Der Aktienmarkt konnte seine jüngsten Zugewinne in der vergangenen Woche zunächst weiter ausbauen. Unseres Erachtens gibt es jedoch unzählige Anzeichen dafür, daß die aktuelle Rally überkauft ist und die Kurse in allernächster Zeit nachgeben könnten.
Sollte sich eine kleine Korrektur bei einem nur geringen Handelsaufkommen einstellen, so glauben wir, daß die Rally die Indizes wieder auf oder über die Höchststände katapultieren wird, die zu Beginn des Jahres markiert wurden. Auf längere Sicht können wir jedoch nicht erkennen, wie sich mit dem Näherrücken der Sommermonate ein kräftiger und nachhaltiger Aufwärtstrend entwickelt.
Kräftiger und nachhaltiger Aufwärtstrend nicht absehbar
Die wichtigsten Aktienmarktindizes bewegen sich mittlerweile alle im Bereich eines Chartwiderstands, und das ist einer der Gründe dafür, warum wir kurzfristig mit einem gewissen Rückgang der Kurse rechnen. Der S&P 500 ist auf seinem Weg nach oben auf einen Chartwiderstand gestoßen, der im Bereich zwischen 1190 und 1225 (Schlußhoch vom 7. März) Punkten liegt. Hinzu kommt ein langfristiger Trendlinienwiderstand bei 1210 Punkten. Diese von den Tiefständen im März 2003 und August und Oktober 2004 abgeleitete Trendlinie diente in den vergangenen Jahren als Unterstützung, wurde im April allerdings durchbrochen. Trendlinien, die nach unten hin durchbrochen werden, nehmen die Gestalt eines technischen Widerstands an.
Wenn unsere Prognose stimmt, daß die Kurse in naher Zukunft ihren Rückzug antreten, so muß der Index unseres Erachtens nicht lange nach Halt suchen. Chartunterstützung liegt in unmittelbarer Nähe, nämlich im Bereich zwischen 1180 und 1190 Zählern. Der exponentielle gleitende 50-Tage-Durchschnitt findet sich bei 1177 und der exponentielle gleitende 150-Tage-Durchschnitt bei 1171. Zusätzlich gibt es noch eine von den Tiefständen im April und Mai abgeleitete Trendlinie, die bei 1170 Punkten ins Spiel kommt.
Die Rally des Nasdaq hat den Index zu einem Chartwiderstand geführt, der den Bereich zwischen 2020 und 2100 umfaßt. Der von den Tiefständen im März 2003 und August 2004 abgeleitete langfristige Trendlinienwiderstand liegt bei 2110 Punkten. Diese Trendlinie diente vormals als Unterstützung. Auch für den Nasdaq sehen wir unmittelbar unterhalb dieses Niveaus reichlich Unterstützung. Chartunterstützung findet sich Bereich zwischen 1990 und 2020 Punkten. Der exponentielle gleitende 50-, 80- und 200-Tage-Durchschnitt sitzt jeweils in der Nähe der 2000er Marke, was diesen Bereich in unseren Augen zu einer robusten Unterstützungszone macht. Schließlich gibt es noch die Trendlinienunterstützung, die - von den jüngsten Tiefständen abgeleitet - bei 2040 Punkten liegt.
Das Handelsvolumen an NYSE und Nasdaq zeigte sich während der jüngsten Rally für unseren Geschmack alles andere als beeindruckend, und dies ist mit ein wichtiger Grund dafür, warum wir an einen Kursrückgang glauben und daran, daß sich die aktuelle Rally nicht zu einem langfristigen, nachhaltigen Aufwärtstrend ausweiten wird. Seit dem am 13. Mai markierten Tief konnte der S&P 500 an sieben von neun Tagen zulegen. Während dieser sieben positiven Tage lagen die Umsätze an der NYSE sechs Mal unter dem 50-Tage-Durchschnitt.
Fehlender Verkaufsdruck statt robuster institutioneller Nachfrage
Ein ähnliches Bild ergibt sich für die Nasdaq. Seit dem Tief vom 12. Mai hat der Nasdaq-Index an neun von zehn Tagen einen Anstieg verzeichnet. Von diesen neun Tagen gab es nur zwei mit einem überdurchschnittlich hohen Volumen. Wir können die aktuelle Rally zwar nicht wegdiskutieren, trotzdem sind wir davon überzeugt, daß sie eher einem fehlenden Verkaufsdruck als einer robusten institutionellen Nachfrage zu verdanken ist. Fast jede Börsenhausse zeichnet sich durch eine starke Nachfrage und ein hohes Handelsaufkommen aus. Schwache Umsätze in dieser Phase des zyklischen Bullenmarktes sind nach unserem Dafürhalten ein Zeichen von Alter, nicht von Vitalität.
Als kurzfristigen Maßstab zur Feststellung, ob sich der Nasdaq auf Volumenbasis in einer überkauften Situation befindet (und ob daher in Kürze mit einer Pause oder einem Rückgang zu rechnen ist), verwenden wir gerne das Zehn-Tage-Umsatzverhältnis zwischen den fallenden und steigenden Titeln. Diese Kennzahl schwankt im allgemeinen zwischen 0,5 und drei. Ein Wert nahe 0,5 deutet dabei auf sehr geringe Umsätze bei den fallenden Titeln im Verhältnis zu den Kursgewinnern hin. Auf historischer Basis interpretieren wir dies so, daß der Nasdaq-Markt in Bezug auf die vergangenen zehn Umsatztage extrem überkauft erscheint und eine Pause der Rally bzw. ein Kursrückgang nicht lange auf sich warten lassen wird. Am Dienstag, den 26. Mai, wurde ein Rückgang auf 0,55 verzeichnet, was nach diesem Maßstab einen recht extrem überkauften Zustand darstellt.
Ein weiterer interner Indikator, der Aufschluß über einen überkauften oder überverkauften Zustand des Nasdaq gibt, ist der TRIN auf der Summationsbasis von fünf Tagen. Hierbei wird lediglich das Verhältnis Nasdaq-Kursgewinner/Kursverlierer zu den Nasdaq-Umsätzen bei den steigenden und fallenden Titeln in Relation gesetzt. Der TRIN- bzw. ARMS-Index zeigt an, ob die Umsätze verstärkt in die steigenden oder fallenden Titel fließen. Je nachdem, ob das Handelsaufkommen bei den steigenden oder fallenden Titeln höher ist, nimmt der TRIN einen Wert kleiner bzw. größer 1,0 an.
Von der Tatsache einmal abgesehen, daß von einem TRIN kleiner eins ein „bullisheres“ Signal ausgeht, eignet sich der Indikator hervorragend für den Hinweis auf eine überkaufte bzw. überverkaufte Marktsituation. Am Dienstag fiel der Nasdaq-TRIN (5 Tage) nun auf 2,87 und markierte damit den niedrigsten Stand seit vergangenem Dezember. Werte kleiner drei deuten auf einen überkauften Zustand hin und haben in der Vergangenheit viele Male zu einem Rückgang des Nasdaq-Index geführt.