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Marktbericht : Immobilienbranche bewegt den Aktienmarkt

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Eine Deutsche-Wohnen-Immobilie in Siemensstadt in Berlin Bild: Deutsche Wohnen

Immobilienaktien sorgten am Dienstag für Bewegung am Aktienmarkt. Am Morgen kündigte die Deutsche Wohnen die Übernahme der GSW an. am Nachmittag IVG den Schritt ins Schutzschirmverfahren.

          Die Übernahme soll vollständig über einen Aktientausch abgewickelt werden. GSW galt schon länger als Übernahmekandidat, Gespräche mit der Deutsche Wohnen gab es in den vergangenen Jahren Finanzkreisen zufolge immer wieder.

          Wenn die Eigner mitziehen, entstünde das zweitgrößte börsennotierte Wohnungsunternehmen in Deutschland nach der Deutschen Annington, die jüngst an die Börse ging. Die Transaktion könnte Experten zufolge der Startschuss für die lang erwarte Konsolidierung des deutschen Wohnungsmarkts sein.

          Noch kein Dax-Kandidat

          An der Börse kamen die Pläne gut an: Der Kurs der GSW-Aktie steigt um 6,3 Prozent auf 33,44 Euro. Zunächst hatte die Notierung ein Rekordhoch bei 34,625 Euro erreicht, fiel dann aber wieder zurück. „Die Kombination passt, ein geschickter Zeitpunkt“, sagt Analyst Georg Kanders vom Bankhaus Lampe. Aussichtsreiche Gegenofferten seien nicht zu erwarten.

          Dagegen rutscht der Kurs der Deutsche Wohnen um 4,7 Prozent ab. Denn mit der Übernahme steht auch eine Kapitalerhöhung an. Darüber sollen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 30. September abstimmen. Die GSW-Aktionäre sollen für 20 alte Aktien 51 neue Deutsche-Wohnen-Papiere erhalten. Damit wird die GSW aktuell mit 1,77 Milliarden Euro bewertet, der fusionierte Konzern wäre 4,1 Milliarden Euro wert. Beide Aktien sind derzeit im M-Dax notiert, für einen Aufstieg in den Dax wird es aber wohl kurzfristig nicht reichen.

          Der Kurs des an der Börse in die Bedeutungslosigkeit versunkenen, ehemals im M-Dax notierten Immobilienkonzerns IVG fiel zeitweise abermals um 24 Prozent auf ein Rekordtief von 6,4 Cent. Der Konzern will sich nun in einem Schutzschirmverfahren sanieren und damit vor dem Zugriff seiner zerstrittenen Gläubiger schützen. Zeitweise waren die Aktien vom Handel ausgesetzt, zum Handelsschluss notierten sie mit 8 Cent.

          Dax im Minus

          Dieser verlor am Dienstag 0,8 Prozent auf 8300 Punkten. Etwas stärker fiel der marktbreite F.A.Z.-Index, der bei 1750 Zählern schloss. Neben den Sorgen um das Wachstum in Asien drückt derzeit vor allem die Unsicherheit über Zeitpunkt und Ausmaß der Drosselung der Wertpapierkäufe durch die amerikanische Notenbank Fed auf die Kurse. Bankenwerte wurden daher verkauft, nicht zuletzt nachdem über Forderungen der Fed an die Kapitalplanung großer amerikanischer Kreditinstitute berichtet wird: Der Kurs der Commerzbank fiel um 3,4 Prozent, der der Deutschen Bank um 1,7 Prozent.

          Eine niedrigere Gewinnprognose des Baustoffkonzerns CRH und die fortgesetzte Talfahrt des Aktienkurses der indonesischen Mehrheitsbeteiligung Indocement sorgen für ein Kursminus bei Heidelbergcement von 2,5 Prozent. Schwache Zahlen aus dem Rohstoffsektor und gleich zwei Abstufungen schicken den Kurs des Stahlkonzerns Salzgitter um 3,8 Prozent abwärts.

          Der Kurs der Vorzugsaktien von VW gibt um 1,8 Prozent nach. Als Grund nennen Händler Aussagen von Porsche-Chef Matthias Müller im „Westfalen-Blatt“, der abermals ein Rekordjahr erwartet und eine solide Entwicklung in Nordamerika konstatierte, aber auch von einer spürbar rückläufigen Wachstumsdynamik in China sprach. Dies könnte Sorgen auslösen, dass sich dort auch die Nachfrage für andere deutsche Auto-Hersteller abschwäche.

          Leichter Optimismus an Wall Street

          Auch an Wall Street zeigen sich die Anleger aus Sorge über eine Reduzierung der Anleihekäufe durch die amerikanische Notenbank zurückhaltend. Mit Spannung wird auf das Protokoll der Juli-Sitzung am Mittwoch gewartet. Dieses könnte zwar neue Hinweise liefern, wird allerdings nach Einschätzung von Marktbeobachtern nicht endgültig die Frage beantworten, wann und in welchem Umfang die Federal Reserve mit einer Drosselung ihrer Wertpapierkäufe beginnt.

          Die leicht positive Tendenz des Marktes ist Geschäftszahlen aus dem Einzelhandelssektor geschuldet. Mit Home Depot und Best Buy haben zwei Branchenunternehmen als überraschend gut eingestufte Ergebnisse vorgelegt. Der Dow-Jones-Index legt um 0,4 Prozent auf 15.067 Zähler zu. Der marktbreitere S&P-500 steigt um 0,7 Prozent und der technologielastige Nasdaq Composite gewinnt 0,9 Prozent.

          Ergebnisse beflügeln

          Die Ergebnisse von Best Buy für das zweite Geschäftsquartal fielen besser als befürchtet aus. Vor allem die Gewinnentwicklung zeige, dass der Vorstandsvorsitzende Hubert Joly die richtige Strategie verfolge, heißt es im Handel. Der Kurs zieht um knapp 10 Prozent an.

          Die weltgrößte Baumarktkette Home Depot hat nach einem starken zweiten Quartal einmal mehr den Jahresausblick angehoben. Im zweiten Quartal stieg der Gewinn stärker als von Analysten erwartet. Dass der Kurs dennoch um 0,2 Prozent nachgibt, erklären Analysten mit dem steigenden Zinsniveau. Dieses dürfte die künftige Geschäftsentwicklung bremsen.

          J.C. Penney gewinnen,4 Prozent, obwohl die Ergebnisse des Einzelhändlers schlechter als erwartet ausgefallen sind. Die Aktien von Urban Outfitters klettern um 10 Prozent. Der Textil-Einzelhändler hat überzeugende Geschäftszahlen vorgelegt.

          Quelle: FAZ.net mit dpa-AFX

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