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Markttechnik Dax-Erholung dauert drei bis sechs Monate

27.03.2009 ·  Der Dax hat mit der Rally der vergangenen beiden Wochen das Kursziel von rund 4.200 Punkten erreicht und den meisten Aktien zu einer spürbaren Loslösung von den bisherigen Tiefs verholfen. Hat die Baisse ihr vorläufiges Ende gefunden?

Von Wieland Staud
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Der Dax hat mit der Rally der vergangenen beiden Wochen das Kursziel von rund 4.200 Punkten erreicht und damit den meisten Aktien zu einer spürbaren Loslösung von den bisherigen Tiefs verholfen. Eine gute Zeit, um möglichst unbeeindruckt und frei von den immer neuen Hiobsbotschaften und Kurseinbrüchen der ersten beiden Jahresmonate eine analytische Bewertung der jüngsten Kursgewinne vorzunehmen.

Das für einen technischen Analysten auffälligste Moment sind nach dem Erreichen der Zielzone der Baisse von 3.300 bis 3.600 Punkten die eingezeichneten Elliott-Wellen. Im Gegensatz zu all den anderen Erholungen seit dem Beginn der ernsten Phase der Baisse im Januar 2008 besteht jetzt erstmals die Chance, dass ein kompletter Elliott-Zyklus abgeschlossen wurde.

Hat die Baisse ihr vorläufiges Ende gefunden?

Die Baisse hätte dann jetzt ihr vorläufiges Ende gefunden. Aus der Sicht der Elliott-Wellen stünde der Dax nun am Beginn einer minimal drei bis sechs Monate währenden Bärenmarktrally, die ihn bis an den langfristigen Abwärtstrend (grüner Kreis in der Grafik) führen und uns Börsianern einen entspannten Frühling und Sommer bescheren könnte.

Auch andere bedeutende technische Indikatoren unterstützen eine solche Einschätzung. Denn die haben in den vergangenen beiden Wochen Signale produziert, die sich höchst angenehm von denjenigen unterscheiden, die den anderen Erholungen der vergangenen 14 Monate vorausgegangen waren. Das entscheidende Moment dabei ist, dass diese Signale nun nicht nur wie bislang auf Tagesbasis, sondern auch auf Wochenbasis vorliegen. Deren Qualität und Reichweite darf damit als deutlich höher eingeschätzt werden.

Das "Bullish Engulfing" im Kerzen-Chart, geformt durch die erste und zweite Märzwoche, ist dafür ein Paradebeispiel. Aber auch die - es soll der letzte Terminus technicus in diesem Beitrag sein - positive Divergenz des MACD auf Wochenbasis ist ein selten anzutreffendes Phänomen. Im Regelfall ist es aber eben ein hervorragender Hinweis darauf, dass der herrschende Abwärtstrend ernsthaft in Frage gestellt werden sollte.

In Alltagssprache übersetzt, zeigen die beiden Signale an, dass der Druck und die Dynamik im Abwärtstrend nachgelassen haben und deshalb auch die Käufe der Haussiers eine viel bessere Chance haben, dauerhaft Wirkung zu entfalten, als das ohne diese Signale der Fall gewesen wäre. Erwähnenswert bei der Aufzählung der positiven analytischen Momente ist mit Sicherheit auch die Volatilität. Denn die hat im letzten Abschwung bis Anfang März bei weitem nicht mehr das Ausmaß des vergangenen Herbstes erreicht. Das deutet darauf hin, dass die Verunsicherung der Marktteilnehmer geringer geworden ist, und spricht mit kleineren Einschränkungen ebenfalls für den Dax.

Nicht so ganz ins Bild passen will allerdings, dass es bislang weder zu einem Ausverkauf gekommen ist noch die Stimmung der Marktteilnehmer ein rabenschwarzes Niveau erreicht hat. Beide Phänomene begleiten üblicherweise die letzte Phase einer Baisse. Dann fliegen die Stücke den wenigen um die Ohren, die in den Augen der großen Mehrheit den traurigen Mut hatten, überhaupt Geldkurse zu stellen und sich damit als Kaufwillige zu outen. Der Knackpunkt dabei allerdings ist, dass beide Phänomene den idealen Endpunkt eines Abwärtstrends beschreiben - aber nicht unbedingt notwendige Bedingungen dafür sind. Manchmal läuft eine Baisse einfach aus. Manchmal, weil die Endzeitstimmung auch so schon groß genug ist. Und manchmal fehlt den verbliebenen Marktteilnehmern aber einfach die Kraft, sich zu noch einer Panikattacke hinreißen zu lassen. Sie haben schon zu viel mitgemacht.

Ein richtiger Ausverkauf fand an den Börsen bisher nicht statt

Zusammengefasst ist der Dax also beim ersten Ziel der Erholung angekommen und findet nun schon ziemlich gute Rahmenbedingungen für deren mittelfristige Fortsetzung vor. Kurzfristig allerdings darf man vermuten, dass rund 18 Prozent Kursgewinn in zweieinhalb Wochen, das Erreichen der massiven Widerstandszone um rund 4.200 Punkte und der nicht mehr ganz taufrische Zustand der Tagesindikatoren in den nächsten Tagen und Wochen mindestens das Anstiegstempo drosseln, wahrscheinlich aber sogar eine Konsolidierung auslösen werden.

Die sollte den Dax wieder unter 4.000 Punkte zurückführen. Sollte das auch auf technisch zufriedenstellende Art und Weise, das heißt in moderatem Tempo und ohne weitere extreme Verwerfungen, geschehen, dann wäre das der finale Hinweis darauf, dass wir alle den Frühling, seine Gefühle, die Sonne und den Sommer genießen werden können.

Weil gerade in solch schönen Momenten die analytische Disziplin unbedingt dazugehört, der Hinweis auf das analytische Stoploss: Sollte der Dax unter 3.820 Punkte auf der Basis eines ersten Schlusskurses zurückfallen, dann hat selbst die herausragende Qualität der aktuellen technischen Signale den Bären nicht Mores gelehrt. Dann wird der Dax mit einiger Sicherheit noch einmal richtig Schwung nach unten aufnehmen. Dann wird er die bisherigen Tiefs bei 3.589 Punkten unterbieten und sich wohl auch ziemlich schnell unter 3.000 Punkten einfinden.

Eine kurze Bemerkung noch zur Volkswagen-Aktie und deren plötzlichen Kurssprüngen: Was immer auch da wieder gespielt wird und wer auch immer sich da gerade wieder die Finger verbrennt - der Chart der Aktie sieht seit Anfang der Woche wieder ziemlich gut aus.

Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.

Quelle: F.A.Z.
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