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Marktbericht Herabstufung Spaniens belastet Aktienkurse

 ·  Die abermalige Herabstufung Spaniens und die Unsicherheit vor der Wahl in Griechenland bremsen die Aktienmärkte auch am Donnerstag.

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Die jüngste Herabstufung Spaniens und die Unsicherheit vor der Wahl in Griechenland hat die Kurse der deutschen Aktien am Donnerstag belastet. Der Dax schloss mit 6139 Punkten bei dünnen Umsätzen 0,2 Prozent niedriger. Der marktbreite FAZ-Index verlor 0,3 Prozent auf 1335 Zähler. An anderen europäischen Handelsplätzen ging es bergauf, nachdem sich die amerikanischen Börsen in der Pluszone behaupten konnten.

Große Sprünge wagte aber auch dort kaum ein Anleger. „Bevor um Griechenland und Spanien nicht mehr Ruhe einkehrt, sollte man sich lieber einfach ein wenig zurückhalten und schauen, was passiert“, empfahl Aktienstratege Heinz-Gerd Sonnenschein von der Postbank.

Anleger vor Griechenland-Wahl nervös

Die Ratingagentur Moody’s hatte am Mittwochabend die Bonität Spaniens gleich um drei Stufen auf „Baa3“ gesenkt. Eine weitere Herabstufung sei außerdem denkbar, hieß es von Moody’s. Als Grund nannte die Agentur die Hilfen von 100 Milliarden Euro für die spanischen Banken, die die Schuldenlast des Landes weiter erhöhten. Zudem stufte Moody’s die Kreditwürdigkeit Zyperns auf „Ba3“ herunter. Die Risiken, die von Griechenland für die
Insel ausgingen, seien gestiegen, begründeten die Analysten diesen Schritt.

Je näher die Parlamentswahl in Griechenland rückt, desto mehr nimmt die Verunsicherung an den Börsen zu. Analysten machen den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone davon abhängig, welche Parteien das Ruder letztlich übernehmen können. Bei griechischen Bankaktien überwog allerdings das Prinzip Hoffnung. Der Athener Bankenindex schoss um 23,4 Prozent nach oben. Außerhalb Griechenlands zeichnete sich bei Finanzwerten kein klarer Trend ab. Der europäische Bankenindex drehte nach einem wechselvollen Handel ins Plus und schloss 0,3 Prozent fester.

Centrotherm-Kurs bricht zeitweilig um 40 Prozent ein

Wie am Vortag waren im Dax die defensiven Werte gefragt. Die Papiere des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer standen mit einem Plus von 1,4 Prozent weit oben auf den Kaufzetteln. Die Papiere des Gesundheitskonzerns Fresenius rückten um 1,3 Prozent vor, die von Eon legten 0,9 Prozent zu. Dagegen standen besonders konjunkturabhängige Titel wie die Aktien der Autokonzerne und Finanzwerte auf der Verliererseite. BMW und Daimler gaben 2,6 und 2 Prozent nach.

Der Aktienkurs von Centrotherm brach zeitweise um rund 40 Prozent auf 3,08 Euro ein. Am Vorabend hatte der auf die Solarbranche spezialisierte Anlagenbauer mitgeteilt, derzeit mit den Banken zu verhandeln, um die Geldversorgung sicherzustellen. In den Sog von Centrotherm gerieten auch Solarworld. Sie rutschten in der Spitze um rund 10 Prozent auf 1,2720 Euro ab - der tiefste Stand seit Mai 2004. Die Centrotherm-Aktie schloss mit einem Abschlag von 26,5 Prozent bei 3,75 Euro, Solarworld gingen mit einem Minus von 4,2 Prozent bei 1,35 Euro aus dem Handel.

An den europäischen Börsen rutschten die Aktien von Nokia um 17,8 Prozent auf 1,82 Euro ab und waren damit so billig wie seit 1996 nicht mehr. Der Handy-Hersteller gab seine zweite Gewinnwarnung binnen neun Wochen heraus und will 10.000 Stellen streichen.

Hoffnungen auf Fed verdrängen an Wall Street die Sorgen

Hoffnungen auf weitere geldpolitische Maßnahmen der amerikanischen Notenbank treiben am Donnerstag die Kurse an Wall Street an. Auslöser ist eine überraschende Zunahme der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Zudem wurde auch der Wert der Vorwoche nach oben revidiert. Damit werden die anhaltenden Sorgen um Spanien und die anstehende Wahl in Griechenland kurzfristig in den Hintergrund gedrängt.

Der Dow-Jones-Index gewinnt 0,9 Prozent auf 12610 Punkte, der S&P-500 legt um 0,8 Prozent auf 1326 Punkte zu, der technologielastige Nasdaq Composite erhöht sich um 0,6 Prozent auf 2.836 Punkte. „Der einzige Grund warum der Markt nach solchen Daten nach oben gehen kann, sind die Hoffnungen auf weitere geldpolitische Maßnahmen der Fed“, so ein Händler. Zudem läuft Ende Juni die „Operation Twist“ aus, die Umverteilung zwischen kurz- und langfristigen Staatsanleihen. Damit rücke die Sitzung der Notenbank in der kommenden Woche verstärkt in den Fokus.

Schlagzeilen bestimmen die Windrichtung

„Der Markt wird aber weiterhin von Schlagzeilen getrieben“, sagte ein Teilnehmer. Das werde durch die Entwicklung der vergangenen Tage bestätigt - mal ging es hoch, am nächsten Tag wieder runter. Dazu kommen nicht enden wollende negative Nachrichten aus Spanien. Am Vortag hatten gleich zwei Ratingagenturen den Daumen über dem Land gesenkt und ihr Rating nach unten genommen.

Die Renditen der spanischen zehnjährigen Anleihen bewegen sich vor diesem Hintergrund weiter in gefährlich hohen Regionen und haben die kritische Marke von sieben Prozent dicht vor Augen. Italien konnte zwar Anleihen im Volumen von 4,5 Milliarden Euro an den Investor bringen, musste aber dafür bei den Zinsen tiefer in die Tasche greifen.

Vor allem Konsumwerte zeigten sich mit Aufschlägen. Home Depot legen 2 Prozent zu. Barnes & Noble gewinnen 0,6 Prozent. Die Titel profitieren von einer Einigung des Unternehmens mit Aktionären in einem Gerichtsverfahren. Der Streit betraf die Übernahme einer Universitäts-Buchhandelskette im Jahre 2009. Aktionäre vertraten die Ansicht, die Transaktion sei zu kostspielig gewesen. Die übernommene Gesellschaft hatte dem Vorstandschef von Barnes und dessen Ehefrau gehört.

Dagegen geht es für Aegerion Pharmaceuticals um 10,7 Prozent nach unten. Das Pharmaunternehmen teilte am Mittwoch nach der Schlussglocke mit, eine nicht näher genannte Anzahl von neuen Aktien ausgeben zu wollen.

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