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Markttechnik Index S&P 500 vor der Entscheidung

04.12.2009 ·  Die Aktienmärkte sind in ungewöhnlicher Verfassung. Indikatoren deuten auf einen nachlassenden Aufwärtstrend, tatsächlich aber klettert Amerikas Aktienindex S&P 500 auf Höchststände. Der schwankungsfreudigere Dax bleibt zurück.

Von Wieland Staud
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Normalerweise gibt der amerikanische Aktienindex S&P 500 dem Dax vor, was zu tun ist. Steigt der S&P 500, dann wird das auch der Dax tun. Fällt er, dann wird auch dem Dax nichts anderes übrigbleiben, als sich im Kurschart in südlichere Gefilde zu begeben. Die einzige Freiheit, die dem Dax bleibt, ist die Antwort auf die Frage, in welchem Maße er die Entwicklung des S&P 500 nachvollzieht. Verlässt der Dax den fast totalen Gleichlauf, dann neigt er dazu, die Entwicklung des am höchsten kapitalisierten Aktienindex der Welt zu überzeichnen. Er steigt und fällt dann stärker als sein Leitindex.

Genau deshalb sind die letzten 6 Wochen eher ungewöhnlich. Der Dax stieg zwar mit dem S&P500, aber er blieb hinter dessen Zugewinnen zurück. Mitte Oktober notierte der S&P 500 bei 1088 und der Dax bei 5744 Punkten. Am vergangenen Mittwoch standen für beide Indizes Werte von 1109 und 5782 Punkten zu Buche. Dieser Wertentwicklungsunterschied von knapp 1,5-Prozent-Punkten ist zwar nicht besonders groß.

Neue Hochs in einem bestehenden Aufwärtstrend sind stark

Analytisch fällt der stärkere Zuwachs des S&P aber ins Gewicht, weil der S&P 500 deshalb schon Mitte November neue Jahreshochs über den im Oktober erreichten erzielen konnte - und genau das dem Dax bis Donnerstagmittag versagt blieb. Neue Hochs in einem bestehenden Aufwärtstrend deuten auf fortgesetzte Stärke hin. Das Zurückbleiben hinter den alten Hochs zeugt dagegen nicht davon.

Besonders erstaunlich wird diese Entwicklung, wenn man auf den im Chart abgebildeten Standardindikator der technischen Analyse, den MACD, blickt. Denn der konnte in den letzten Monaten den Anstieg des S&P 500 nicht mehr nachvollziehen. Anders als der Index gelang es ihm nicht mehr, neue Hochs auszubilden. Diese auseinanderlaufende Entwicklung, "negative Divergenz" genannt, deutet auf eine nachlassende Dynamik im Aufwärtstrend und damit auf eine heraufziehende Schwächephase hin. Dass genau das bislang nicht geschah, sondern er stattdessen neue Hochs erzielte, ist ein weiterer Hinweis auf die ungewöhnliche technische Verfassung, in der sich die Aktienmärkte befinden.

Wahrscheinlich wird uns diese Gemengelage noch eine Weile erhalten bleiben. Denn nur knapp 15 Punkte vor dem S&P 500 liegt mit dem im Chart eingezeichneten langfristigen Abwärtstrend ein zumindest kurzfristig kaum zu überwindendes Hindernis. Dieser Trend kann zwar noch erreicht werden - mehr aber auch nicht. Spätestens dann wird wohl eine spürbare Konsolidierung auf der Tagesordnung stehen, die aber kaum in der Lage sein wird, sich zu einer Trendwende auszuwachsen.

Der Dax hat sich in den Tagen vor und nach der Dubai-Krise wiederholt seinen Jahreshochs bei rund 5850 Punkten und damit auch einer Widerstandszone der Sonderklasse angenähert. Bislang haben auf diesem Niveau immer wieder die Bären die Oberhand gewonnen, weil die Abgabebereitschaft in diesem durch die Lehman-Krise im September 2008 entstandenen Widerstand einfach zu groß war. Das könnte sich nun ändern. Momentan weist zumindest das eine oder andere technische Signal darauf hin, dass der Dax genügend Kraft gesammelt hat, um die bisherigen Jahreshöchstkurse zu überbieten und in Bereiche knapp unter 6000 Punkte vorzudringen.

Dennoch ist jetzt nicht zu erwarten, dass der Dax sein bisheriges Anstiegsmuster - drei Schritte vor und danach gleich wieder zwei zurück - aufgeben wird. Solange nicht der entscheidende obere Rand der "Lehman-Zone" bei 6150 Punkten überwunden werden kann, dürfte die Bereitschaft der Anleger, sich von Aktien zu trennen, eher groß bleiben. Auch im Licht meiner Einschätzung des S&P 500 dürfte das, was vor uns liegt, weniger eine Weihnachtsrally denn ein vorweihnachtliches Schneckenrennen werden.

Manche Anleger sind nicht in dem Maße investiert, wie sie es sein sollten

Zweifelsohne hat sich die technische Gesamtverfassung des Dax spürbar verbessert. Vor allem die beiden Tage der Dubai-Krise haben deutlich gezeigt, dass derzeit wenig Platz nach unten ist. Ein Grund dafür findet sich mit Sicherheit in der aktuellen Stimmungslage der allermeisten Marktteilnehmer. Auf einer Skala von +10 (Euphorie) bis -10 (gefühlter Weltuntergang) und gemessen an meinen Indikatoren befindet sie sich bei Werten um -5. Nur in äußerst seltenen Fällen kommt es in einer solchen analytischen Situation zu signifikanten Kursrückschlägen. Die meisten Investoren sind nicht in dem Maße investiert, wie sie es sein sollten, und deshalb gezwungen, Rückschläge für die Aufstockung ihrer Positionen zu nutzen oder sogar, wenngleich widerwillig und gegen ihre eigene Überzeugung, in die steigenden Kurse hinein sich Stücke zuzulegen.

Die Feinunze Gold schließlich bewegt sich auf perfekt vorgezeichneten Bahnen. Der Aufwärtstrend ist analytisch absolut ungefährdet und seine Fortsetzung höchstwahrscheinlich. Wenn es dafür noch eines weiteren Beweises bedurft hätte, dann war das die Kursentwicklung Ende letzter Woche. Es dauerte gerade einmal drei Handelstage, bis der Goldpreis den Rückschlag von rund 60 aufgeholt und neue historische Höchstkurse über 1200 Dollar erzielt hatte. Auch wenn die nächste Konsolidierung länger dauern und sie in nicht allzu weiter Ferne sein dürfte: Mein Kursziel von rund 1400 Dollar ist nach dem heutigen Stand der Erkenntnis locker erreichbar. Denn der Mittelwert nur der durchschnittlichen Erwartungen sieht die Feinunze langfristig bei etwa 1700 Dollar.

Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.

Quelle: F.A.Z.
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