "technische Rast" bei der Widerstandszone von 6160 bis 6200 Punkten einkalkuliert werden sollte.
Zusammengefasst zeigt die technische Gesamtlage aber an, dass sich eine sehr hohe Aufwärtsdynamik, wie sie im zweiten Quartal des Jahres 2009 und im Spätsommer aufgetreten war, nicht wiederholen sollte. Erst wenn der Dax in einer Korrektur die massive Unterstützungszone von 5100 bis 5300 Punkten zur Disposition stellen sollte, würde das langfristig positive technische Gesamtbild verlorengehen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |