26.02.2009 · Es gibt keine klarere Bestätigung eines Abwärtstrends als neue Tiefs nach einer vorangegangenen langen Konsolidierungsphase. Weitere 15 Prozent Kursverlust sind für den notwendigen „finalen Ausverkauf“ wenigstens einzukalkulieren.
Von Wieland StaudDer Volksmund weiß, dass einer, der gestern noch am Abgrund stand, schon heute einen Schritt weiter sein kann. Auch Gaius Julius Caesar wusste am 10. Januar im Jahr 49 vor Christus, als er mit seiner Armee den Rubikon überschritt, dass es für ihn kein Zurück mehr geben würde. Dafür war er einfach einen Schritt zu weit gegangen. Ohne jetzt den allgegenwärtigen Satz von Neil Armstrong zu zitieren: Selbst nach einer irrsinnig weiten Anreise ist es oft genug erst ebendieser eine letzte Schritt, der alles anders macht.
Die Überraschung darüber, dass diese ersten Zeilen der Beginn der Kommentierung der jüngsten Ereignisse an den Aktienmärkten sind, dürfte sich in Grenzen halten. Aber im Gegensatz zu den Historikern dieser Welt, die bis heute Probleme damit haben, das Bächlein zu identifizieren, das Caesar damals überschritten haben soll, muss man heute als technischer Analyst beim Dax nicht lange rätseln. Spätestens mit den neuen Baissetiefs auf Schlusskursbasis unter der entscheidenden Unterstützung bei 4.130 Punkten am Freitag vergangener Woche waren die Würfel gefallen.
Neue Tiefs nach einer Konsolidierungsphase bestätigen einen Abwärtstrend
Das war genau das, was nie und nimmer hätte passieren dürfen, wenn sich der Dax die verbliebene klitzekleine Chance auf eine dauerhafte Bodenbildung oberhalb von 4.000 Punkten hätte bewahren wollen. Es gibt einfach keine bessere und klarere Bestätigung eines Abwärtstrends als neue Tiefs nach einer vorangegangenen langen Konsolidierungsphase. Auch wenn ich es nicht mit besonders großer Genugtuung erlebe: der von mir an dieser Stelle in den vergangenen Monaten in jedem Beitrag geäußerte Pessimismus hat sich damit als richtig herausgestellt.
Schlimm an dieser lehrbuchreifen Entwicklung ist vor allem, dass immer mehr Marktteilnehmer den Dax zuletzt immer zuversichtlicher eingeschätzt hatten und deshalb nun maßlos enttäuscht und vor allem völlig falsch positioniert sein dürften. Wer sich seinem eigenen Fatalismus oder den Durchhalteparolen der anderen noch nicht hingegeben hat, der muss und wird jetzt schnell handeln. Ausbrüche aus Konsolidierungen beschleunigen im Regelfall den herrschenden Trend, weil vor allem die benchmarkorientierten Investoren gar keine andere Wahl haben. Sie müssen alle gleichzeitig das Gleiche tun.
Eine meistens sehr taugliche Regel für die Abschätzung eines Kursziels nach dem Ausbruch aus einer Konsolidierung, gibt den Rat, deren „Dicke“ an die Ausbruchstelle dranzuhängen. Nach der Seitwärtsentwicklung des Dax in den vergangenen Monaten zwischen rund 4.200 und 5.000 Punkten kann sich damit am Kursziel von rund 3.300 bis 3.600 Punkten nicht viel ändern. Höchstens, dass sich die Gewichte ein wenig zum unteren Rand dieser Zone hin verschieben. Das gibt einmal die reine Mathematik vor. Zum anderen aber auch die Erkenntnis, dass eine Baisse seltenst ohne einen raumgreifenden, die Grundfesten erschütternden finalen Ausverkauf zu Ende geht. Weitere 15 Prozent Kursverlust sind dafür in der Spitze deshalb wenigstens einzukalkulieren.
Warten auf den „finalen Ausverkauf“
Damit zu der momentan einzigen, aber vielleicht gerade deswegen nicht zu unterschätzenden guten Nachricht: Die Anzeichen verdichten sich, dass der Dax sich momentan in einer Elliott-Welle 5 und damit in der letzten von drei großen Abwärtsschüben seit den Hochs von 8000 Punkten im Sommer 2007 und Winter 2007/2008 befindet. Wenn das stimmt, dann wird uns zwar das dicke Ende nicht erspart bleiben, aber wenigstens könnte irgendwann während des kalendarischen Frühlings auch an den Börsen ein wenig Hoffnung sprießen.
Mehr als eine analytisch vergleichsweise gut begründete Hoffnung kann das allerdings bislang nicht sein. Gerade ein Blick auf den Dow Jones macht dies deutlich. Der hat ein wenig früher als der Dax seine entscheidende Unterstützung von rund 7.900 Punkten gebrochen, ist danach planmäßig erst unter die bisherigen Baissetiefs und dann auch noch unter die Tiefs von 2003 zurückgefallen. Auch wenn man gerade in Zeiten wie diesen seine Worte weise wählen, auf jeden Fall aber mit drastischen Äußerungen haushalten sollte: für den Fall, dass ein Wort wie „Katastrophe“ im Zusammenhang mit einer Entwicklung an den Finanzmärkten jemals gerechtfertigt sein sollte, dann hier und jetzt. Ja - das ist eine analytische Katastrophe. Die letzten Hoffnungen beim Dow Jones ruhen nun auf den ziemlich schwachbrüstig ausgefallenen Unterstützungen zwischen rund 7.200 und 7.000 Punkten aus dem Jahr 1997(!). Dort versucht gerade eine Kompanie schwer gezeichneter Bullen, in einer lausigen Verteidigungsstellung den Ansturm einer ganzen Division von Bären standzuhalten. Das kann klappen. Aber wer wollte darauf wetten?
Damit kurz zu den aktuellen Nebenkriegsschauplätzen: Gold hat in der vergangenen Woche genauso wie vor ziemlich genau einem Jahr eine vierstellige Notiz erreicht und ist danach ebenfalls wieder in sich zusammengefallen. Auch heute spricht einiges dafür, dass dieser Rücksetzer der Auftakt zu einer gewissen Konsolidierungsphase war, die aber wohl nicht von langer Dauer sein wird. Wir werden uns in der überschaubaren Zukunft wohl an eine dauerhafte und nachhaltige Goldnotiz über 1.000 Dollar gewöhnen müssen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |