28.05.2010 · Nach 14 Monaten mit technischen Bilderbuch-Hausse-Trends, die bisher nur von normalen Konsolidierungen unterbrochen waren, deuten sich bei weltweit führenden Aktienindizes technische Korrekturen an.
Von Achim MatzkeNach 14 Monaten mit technischen Bilderbuch-Hausse-Trends, die bisher nur von normalen Konsolidierungen unterbrochen waren, deuten sich bei weltweit führenden Aktienindizes technische Korrekturen an. Die Diskussion um die Lage bei den Staatsschulden, die als einer der Hauptgründe für diese Marktentwicklung gilt, hat beim amerikanischen S&P 500 und beim deutschen Dax bisher für weniger ausgeprägte technische Korrekturen gesorgt als beim japanischen Nikkei 225 und beim Euro-Stoxx-50, der besonders von der Euro-Schuldenkrise beeinflusst wird. Trotz der unterschiedlichen Ausprägung der jetzt laufenden Korrekturen haben diese aus technischer Sicht aber eine Gemeinsamkeit: die erwartete zeitliche Ausweitung.
Der S&P 500 führt aus technischer Sicht im Regelfall die internationalen Aktienmärkte an. Die im Oktober 2007 bei 1576 Punkten gestartete Baisse mündete zum Jahreswechsel 2008/2009 unterhalb der Widerstandszone um 950 Punkte in eine technische Bodenformation (Kopf-Schulter-Kaufformation, Tiefpunkt im März 2009 bei etwa 666 Punkten). Mit dem Kaufsignal vom Juli 2009, als der Index die Bodenformation nach oben verließ, wurde eine neue Hausse-Bewegung eingeläutet mit einem langfristigen technischen Kurspotential bis in den Bereich der Widerstandszone von 1200 bis 1250 Punkte. Dieses Kurspotential ergibt sich aus der Ausdehnung der Bodenformation von insgesamt etwa 285 Punkten. Es ergibt sich aus der Kursdifferenz zwischen 666 und 950 Punkten. Denn zur Ermittlung des technischen Kursziels ist diese Kursdifferenz ab dem technischen Ausbruch bei etwa 950 Punkten anzusetzen.
Mittelfristig „überkaufte“ Lage im S&P 500
Diese Hausse im S&P 500, die bisher nur von normalen, trendbestätigenden Konsolidierungen unterbrochen war, lässt sich aus technischer Sicht insgesamt in zwei Phasen einteilen. Zuerst die steile Kurserholung von 666 auf 950 Punkte von März bis Juni 2009. Danach ergab sich ab dem Sommer 2009 ein idealtypischer, langfristiger Hausse-Trend, der zuletzt bei etwa 1130 Punkten lag. Dieser hat den Index mit einem Kurshoch von 1220 Punkten im April 2010 bis in die technische Kurszielzone von 1200 bis 1250 Punkten geführt. Vor dem Hintergrund der mittelfristig überkauften Lage ist der Index zuletzt mit einem Gewinnmitnahmesignal aus diesem Hausse-Trend herausgelaufen und hat dabei auch die noch steigende 200-Tage-Linie nach unten gekreuzt.
Da der Kursrückgang bereits über 10 Prozent beträgt, liegt aus technischer Sicht eine Korrektur vor, die erste in diesem Hausse-Zyklus. Diese Korrektur wird einerseits durch die Unterstützung um 1045 Punkte und andererseits durch die gestaffelte Widerstandszone von 1200 bis 1250 Punkten begrenzt. Innerhalb dieser Kursspanne sollte sich in den kommenden Wochen ein Trading-Markt ergeben. Erst wenn der S&P 500 unter die Zone von 1045 Punkten fällt, sollte eine weitere, mittelfristige technische Eintrübung einkalkuliert werden.
