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Marktbericht Neuwahlen in Griechenland drücken Aktienkurse

 ·  Die Ankündigung von Neuwahlen in Griechenland hat die Kurse unter Druck gebracht. Nach ersten heftigeren Abschlägen stabilisierten sie sich aber wieder.

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Die gescheiterten Koalitionsverhandlungen in Griechenland haben am Dienstag Spekulationen um ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone neue Nahrung gegeben. Die Schockwellen ebbten zwar schnell wieder ab, dennoch schlossen Euro und Aktienkurse im Minus.

„Jetzt haben alle Angst, dass die radikalen Linken die Neuwahlen gewinnen“, sagte Jörg Rahn, Marktstratege beim Vermögensverwalter Marcard, Stein & Co. „Es scheint, als rücke ein Euro-Austritt Griechenlands näher, oder zumindest die Pleite Athens.“ Ähnlich urteilte sein Kollege Carsten Klude von MM Warburg. „Damit werden auch die konjunkturellen Risiken für die Eurozone größer, da niemand weiß, wie genau die Ansteckungseffekte aussehen werden.“

Aktienindizes fallen teilweise auf Mehrjahres-Tiefs

Als Reaktion auf die Ausrufung von Neuwahlen drehte der Dax am Nachmittag ins Minus und notierte bei Handelsschluss 0,8 Prozent tiefer bei 6401 Punkten. Der marktbreite FAZ-Index verlor 0,7 Prozent auf 1406 Zähler. Der Leitindex der Athener Börse fiel in der Spitze um mehr als fünf Prozent ab auf ein Rekordtief von 554 Stellen. Die Börsen in Madrid und Mailand schlossen jeweils rund zwei Prozent tiefer.

„Offenbar hatte es am Markt noch einen gewissen Rest-Optimismus gegeben, dass die Vernunft siegt und es doch noch zu einer Regierungsbildung in Griechenland kommt“, sagte Volkswirtin Jana Meier von HSBC Trinkaus. „Der erste Schock ist nun zwar verdaut, die heftige Anfangsreaktion zeigt aber, dass die Märkte weiterhin hochsensibel sind.“

Am Devisenmarkt fiel der Euro auf 1,2766 Dollar. Im Gegenzug drehte der Bund-Future ins Plus und lag in der Spitze gerade einmal 16 Basispunkte unter seinem Rekordhoch. Aus Furcht, dass Spanien und Italien vom Strudel einer Zahlungsunfähigkeit oder einem Euro-Austritt Griechenlands mitgerissen werden, trennten sich zahlreiche Investoren von den Anleihen dieser beiden Länder. Dies trieb die Renditen der jeweiligen zehnjährigen Bonds auf 6,372 beziehungsweise 6,034 Prozent.

Möglicher Verkauf von Übersee-Stahlwerken beflügelt Thyssen

Der Griechenland-Schreck drängte die teilweise überraschend starken Konjunkturdaten in den Hintergrund. Dank des starken Wachstums in Deutschland schrammte die Euro-Zone knapp an der befürchteten Rezession vorbei. „Die deutsche Wirtschaft ist nicht kaputtzukriegen“, sagte Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, im Interview mit Reuters TV. Deutschland ernte die Früchte seiner Reformen der vergangenen Jahre. Zur Stimmungsaufhellung trug der Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von New York bei. Er lag mit 17,09 Punkten doppelt so hoch wie erwartet. „Wir sehen uns in unserem Wachstumsszenario bestätigt“, betonte Helaba-Analystin Viola Stork.

Die Furcht vor einer Ausbreitung der Schuldenkrise trieb die Finanzwerte europaweit in den Keller. Sechs der zehn größten Verlierer im EuroStoxx gehörten zu diesem Sektor. Der europäische Branchenindex verlor zwei Prozent. Commerzbank und Deutsche Bank gaben 5,2 beziehungsweise 1,7 Prozent nach.

Unter starkem Verkaufsdruck standen zunächst auch Thyssen-Krupp. Der zurückhaltende Ausblick für das Gesamtjahr überschatte das überraschend starke operative Ergebnis im vergangenen Quartal, sagte Equinet-Analyst Stefan Freudenreich. „Außerdem ist die hohe Verschuldung ein Grund zur Besorgnis.“ Die Aussicht auf einen Verkauf der defizitären Stahlwerke in Übersee hievte die Titel aber am Nachmittag ins Plus. Sie schlossen 1,6 Prozent höher bei 16,01 Euro, nachdem sie zuvor auf ein Drei-Jahres-Tief von 14,78 Euro gefallen waren.

Allianz und Merck und Thyssen Krupp mit Zahlen

Daneben standen zum Ausklang der Berichtssaison weitere Unternehmenszahlen im Blick. Merck-Anteile tendieren mit minus 2,8 Prozent sehr schwach. Der Pharma- und Chemiekonzern verdiente im ersten Quartal wegen eines Umsatzrückgangs im Chemiegeschäft weniger und enttäuscht laut Börsianern die Gewinnerwartungen. Auf einer Kapitalmarktveranstaltung gab es zudem Details zur Restrukturierung. Der Kurs der Allianz fiel dagegen um 0,7 Prozent, nachdem die endgültigen Zahlen ohne Überraschungen geblieben waren.

Für die Aktien von Sky Deutschland ging es trotz weiterhin roter Zahlen um 8,7 Prozent nach oben. Der Bezahlsender konnte die Verluste in den ersten drei Monaten dank eines abermals starken Abo-Zuwachses weiter eindämmen. Mit dem Erwerb der Bundesligarechte, Vertragsverlängerungen mit Hollywood-Studios und dem Start des Serienkanals Sky Atlantic HD habe sich Sky zudem eine gute Position für weiteres Wachstum erarbeitet, hieß es.

Dagegen sackten HHLA um 9 Prozent ab. Der Hamburger Hafenbetreiber hat nach einem überraschenden Gewinneinbruch im ersten Quartal seine Ziele für 2012 zusammengestrichen. Wegen geringerer Erlöse, der Verzögerung bei der Elbvertiefung und der Modernisierung des Container-Terminals Burchardkai rechnet Vorstandschef Klaus-Dieter Peters nun mit weniger Umsatz und Gewinn als 2011.

Griechenland belastet Wall Street nur leicht

Die angekündigten Neuwahlen in Griechenland lasten am Dienstag auf der Laune der amerikanischen Anleger, allerdings bislang weit weniger als befürchtet. Unterstützung kommt von Konjunkturseite durch den überraschend gut ausgefallenen Empire State Manufacturing Index und die Daten zum deutschen Wirtschaftswachstum.

Der Dow-Jones-Index und der S&P-500 notieren rund 0,4 Prozent im Plus bei 12.741 bzw. 1343 Punkten. Der Nasdaq Composite legt um 0,7 Prozent auf 2923 Punkte zu.

„Die ganze Sache mit der Eurozone beinhaltet so viele variable Punkte“, sagt Mike Shea von Direct Access Partners. „Es ist schwer, die Sache zum jetzigen Zeitpunkt einzuschätzen und ich denke, das ist auch der Markt den wir gerade sehen.“

Home Depot nach Zahlen unter Druck

Die Berichtssaison geht unterdessen weiter. Die Baumarktkette Home Depot hat im ersten Quartal von der milden Witterung profitiert. Der Konzern übertraf mit einem kräftigen Gewinnzuwachs die Erwartungen und erhöhte wie erwartet die Prognose für das Gesamtjahr. Allerdings enttäuschte der Umsatz. Der Kurs fällt um 2,15 Prozent.

Groupon hat im ersten Quartal die Umsatzerwartungen der Analysten übertroffen und einen besser als erwarteten Ausblick auf das zweite Jahresviertel abgegeben. Der Kurs springt um 16 Prozent nach oben.

Facebook erhöht angeblich die Preisspanne für den bevorstehenden Börsengang 34 bis 38 Dollar je Aktie von bislang 28 bis 35 Dollar. Die Nachfrage nach den Aktien sei überwältigend gewesen, hieß es.

Coty gefällt Avon nicht mehr

Der Parfüm- und Kosmetikkonzern Coty hat seine Übernahmeofferte für Avon zurückgezogen. Das Unternehmen werde nun nach anderen Alternativen suchen, teilte Coty dem Board der Kosmetikgesellschaft mit. Coty hatte sich für die geplante Übernahme zuletzt Starinvestor Warren Buffett ins Boot geholt und das Angebot für Avon auf 10,69 Milliarden Dollar erhöht. Gleichzeitig hatte Coty angekündigt, es werde die höhere Offerte zurücknehmen, sollte Avon bis zum 14. Mai nicht reagieren. Avon hatte seinerseits am Sonntag mitgeteilt, es wolle binnen einer Woche auf das neue Gebot reagieren. Avon fallen um 10,4 Prozent.

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