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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Marktbericht EZB-Chef Draghi enttäuscht Märkte, Dax bricht ein

 ·  Er ließ einfach zu vieles auf der Pressekonferenz offen und enttäuschte damit die Aktienmärkte. Von EZB-Chef Mario Draghi hatten die Anleger konkretere Aussagen zur Schuldenkrise und einem möglichen Anleihenaufkauf erwartet. Die Märkte gingen anschließend auf Talfahrt.

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Der Dax sackte am Ende um 2,20 Prozent auf 6606,09 Punkte ab und ging damit in Reichweite seines Tagestiefs aus dem Handel. Nachbörslich verliert der deutsche Leitindex aber weiter deutlich und notiert bei 6580 Punkten 2,6 Prozent im Minus. Der EZB-Präsident hatte einfach nicht die sofortige Wiederaufnahme des Kaufs von Staatsanleihen angeschlagener Eurostaaten vermeldet, auf die Anleger nach seinen starken Worten aus der Vorwoche gehofft hatten. Seit seinem Tief am vergangenen Donnerstag hatte die Spekulation darauf den Dax in der Spitze um mehr als acht Prozent nach oben getrieben. Der MDax schloss 1,99 Prozent tiefer bei 10 674,74 Punkten, und der TecDax fiel um 1,25 Prozent auf 773,45 Punkte. Der breite FAZ-Index verlor 1,92 Prozent auf 1431,70 Punkte. Der Euro büßte nach der Pressekonferenz der EZB gut zweieinhalb Dollar-Cent ein.

Die Enttäuschung über Aussagen des EZB-Chefs haben derweil die Kurse der deutschen Staatsanleihen am Donnerstag in die Höhe getrieben. Der für den Handel mit Bundesanleihen richtungsweisende Euro-Bund-Future stieg bis zum Abend um 0,99 Prozent auf 144,92 Punkte. Vor der EZB-Pressekonferenz im Anschluss an den Zinsentscheid war der Kontrakt noch bei 142,83 Punkten notiert worden. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel bis zuletzt um zwölf Basispunkte auf 1,245 Prozent.

Wenige Dax-Gewinner

Nur wenige der 30 DAX-Werte konnten sich der Abwärtstendenz entziehen. Dazu zählten vor allem die Aktien der Unternehmen, die Geschäftsergebnisse veröffentlicht haben. So verteuerten sich Aktien von Beiersdorf um 7,6 Prozent. Der Konsumgüterkonzern hat im ersten Halbjahr Umsatz und Gewinn gesteigert. Dazu trugen vor allem die Wachstumsmärkte bei. Der Umsatz stieg um 5,5 Prozent auf rund 3 Milliarden Euro. Aktien der Deutschen Post zogen um 2,3 Prozent an. Die Konjunkturkrise geht fast spurlos an der Post vorbei. Auch im zweiten Quartal liefen die Geschäfte vor allem dank Asien gut.

Die Deutsche Lufthansa hat den operativen Gewinn im zweiten Quartal wider Erwarten gesteigert. Lufthansa-Aktien handelten daraufhin lange Zeit mit Kursgewinnen, drehten aber im späten Handel mit dem weiter fallenden DAX ebenfalls ins Minus. Sie schlossen 1,3 Prozent leichter. Trotz solider Absatzzahlen auf dem US-Markt im Juli gerieten auch die Papiere der Automobilbranche unter Druck. Die Kursverluste reichten von 1,7 Prozent bei VW über 2,9 Prozent bei Daimler bis zu 4,3 Prozent bei BMW. Das Geschäft des Autozulieferers Continental läuft trotz der schwierigen Wirtschaftslage so rund, dass der Konzern die Ziele für Umsatz und Marge für das laufende Jahr erhöht hat. Anleger dankten es mit einem Kursaufschlag von 2,1 Prozent.

Wall Street ebenfalls schwächer

Die US-Aktienmärkte zeigten sich im frühen Handel ebenfalls mit Verlusten, die allerdings deutlich geringer ausfallen als in Europa. Der Dow-Jones-Index verliert 0,7 Prozent. Der S&P-500 gibt ebenfalls um 0,7 Prozent nach und der Nasdaq-Composite um 0,3 Prozent. Verstärkten Zuspruch spürt dagegen der Anleihemarkt, wo Anleger traditionell nach Sicherheit suchen. Dort sinkt die Rendite zehnjähriger Treasurys auf 1,48 Prozent.

Am Rohstoffmarkt erholt sich der Ölpreis etwas von zuvor stärkeren Verlusten. Der September-Kontrakt auf ein Barrel Leichtöl der Sorte WTI sinkt auf 88,11 US-Dollar von 88,91 Dollar zum Settlement am Mittwoch. Wenig Beachtung finden in dieser Situation die Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe in den USA. Die Zahl der Anträge stieg in der Vorwoche um nur 8.000, während Volkswirte ein Plus von 13.000 prognostiziert hatten.

Licht und Schatten bei GM

An den Börsen sind die Aktien von General Motors mit Verlusten behaftet. Der Automobilkonzern hat im zweiten Quartal mit seinem Gewinn über den Erwartungen, beim Umsatz etwas darunter gelegen. Die Papiere der Allianz-Tochter Hartford Financial notieren ebenfalls etwas schwächer. Das Unternehmen ist aufgrund einer Sonderbelastung im zweiten Quartal in die Verlustzone gerutscht. Die Aktien von Hewlett-Packard profitieren hingegen von einem Gerichtsentscheid und gewinnen 1,3 Prozent. Demnach muss Oracle Software für Server von HP entwickeln. Die Oracle-Aktie fällt um 0,7 Prozent.

Im Einzelhandelssektor bricht der Kurs von Abercrombie & