10.03.2009 · An der Wall Street haben die Baissiers das Heft fest in der Hand. Ein Ende der zyklischen Abwärtsbewegung ist nicht abzusehen. Dennoch sind jederzeit Erholungen denkbar, die auch einen ausgedehnteren Charakter annehmen könnten.
Von Arnd HildebrandtAn der Wall Street haben die Baissiers das Heft fest in der Hand. Ein Ende der zyklischen Abwärtsbewegung ist nicht abzusehen. Dennoch sind jederzeit Erholungen denkbar, die auch einen ausgedehnteren Charakter annehmen könnten.
Stabilere Börsentage erwecken häufig den Eindruck, als habe der Verkaufsdruck nachgelassen. Technisch orientierte Analysten warnen jedoch vor vorschnellen Schlüssen. Die von ihnen verfolgten einschlägigen Indikatoren stützten solche Vermutungen nicht.
Gelassene Reaktion auf schlechte Zahlen könnte auf eine Erholung hindeuten
Andererseits erklären sie, die saisonalen Einflüsse besserten sich nun langsam. Dem steht in der gegenwärtigen, von einer immer weiter verfallenden Konjunktur geprägten Lage wiederum entgegen, dass amerikanische Unternehmen in den nächsten Tagen und Wochen wenig erfreuliche Vorankündigungen zu ihren Zahlen für das erste Quartal abgeben könnten. Techniker empfehlen vor diesem Hintergrund, in nächster Zeit aufmerksam darauf zu achten, wie der Aktienmarkt auf schlechte Nachrichten aus der Wirtschaft und aus der Unternehmenswelt reagiert. Sollte er sich hier zunehmend gelassen zeigen, könne dies das Signal für eine weiterreichende Erholung sein.
Grundsätzlich besteht nach den Beobachtungen von Technikern unter den Börsianern die Neigung fort, fallende Kurse zum Kaufen zu nutzen. Ihrer Ansicht nach ist dies eine Mentalitätsfrage, die sich aus längst vergangenen Zeiten herübergerettet hat und von einem tief verwurzelten Optimismus zeugt. Die Techniker erklären hierzu rundheraus, dies sei nicht die Stimmungslage, die auf ein nahes Ende der Baisse hindeute. Um von einem solchen Ende sprechen zu können, müssten eine Kapitulation der letzten Aufrechten und ein regelrechter Widerwille vor Aktien aufkommen. Diese Auffassung vertreten seit längerem zum Beispiel Albert Edwards und James Montier, zwei Strategen der Société Générale.
Andere erinnern an die lange und tiefe Baisse der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, in deren Verlauf sich die weithin beachteten Indizes wie jetzt in der Spitze halbierten. Ein konkretes Anzeichen für das Ende jener Baisse habe sich eingestellt, als das amerikanische Finanzmagazin Business Week in seiner Ausgabe vom 13. August 1979 den „Tod der Aktie“ verkündete. Drei Jahre später setzte an der Wall Street die größte Hausse aller Zeiten ein.
Kapitulation der letzten Aufrechten und ein regelrechter Widerwille vor Aktien nötig
Jeffrey Saut, einer der Strategen von Raymond James, vermutet, dass die laufende Schwächephase kurz vor ihrem Abschluss steht. Er stützt sich auf eine jahrzehntelange Erfahrung, nach der solche Perioden selten länger dauern als 25 Börsentage. So viel Zeit erfordert es nach Deutung des Strategen wohl, um einen Stimmungsumschwung unter den Anlegern zu vollenden. Im vorliegenden Fall würde dies bedeuten, dass die Baissestimmung wegen der Kursverluste nach 25 Tagen verbreitet genug sein könnte, um den Aktien keinen anderen Ausweg mehr zu lassen als den nach oben. Saut hält einen Aufschwung nun auch deshalb für möglich, weil sich der Markt inzwischen in einer noch stärker „überverkauften“ Lage befinde als beim Erreichen der vorausgegangenen zyklischen Tiefs im Oktober und November 2008. Eine wenigstens vorübergehende Bodenbildung der Aktien würde sich nach Meinung des Strategen wohl am besten ankündigen, wenn die Kurse der Unternehmensanleihen zuvor einen Boden finden könnten.
Mary Ann Bartels, die Cheftechnikerin von Bank of America/Merrill Lynch, weist darauf hin, dass die Netto-Kaufpositionen der Hedge-Fonds am Terminmarkt für den S&P 500 trotz eines seit Ende Dezember 2008 beobachteten deutlichen Abbaus noch immer sehr hoch seien. Ein solider Boden könne angesichts des gegenwärtigen Niveaus der Nettopositionen aller Erfahrung nach nicht entstehen. Dies sei erst möglich, wenn sich die Hedge-Fonds netto auf der Baisseseite befänden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.401,26 | +1,23% |
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| TecDAX | 762,54 | +0,87% |
| MDAX | 10.396,50 | +1,31% |
| SDAX | 4.852,38 | +0,76% |
| REX | 435,43 | +0,17% |
| Eurostoxx 50 | 2.168,47 | +0,96% |
| F.A.Z. EURO | 70,12 | +1,02% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.657,08 | +0,89% |
| EUR/USD | 1,2558 | +0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 107,61 $ | +0,33% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
| Bund Future | 144,12 € | −0,13% |