Der Dax schloss am Montag mit einem moderaten Plus von 0,11 Prozent bei 7604,94 Punkten, nachdem er in den vergangenen vier Wochen fast zehn Prozent gewonnen hatte. Der M-Dax sank am Montag um 0,07 Prozent auf 11 947,12 Punkte, der TecDax fiel um 0,37 Prozent auf 826,94 Punkte, während der breite FAZ-Index ein minimales Minus von 0,01 Prozent auf 1632,76 Punkte aufwies.
„Da zum Jahresende die Investoren ihre Bücher schließen, dürften die restlichen Handelstage bei reduzierten Umsätzen eher ruhig verlaufen“, kommentierte Händlerin Anita Paluch von Gekko Global Markets. Die drohenden automatischen Steuererhöhungen und Budgetkürzungen in Amerika - die sogenannte Fiskalklippe - hielten Anleger aber weiter auf Trab und sorgten für Unsicherheit.
KPN-Kurseinbruch belastet T-Aktie
Unter den Einzelwerten am deutschen Markt gab es nur wenig Bewegung. Lufthansa-Papiere führten die Dax-Gewinnerliste mit einem Aufschlag von 1,9 Prozent an, Fresenius-Anteilsscheine standen mit einem Minus von 1,4 Prozent am Ende des Leitindex.
Zu den Verlierern in Dax und EuroStoxx zählte die Deutsche Telekom, reduzierten ihr Kursminus von bis zu 1,6 Prozent aber zum Handelsschluss auf 0,3 Prozent. Sie litt ebenso wie der Rest der Branche unter dem 15-prozentigen Kurssturz des niederländischen Konkurrenten KPN. Allerdings kann die Telekom bei ihren milliardenschweren Plänen zum Netzausbau auf Unterstützung ihres staatlichen Großaktionärs hoffen. Ab 2013 haben Anleger die Wahl, ob sie die Dividende des Bonner Konzerns bar kassieren oder in T-Aktien. Es sei noch nicht beschlossen, welche Option der Bund wähle, sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums, die Entscheidung solle im Mai 2013 fallen. Die Telekom könnte sich auf diese Weise binnen drei Jahren Überweisungen von 1,25 Milliarden Euro sparen.
Gefragt waren dagegen Infineon, die sich um 1,3 Prozent verteuerten. Sie profitierten Börsianern zufolge von der Aussicht auf eine Fortsetzung des Aktien-Rückkaufs. Infineon-Chef Reinhard Ploss hatte einen solchen Schritt in der „Süddeutschen Zeitung“ (Montagsausgabe) in Aussicht gestellt.
Im M-Dax mussten ProSiebenSat.1 mit einem Abschlag von 5,1 Prozent heftig Federn lassen. Nach dem milliardenschweren Verkauf der skandinavischen Fernsehsender sei erst einmal Luftholen angesagt, schrieben die Analysten der HSBC in einem Kurzkommentar. Das Aufwärtspotenzial für die Papiere sei vorerst ausgeschöpft. Sie stuften ProSieben herunter auf „Neutral“ von „Overweight“. Seit Jahresanfang haben die Titel der Senderkette 68 Prozent zugelegt.
Wall Street zum Wochenauftakt fester
Die steuerliche Behandlung von Großverdienern prägt den Handel an der Wall Street. Investoren interessieren sich am Montag fast ausschließlich für die Entwicklung im Haushaltsstreit. Dieser sendet ermutigende Signale aus und stimmt Anleger verhalten optimistisch. Der Sprecher der Republikaner im Repräsentantenhaus, John Boehner, schlägt eine höhere Besteuerung von amerikanischen Bürgern mit Jahreseinkommen von mehr als 1 Million Dollar vor. Damit rücken die Republikaner offenbar erstmals von ihrem strikten Nein zu Steuererhöhungen ab. Zwar fordern Demokraten höhere Abgaben bereits ab einer Einkommensgrenze von 200.000 Dollar, doch werten Händler die jüngsten Kommentare aus der Politik als Annäherung. „Das Weiße Haus bleibt bei seiner abwartenden Haltung,aber ich denke, wir stehen bei der Fiskalklippe kurz vor einer Einigung“, sagt Chefstratege Peter Cardillo von Rockwell Global Capital.
Doch diese Zuversicht wird nicht überall geteilt. Die Commerzbank-Analysten halten es für immer wahrscheinlicher, dass die Fiskalklippe nicht rechtzeitig umschifft wird. Dann träten zum Jahreswechsel automatische Steuererhöhungen und Ausgaben-Kürzungen im Volumen von knapp 600 Milliarden Dollar in Kraft. Die Belastung ist ausreichend groß, die USA nach Einschätzung des IWF in die Rezession zu führen. Immerhin ist die Commerzbank optimistisch, dass es nach dem Fiskalsturz innerhalb weniger Wochen zu einer Einigung zwischen den Parteien kommen wird. Der realwirtschaftliche Schaden würde sich dann in Grenzen halten.
Goldpreis und Anleihen legen zu
Anleger sehen die Sache aber wohl positiver. Der Dow-Jones-Index steigt um 0,5 Prozent, der S&P-500 klettert um 0,7 Prozent und der Nasdaq-Composite erhöht sich um 0,6 Prozent. Selbst überraschend schwache Konjunkturdaten verlieren ihren Schrecken. Das verarbeitende Gewerbes im Großraum New York ist im Dezember den fünften Monat in Folge geschrumpft. Der Index für die allgemeine Geschäftstätigkeit des Distrikts ist entgegen der Prognose einer leichten Verbesserung abgestürzt. Die dürftigen Ergebnisse könnten auf Nachwirkungen des Supersturms Sandy zurückgehen.
Auch am Ölmarkt wird eine Lösung im Haushaltsstreit gespielt. Allerdings stützten auch die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten. Händler verweisen auf Berichte zum iranischen Atomkonflikt und die jüngste Entwicklung im syrischen Bürgerkrieg. Ein Fass amerikanisches Leichtöl der Sorte WTI verteuert sich um 0,9 Prozent auf 87,52 Dollar. Der Goldpreis zieht moderat an und nähert sich wieder der viel beachteten Marke von 1.700 Dollar die Feinunze. Am Anleihemarkt geben die Notierungen mit der steigenden Hoffnung auf eine Lösung im Budgetstreit nach, die Renditen legen daher zu. Zehnjährige Staatsanleihen rentieren mit 1,72 Prozent.
Bei den Einzelwerten steht weiter die Apple-Aktie im Fokus. Nach Jefferies und der UBS hat sich nun auch die Citigroup negativ geäußert. Doch die Analysten haben nicht nur das Kursziel auf 575 von 675 Dollar gesenkt, sondern auch die Einstufung auf „Hold“ von „Buy“ zurückgenommen. Dabei belasten die Sorgen um China weiter das Sentiment für die Aktie von Apple. Unter anderem, weil es Nokia anders als Apple gelungen war, einen Vertrag mit Chinas größtem Mobilfunkanbieter China Mobile abzuschließen. Der Vertrag sieht vor, dass China Mobile das Smartphone Lumia 920 auf dem wichtigen Markt in China anbieten wird. Zumindest der Verkaufsstart des iPhone 5 in China scheint geglückt zu sein. Am ersten Wochenende wurden nach Aussage des Unternehmens mehr als zwei Millionen Geräte verkauft.