23.01.2009 · Nach anderthalb Jahren Baisse verzeichnen viele Standardwerteindizes aus technischer Sicht eine wackelige Stabilisierung. Neue Verkaufssignale von Einzelaktien sollten aber ernst genommen und zur Liquiditätsbeschaffung genutzt werden.
Von Achim MatzkeNach rund anderthalb Jahren Baisse mit sehr ausgeprägten Kursverlusten - besonders im vierten Quartal 2008 - verzeichnen zwar viele Standardwerteindizes aus technischer Sicht eine wackelige Stabilisierung. Neue Verkaufssignale von Einzelaktien sollten aber weiterhin ernst genommen und zur Liquiditätsbeschaffung beziehungsweise zum Tausch in technisch attraktivere Werte genutzt werden.
Es hat sich mittlerweile gezeigt, dass neue Verkaufssignale in allen Größensegmenten der europäischen Aktienmärkte auftreten können. Ein Beispiel aus dem Stoxx-50-Index ist die britische Bank HSBC Holdings, aus dem Euro-Stoxx-50-Index der französische Kosmetikkonzern L'Oreal, aus dem Dax die Deutsche Postbank und aus dem M-Dax der Touristikkonzern TUI. Diese neuen Verkaufssignale verdeutlichen, dass die entsprechenden Titel die Chance auf eine technische Bodenbildung zunächst verspielt haben und viele Monate bis zur Suche eines neuen Bodens vergehen sollten.
Vorsicht bei der HSBC-Aktie
HSBC steht im Stoxx-600-Index, in dem die 600 nach Streubesitz größten Aktien aus Europa zusammengefasst sind, derzeit an neunter Stelle. Im zuletzt massiv unter Druck stehenden Branchenindex Stoxx Banks ist sie mit einem Anteil von 16,5 Prozent weiterhin mit Abstand die größte Aktie. HSBC-Titel hatten in der Hausse von 2003 bis 2007 einen Kursanstieg von rund 650 auf rund 1.000 britische Pence durchlaufen. Trotzdem befindet sich die Aktie bereits seit dem vierten Quartal 2006 in einer Baisse. Diese war in den vergangenen Quartalen sehr moderat ausgefallen, so dass die Aktie im Bankensektor eine sehr ausgeprägte relative Stärke aufweist.
Erst seit dem vierten Quartal 2008 kam auch HSBC stärker unter Druck, wobei die Aktie von 935 britischen Pence aus zunächst in den Unterstützungsbereich von 580 bis 650 britischen Pence aus den Jahren 2001 bis 2003 zurückfiel. Jedoch zeigte aus technischer Sicht das Abwärtsdreieck seit Mitte Oktober 2008, das einen mittelfristig trendbestätigenden Charakter nach unten aufweist, dass sich die Baisse in HSBC-Titeln zeitlich und räumlich ausweiten sollte. Da die Aktie, die aktuell bei rund 500 britischen Pence notiert, zudem nachhaltig aus der Seitwärtspendelbewegung der Jahre 1998 bis 2008 mit einer Kern-Tradingzone von 580 bis 1050 britischen Pence nach unten herauszufallen droht, mahnt dies ebenfalls zur Vorsicht.
Der französische Titel L'Oreal gehörte in den achtziger und neunziger Jahren zu den technischen Marathonläufern mit einer sehr langfristigen Aufwärtsbewegung. Jedoch wurde diese langfristige Hausse seit dem Ende der neunziger Jahre durch eine langfristige Seitwärtspendelbewegung mit der schon mehrmals getesteten Unterstützungszone um 50 Euro und der gestaffelten Widerstandszone von 95 bis 100 Euro abgelöst. Seit Dezember 2007 befindet sich die Aktie wieder in einer Baisse, die von einem zentralen Baisse-Trend leicht oberhalb der fallenden 200-Tage-Linie bei etwa 70 Euro begrenzt wird.
Einerseits hatte sich nach dem beschleunigten Kurseinbruch im September und Oktober 2008 eine Stabilisierung um 60 Euro ergeben; andererseits konnte die Aktie die Chance auf eine mittelfristige technische Bodenformation nicht nutzen. Zuletzt ist der Kurs mit einem neuen Verkaufssignal wieder unter Druck geraten und mit einem aktuellen Kursniveau von rund 55 Euro in der langfristigen Unterstützung angekommen. Bevor nicht Hinweise auf eine Bodenformation vorliegen, bleibt die Aktie aus technischer Sicht wenig interessant.
Bei der Postbank defensiv bleiben
Die Deutsche Postbank hatte im Juli 2007 ihren vorherigen technischen Neubewertungstrend, der von August 2004 bis April 2007 von 27,70 auf 74,40 Euro führte, mit einem Verkaufssignal verlassen. Die sich herausbildende Baisse hatte im zweiten Halbjahr 2007 und im ersten Halbjahr 2008 zunächst nur eine moderate Abwärtsdynamik. Ab Mitte 2008 beschleunigte sich diese jedoch. Zwar war die Aktie der Deutschen Postbank immer in die Diskussion um eine Bankenkonsolidierung in Deutschland verstrickt. Die mittelfristige technische Sicht mahnte aber kontinuierlich zur Vorsicht. Nach dem Kursrutsch auf 12,70 Euro im vergangenen Oktober wurde der beschleunigte Baisse-Trend in eine Seitwärtspendelbewegung verlassen. Danach baute sich aber nicht die Chance auf eine Bodenformation auf. Stattdessen verließ die Aktie diese mittelfristige trendbestätigende Konsolidierung mit einem Verkaufssignal in eine erneute Kurshalbierung. Da Hinweise auf eine technische Verbesserung fehlen, sollte die Defensive gegenüber dieser Aktie bestehen bleiben.
Der frühere Dax- und heutige M-Dax-Wert TUI, der aus dem Preussag-Konzern hervorgegangen ist, hatte die Baisse der Jahre 2000 bis 2003 mit einem Kursrückgang von 56,60 Euro auf rund 7 Euro von 2003 bis 2007 nicht wieder richtig aufarbeiten können. Die Aktie befindet sich nach mehreren Verkaufssignalen seit knapp einem Jahr wieder in der Baisse. Zwar kam es seit Mitte Oktober 2008 oberhalb des Unterstützungsbereichs um 7 Euro zu einer Seitwärtspendelbewegung. Die technische Lage deutete aber schon einen negativen Grundton in dieser Seitwärts-bewegung an. Als technische Konsequenz überraschte das neue Verkaufssignal nicht, und der weitere Rutsch auf das Kursniveau aus dem Jahr 1987 sorgte für eine Fortsetzung der Baisse. Ohne den Eintritt in eine technische Bodenformation sollte auch bei TUI die defensive technische Haltung nicht aufgegeben werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |