27.06.2008 · Nach fast fünf Jahren Hausse befinden sich die großen Aktienindizes der Welt wie der S&P 500, der Nikkei 225, der Euro-Stoxx-50 und der Dax seit dem Sommer in einer Baisse. Eine defensive technische Haltung sollte noch nicht aufgegeben werden.
Von Achim MatzkeNach fast fünf Jahren Hausse sind die großen Aktienindizes der Welt wie der amerikanische S&P 500, der japanische Nikkei 225, der Euro-Stoxx-50 und der Deutsche Aktienindex Dax seit dem Sommer beziehungsweise dem Herbst 2007 in eine übergeordnete technische Gegenbewegung eingetreten. Sie weist die Form einer Baisse auf. Damit stellt sich mit Blick auf das zweite Halbjahr 2008 die technische Frage, wie es um die Bären, das Börsensymbol für eine Baisse, bestellt ist.
Festzuhalten bleibt, dass sich der Gleichlauf dieser Indizes, der die vergangenen neun Monate geprägt hat, etwas aufgelöst hat. Während der japanische Nikkei 225 bereits eine gute Chance auf den Eintritt in die mittelfristige technische Bodenformation aufweist, haben der S&P 500 - mit dem Rückenwind der amerikanischen Geldpolitik - und der Dax zumindest eine technische Chance für eine Stabilisierung in der Nähe der bisherigen Jahrestiefs. Demgegenüber verstärkt sich im Euro-Stoxx-50, der schon auf neue Jahrestiefs gefallen ist, die relative Schwäche im internationalen Vergleich. Aus technischer Sicht ergibt sich mit Blick auf das zweite Halbjahr 2008, dass die "Bären" nur langsam müder werden.
Defensive technische Haltung noch nicht aufgeben
Im S&P 500 war es nach der Hausse der Vorjahre vom Jahreswechsel 2006/2007 an zu einer Seitwärtspendelbewegung oberhalb der Unterstützungszone von 1365 Punkten und unterhalb der gestaffelten Widerstandszone von 1550 bis 1575 Punkten (an den alten historischen Höchstkursen aus dem Jahr 2000) gekommen. Vom vierten Quartal 2007 an hatte sich dann ein kurzfristiger, steiler Baisse-Trend (Kursverluste von 1576 auf 1255 Punkte) ergeben, der den Index auch aus dem vorherigen, mehrjährigen Hausse-Trend herausgeführt hat. Ausgehend vom Indextief im März 2008 bei rund 1255 Punkten, kam es zu einer Erholung (einem "Recovery-Trend", der zunächst den Charakter einer "Bear-Markt-Rally" hatte) bis an die fallende 200-Tage-Linie (bei rund 1420 Punkten).
Auch wenn der S&P 500 diesen Erholungstrend wieder nach unten verlassen und ein Test der massiven gestaffelten Unterstützungszone an den Jahrestiefs bei rund 1.255 bis 1.270 Punkten nicht überraschen sollte, hat der Index an dieser Unterstützungszone zumindest eine Stabilisierungschance. Trotz dieser moderaten relativen Stärke im internationalen Vergleich sollte die defensive technische Haltung noch nicht aufgegeben werden.
Der Nikkei 225 war nach der Bilderbuch-Hausse (März 2003 bis Juni 2007; Kursanstieg: 7600 auf 18 297 Punkte) von Juli 2007 an mit Gewinnmitnahme- und Verkaufssignalen in eine übergeordnete Gegenbewegung (auf die mehrjährige Hausse) hineingelaufen, wobei diese Gegenbewegung den technischen Charakter einer Baisse aufweist. Hierbei hatte der Baisse-Trend von Juni 2007 bis März 2008 im internationalen Vergleich mit einem Kursrutsch von rund 36 Prozent eine hohe Abwärtsdynamik. Als Konsequenz gibt es aus technischer Sicht zwei zentrale Argumente dafür, dass der Nikkei 225 bereits eine gute Chance auf eine technische Bodenformation hat. Erstens ist die Baisse mit einem Kursverlust in dieser Höhe mit Blick auf die "räumliche" Ausdehnung bereits eher überdurchschnittlich, während die "zeitliche" Ausdehnung noch auf einige holprige Monate hindeutet.
Zweitens ist die Baisse an der massiven Unterstützungszone von 10.800 bis 12.200 Punkten (sie stammt aus den Jahren 2004 und 2005) zum Stoppen gekommen, so dass diese abermals bestätigt wurde. Da auch die Erholung von 11.691 auf 14.601 Punkte (rund 25 Prozent seit Mitte März) ausgeprägt ist, deutet sich im Nikkei 225 auf dem aktuellen Niveau eine Seitwärtspendelbewegung an. Als Konsequenz sollte die mittelfristig defensive technische Haltung gelockert werden.
Test der gestaffelten Unterstützungszone
Der Euro-Stoxx-50 war nach fast fünf Jahren Bilderbuchhausse zum Jahresanfang 2008 mit ausgeprägten Verkaufssignalen aus der vorherigen Top-Formation und dem mehrjährigen Hausse-Trend ebenfalls in eine übergeordnete technische Gegenbewegung eingetreten. Im ersten Quartal 2008 sorgte ein sehr steiler Abwärtstrend für Kursverluste von 4.500 auf 3.417 Punkte, wobei die mittelfristige Unterstützungszone von 3.380 auf 3.460 Punkte getestet und bestätigt wurde. Danach führte die Erholung den Index wieder bis an die Widerstandszone um 3.900 Punkte, die jetzt bereits mehrmals getestet wurde. Zuletzt hat der Index wieder einen Abwärtstrend etabliert, wobei jetzt die Unterstützungszone (3380 bis 3460 Punkte) zur Disposition steht. Im Euro-Stoxx-50, der in den vergangenen Wochen im internationalen Vergleich eine mittelfristige relative Schwäche herausgebildet hat, hat die erst rund zwölf Monate dauernde Baisse bisher nur Kursverluste von rund 25 Prozent eingebracht. Mit Blick auf den Index fehlen die überzeugenden mittelfristigen technischen Argumente dafür, dass die Unterstützungszone von 3380 bis 3460 Punkten bereits Teil einer technischen Bodenformation ist, die das Ende der Baisse andeuten würde. Deshalb sollte die defensive Haltung noch nicht aufgegeben werden.
Der Dax hat aus langfristiger technischer Sicht ein vergleichbares Gesamtbild wie der Euro-Stoxx-50, wobei jedoch der Charakter als Performance-Index und die Zusammensetzung (ein geringer Anteil von Finanztiteln) für ein etwas besseres technisches Bild sorgen. Insgesamt ist der Dax - nach fast fünf Jahren Hausse - zum Jahresanfang 2008 mit Verkaufssignalen aus der Top-Formation und dem Hausse-Trend herausgefallen, so dass er sich aus übergeordneter Sicht ebenfalls in einer Gegenbewegung in Form einer technischen Baisse befindet. Nach dem Kursrutsch bis auf die alte Unterstützungszone von 6.110 bis 6.230 Punkten (März 2008) hat der Dax eine technische Erholung bis in die Widerstandszone von 7.060 bis 7.250 Punkten durchlaufen.
Mit dem Verlassen dieser Erholung hat der Index die volatile mittelfristige Trading-Range mit der gestaffelten Unterstützungszone (6.110 bis 62.30 Punkte) und der gestaffelten Widerstandszone (7.060 bis 7.250 Punkte) etabliert. Hier sollte ebenfalls ein Test der gestaffelten Unterstützungszone um 6.200 Punkte einkalkuliert werden. Da auch hier die überzeugenden technischen Hinweise auf eine Bodenformation fehlen, sollte auch im Dax - ohne (Investment-)Kaufsignal oder Kaufformation - die mittelfristig defensive Haltung noch nicht aufgegeben werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |