07.09.2011 · Die Billigung des Euro-Rettungsschirms durch das Bundesverfassungsgericht wurde von spekulativen Marktteilnehmern optimistisch aufgenommen. Das führte an den Aktienmärkten zu einer deutlichen Kurserholung.
Die Billigung des Euro-Rettungsschirms durch das Bundesverfassungsgericht (BVG) und Berichte über ein neues Jobprogramm in den Vereinigten Staaten wurden von spekulativen Marktteilnehmern optimistisch aufgenommen.
Das hat dem Dax am Mittwoch deutliche Gewinne beschert. Der deutsche Leitindex schloss in einem weltweit erholten Börsenumfeld 4,07 Prozent höher bei 5.405,53 Punkten und beendete damit eine viertägige Verlustserie. Am Vortag hatte er noch den niedrigsten Stand seit über zwei Jahren markiert.
Auch der marktbreite F.A.Z-Index konnte deutliche Kursgewinne von mehr als vier Prozent verbuchen. Für den MDax der mittelgroßen Werte ging es am Mittwoch um 4,56 Prozent auf 8.714,97 Punkte hoch, der Technologiewerte-Index TecDax gewann 3,48 Prozent auf 715,91 Punkte.
Marktteilnehmer werden kurzfristig optimistischer
Händler zogen ein positives Fazit aus der Entscheidung des BVG-Urteils. „Vor allem amerikanische Investoren könnten nun zurückkommen, da ein Scheitern der EU-Hilfen bei diesen die größte Sorge war“, sagte ein Börsianer. Ein weiterer Kursschub gingen von besser als erwartet ausgefallenen deutschen Produktionszahlen des Verarbeitenden Gewerbes aus, was nach Einschätzung von IG Markets „erstmal nicht für eine drohende Rezession in Deutschland spricht“. Zudem sorgte die freundliche Wall Street für Rückenwind.
Die am Vortag noch schwachen Infineon-Aktien waren mit einem Plus von 8,59 Prozent auf 5,59 Euro größter Gewinner im Dax. Händler sprachen vom Erholungspotential bei den Titeln des Halbleiterunternehmens, die am Vorabend wegen einer Umsatz- und Gewinnwarnung eines amerikanische Wettbewerbers auf ein neues Jahrestief gefallen waren. Autowerte waren im Zuge der marktbreiten Erholung ebenfalls gefragt. Die Aktien von Daimler und BMW gewannen 5,90 und 6,02 Prozent. Die Volkswagen-Vorzüge legten um 5,78 Prozent zu. Ein Händler sah in dem zuletzt besonders schwachen Sektor eine Einstiegsgelegenheit vor der Mitte September in Frankfurt beginnenden Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA), die positive Nachrichten bringen könnte.
Im MDax kletterten die Aktien von Klöckner & Co (KlöCo) um 7,87 Prozent auf 10,39 Euro, nachdem der Stahlhändler ein Sparpaket beschlossen hat und sich von Geschäftsteilen trennen will. Für die Papiere des Kohlenstoffspezialisten SGL Group ging es um 7,13 Prozent auf 36,68 Euro hoch, nachdem der Anlagenbauer Voith seinen Anteil kräftig auf 9,14 Prozent aufgestockt hat. Commerzbank-Analystin Yasmin Moschitz rechnet nun damit, dass die Übernahmespekulationen wieder aufflammen werden. SGL wird auch von den Autobauern VW und BMW umworben.
Der EuroStoxx 50 schloss 3,42 Prozent höher bei 2151,16 Punkten. Für die nationalen Indizes in Paris und London ging es ähnlich deutlich nach oben. In New York lag der Dow Jones zum europäischen Handelsschluss gut anderthalb Prozent im Plus.
Deutsche Anleihen verbuchen tarke Kursverluste
Am deutschen Anleihemarkt sind die Kurse am Mittwoch im Zuge einer starken Erholung der Aktienmärkte deutlich abgerutscht. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future sank bis zum späten Nachmittag um 0,43 Prozent auf 138,01 Punkte. Er erholte sich damit aber deutlich von seinem zuvor erreichten Tagestief bei 137,53 Punkten. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag zuletzt bei 1,900 Prozent, nachdem sie am Vortag ein neues Rekordtief bei 1,822 Punkten erreicht hatte. An den Finanzmärkten sei die zuletzt starke Verunsicherung vorerst einer neuen Risikobereitschaft gewichen, hieß es von Händlern. Die Anleger würden den „sicheren Hafen“ deutsche Staatsanleihen verlassen und verstärkt in Aktien investieren. Zudem habe das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Euro-Rettungsfonds EFSF die Kurse am Rentenmarkt unter Verkaufsdruck gesetzt. Die Verfassungsrichter bestätigten den EFSF, mahnten für künftige Lösungen aber eine stärkere Beteiligung des Parlaments an.
Urteil stärkt Merkel - Euro beendet Talfahrt
Der Euro hat am Mittwoch seine Talfahrt gegenüber dem Dollar zunächst beendet. Seit dem 30. August ist die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Greenback die Handelsspanne der letzten Monate von 1,45 bis 1,40 Dollar heruntergelaufen. Knapp unter 1,40 Dollar sehen viele Marktteilnehmer eine Schlüsselunterstützung. Ein anderes als das erwartete und auch eingetroffene Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) hätte nach Einschätzung eines Händlers zu einem ernsthaften Test wie auch Bruch dieser Marke geführt. So notiert das Währungspaar Euro-Dollar weiterhin in der Spanne von 1,40 zu 1,45 Dollar. Das Bundesverfassungsgericht hatte am Vormittag die Euro-Rettungshilfen Deutschlands für verfassungsgemäß erklärt und damit der Bundeskanzlerin Angela Merkel den Rücken gestärkt. „Die Verfassungsbeschwerden (gegen die Griechenlandhilfe und den Euro-Rettungsschirm) werden zurückgewiesen“, sagte BVerfG-Präsident Andreas Voßkuhle in Karlsruhe. Das Urteil stelle jedoch keinen Freifahrtschein für künftige Euro-Rettungspakete und Hilfszusagen dar, machte Voßkuhle ausdrücklich klar. Die Entscheidung sollte nicht fehlgedeutet werden in eine „verfassungsrechtliche Blankoermächtigung für weitere Rettungspakete“, sagte Voßkuhle. Der Euro konnte daraufhin zum Dollar auf sein Tageshoch bei 1,41 Dollar steigen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vor dem Scheitern der europäischen Gemeinschaftswährung und den daraus resultierenden Folgen gewarnt, sich zugleich aber entschlossen gezeigt, den Fortbestand des Euro zu sichern. „Der Euro darf nicht scheitern, und er wird nicht scheitern“, sagte Merkel in der Generaldebatte im Deutschen Bundestag. Länder mit einer gemeinsamen Währung führten erfahrungsgemäß keine Kriege gegeneinander. „Deswegen ist der Euro viel, viel mehr als nur eine Währung“, sagte die Kanzlerin. Der Euro sei der Garant eines einigen Europas. „Scheitert der Euro, scheitert Europa“, warnte Merkel. Die Feinunze Gold notiert zum Nachmittags-Fixing in London bei 1.810 Dollar, nachdem sie zum Vormittags-Fixing noch bei 1.844 Dollar festgestellt wurde. Die gestiegene Risikobereitschaft, abzulesen in den Gewinnen an den Aktienbörsen wie auch zusammenlaufenden Spreads an den Kreditmärkten, haben den Goldpreis zur Wochenmitte unter Druck gesetzt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.264,38 | −0,26% |
| FAZ-INDEX | 1.364,39 | −0,33% |
| TecDAX | 751,01 | −0,01% |
| MDAX | 10.147,80 | −0,59% |
| SDAX | 4.823,45 | +0,10% |
| REX | 437,51 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.118,94 | +0,13% |
| F.A.Z. EURO | 68,54 | −0,23% |
| Dow Jones | 12.393,50 | −0,21% |
| Nasdaq 100 | 2.524,87 | −0,49% |
| S&P500 | 1.310,33 | −0,23% |
| Nikkei225 | 8.542,73 | −1,05% |
| EUR/USD | 1,2347 | −0,11% |
| Rohöl Brent Crude | 101,54 $ | −0,08% |
| Gold | 1.558,00 $ | +1,17% |
| Bund Future | 145,92 € | +0,31% |