Beim japanischen Nikkei 225 endete die vorherige Baisse zum Jahreswechsel 2008/2009 in einer technischen Doppelbodenformation mit Kurstiefs jeweils bei 7000 Punkten und einer Widerstandszone um 9200 Punkte. Aufgrund der Ausdehnung dieser Bodenformation von etwas über 2000 Punkten deutete sich nach dem ersten Investment-Kaufsignal im April 2009, als die Bodenformation verlassen wurde, ein langfristiges technisches Kurspotential bis oberhalb von 11 000 Punkten an. Zwar ergab sich nach dem Verlassen des Baisse-Trends im Dezember 2009 mit einem zweiten Kaufsignal eine Bestätigung der neuen Hausse, jedoch endete diese zunächst Anfang April 2010 bei Kursen um 11 400 Punkte. In den letzten Wochen ist der Index sowohl mit Gewinnmitnahmesignalen als auch Verkaufssignalen unter Druck gekommen, so dass der Nikkei 225 in einer Korrektur steckt. Hier deutet sich für die nächsten Wochen nur eine geringe technische Kursphantasie an. Sollte der Index die gestaffelte Unterstützungszone von 9000 bis 9200 Punkten nicht verteidigen können, würde die technische Gesamtlage zur Vorsicht mahnen.
Der Euro-Stoxx-50, der mit seinem Finanzanteil sowie zusätzlichen südeuropäischen Aktien stärker als andere Indizes von der "Euro-Peripherie-Problematik" betroffen ist, hat mit einer mittelfristigen Korrektur zu kämpfen. Im Index war die Hausse-Bewegung seit März 2009 von rund 1765 Punkten an bereits ab dem Jahresanfang in eine Seitwärtsbewegung unterhalb der Widerstandszone um 3044 Punkte übergegangen. Anfang April war der Euro-Stoxx-50 zunächst mit einem Gewinnmitnahmesignal unter Druck gekommen. Ende April führte ein Verkaufssignal den Index in einen kurzfristigen Abwärtstrend und auf neue Jahrestiefs. Erst nach dem Test der gestaffelten Unterstützungszone von 2440 bis 2620 Punkten ist es zu einer Stabilisierung gekommen.
Da sich die mittelfristige relative Schwäche gegenüber vielen Aktienindizes fortsetzen sollte und der Index aus technischer Sicht in den kommenden Wochen nur wenig Chancen hat, sich aus der Handelsspanne unterhalb des gestaffelten Widerstands von 2820 bis 3044 Punkten zu lösen, sollte sich diese jetzt vorliegende Korrektur verfestigen.
Dax - Chance auf einen „Trading-Markt“
Unterstützt durch die wieder gesunkenen Anleiherenditen in Deutschland und den schwachen Euro, hat der Dax seine attraktivere technische Lage verteidigen können, auch wenn sich das sehr positive technische Hausse-Bild der letzten 14 Monate so nicht mehr fortsetzen sollte. Im Index lässt sich die Hausse seit März 2009 in zwei Phasen einteilen. Erstens der sehr steile Liquiditätshausse-Trend von März bis Oktober 2009; Kursanstieg von 3589 bis 5888 Punkten. Zweitens seit August 2009 der moderatere Hausse-Kanal mit der unteren Aufwärtstrendkanallinie bei 5650 Punkten direkt an der 200-Tage-Linie. Dieser hatte den Index im April 2010 mit Kursen um 6340 fast bis an das technische Jahresziel von 6500 Punkten geführt.
Zuletzt ist der Dax in einer Abwärtsrally bis in den Unterstützungsbereich zwischen 5600 und 5700 Punkten, der die steigende 200-Tage-Linie und die untere Aufwärtstrendkanallinie beinhaltet, gefallen. Einerseits sollte sich der Dax, ausgehend von diesem Niveau, wieder leicht erholen, andererseits sollte es in den kommenden Wochen aber schwerfallen, die alte Hausse-Dynamik durchzuhalten beziehungsweise neue Jahreshöchstwerte zu erzielen. Damit hat der Dax zumindest die Chance, einen Trading-Markt im Umfeld der 200-Tage-Linie zu etablieren. Sollte sich die Korrektur allerdings mit einer Kursetablierung deutlich unterhalb der 200-Tage-Linie ausweiten und die massive Unterstützung um 5300 Punkte zur Disposition gestellt werden, wäre eine kurzfristig defensive technische Haltung angemessen.
Markttechnik könnte besser sein als ihr Ruf!
Hans-J. Sauer (Wertpapierportfolio)
- 28.05.2010, 17:24 Uhr
Markt oder Basar......
wolf haupricht (emilgilels)
- 28.05.2010, 17:56 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |