19.06.2009 · Der Aufwärtstrend beim Deutschen Aktienindex (DAX) verlangsamt sich. Auch beim Goldpreis wird mit einem Kursrückgang gerechnet. Sollte der Euro unter rund 1,3650 Dollar fallen, ist seine Zeit vorbei und die des Dollars angebrochen.
Von Wieland StaudDer ernüchterndste Teil einer richtig guten Party setzt nach meinen Erfahrungen irgendwann nach Mitternacht ein. Dann, wenn der Alkohol seine Wirkung getan hat, erste Müdigkeit Platz greift, wenn die Ausgelassenheit der Gespräche abebbt, viele schon auf dem Heimweg sind und die Gedanken sich breitmachen, dass am nächsten Vormittag der Tribut für diesen Abend zu zollen sein wird. Meistens wird das ein wenig unbewusst erlebt, noch geprägt von der Leichtigkeit des Seins an diesem Abend. Aber man weiß darum.
Der Dax müsste sich wohl gerade so fühlen, wenn er denn könnte. Ein tolle Party in den vergangenen Wochen liegt hinter ihm, und die erste spürbare Ernüchterung befällt ihn gerade. 50 Prozent in drei Monaten waren ein rauschendes Fest, aber der Morgen graut, und so wird es nicht weitergehen können. Fast alles, was ein technischer Analyst momentan zusammentragen kann, deutet darauf hin, dass die nächsten Wochen, wenn nicht die nächsten Monate bis in den Herbst von Katerstimmung geprägt sein werden.
Das Blatt hat sich endgültig gewendet
Zwar hatten wir alle seit Wochen das gute Gefühl, dass der Dax weiter und weiter steigt, aber ein nüchterner Blick auf den Chart zeigt, dass er das seit Anfang Mai bei Kursen um 4850 Punkte nur noch marginal getan hat. Es wimmelt nur so von negativen Divergenzen - ein Zeichen dafür, dass die Dynamik im Aufwärtstrend stark nachgelassen hat und der Markt anfälliger geworden ist. Den Candlesticks ist spätestens seit dem Rutsch unter 5000 Punkte zu Beginn dieser Woche nichts Positives mehr abzugewinnen, und auch die Elliott-Wellen sprechen in meinen Augen eine klare Sprache: Die Party ist vorbei. Game over. Schmalhans wird Küchenmeister.
Einzig die Stimmungsindikatoren liefern ein diffuses Bild. Echten Optimismus verbreiten zwar nur wenige. Dennoch zeugen meine Stimmungsindikatoren von reichlich Zuversicht. Der Eindruck drängt sich auf, dass Skepsis verlautbart wird und Aktien gekauft werden. Das Chance-Risiko-Profil war, wie zuletzt betont, schon schlecht geworden. Jetzt hat sich das Blatt endgültig gewendet.
Kursrückgang von mindestens 10 Prozent
Bilanzierend können wir, wie oben beschrieben, einzigartige und atemberaubende Kursgewinne von 50 Prozent in drei Monaten anführen und ein mit 5178 beinahe erreichtes Kursziel von 5200 Punkten, aber auch viele schwergewichtige Titel wie Allianz, Daimler, Siemens, deren Charts selbst nach dieser Erholungsphase gerade langfristig als problematisch eingestuft werden müssen. Der Dax wird also konsolidieren müssen. Kurse im Bereich der Unterstützungszone zwischen 4280 und 4130 Punkten sind nicht aus der Welt. Mit ihnen sollten wir schon aus Vorsicht rechnen. Das wird zwischengelagerte anhaltende Erholungsphasen, wie sie zum Beispiel gerade von der Unterstützung um 4680 Punkte aus einsetzen dürfte, nicht ausschließen. Aber wie in vergleichbaren Situationen schon betont: Sie werden Intermezzi bleiben und den weiteren Fortgang der Korrektur nicht behindern können.
Ein Blick auf die anderen Märkte: Der Goldpreis kämpft aktuell mit dem mittelfristigen Aufwärtstrend, den er seit den Jahrestiefs von 2008 bei rund 680 Dollar ausgebildet hat. Momentan sieht es zwar danach aus, dass dieser Trend dem Ansturm der Bären standhalten und der Feinunze ein wenig Luft verschaffen wird. Allerdings gibt es analytisch gut begründete Zweifel, dass dieser Teilerfolg der Optimisten von Dauer sein wird. Mehr und mehr muss damit gerechnet werden, dass spätestens mit Kursen unter 925 Dollar dieser Trend Geschichte wird und das passiert, was in solchen Fällen meistens passiert: ein deutlicher Kursrückgang von mindestens 10 Prozent.
Kurse unter den bisherigen Jahrestiefs kaum vermeidbar
Sobald der Goldpreis also unter 925 Dollar fällt, ist mit nachgebenden Kursen bis in den Bereich um 830 Dollar zu rechnen. Dennoch wird auch dieser Rücksetzer den langfristigen Erfolgstrend des Edelmetalls nicht beenden. Langfristig wird sich der Anstieg der Feinunze fortsetzen. Und wenn die Zeichen nicht trügen, dann stehen wohl 2009 historische Hochs und damit Kurse über 1000 Dollar an.
Die zehnjährigen deutschen Zinsen haben bis Ende vergangener Woche ihren Anstieg bis in die massive Widerstandszone um 3,65 Prozent hinein fortgesetzt und von diesem Niveau aus mit einer Konsolidierung begonnen. Damit ist wahrscheinlich der erste Teil der erwarteten Zinssteigerungen abgeschlossen. Die nächsten sechs bis acht Wochen werden von einer Konsolidierung geprägt sein. Erstaunlich ist, dass trotz der auf dem Nullpunkt angekommenen europäischen Preissteigerungsraten die Wahrscheinlichkeit eines dauerhaften Zinsrückgangs oder gar die für neue Tiefs noch unter den im Januar 2009 erreichten 2,84 Prozent ebenfalls nahe dem Nullpunkt notiert. Langfristig ist weltweit keine Wende hin zu fallenden Zinsen erkennbar. Sie werden weiter steigen und dabei wohl auch Niveaus erreichen, die wir uns momentan nur sehr schwer vorstellen können.
Schließlich steht der Euro am Scheideweg. Mehr und mehr wendet sich das Blatt zugunsten des Dollar. Gerade dann, wenn er unter rund 1,3650 Dollar fallen sollte, ein zunehmend wahrscheinliches Szenario, sind wenigstens mittelfristig die Würfel gefallen. Dann würde sich die Zeit des Euro dem Ende zuneigen und die des Dollar anbrechen. Dann dürften Kurse unter den bisherigen Jahrestiefs bei rund 1,25 Euro noch im Laufe des Jahres 2009 so gut wie nicht mehr vermeidbar sein.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |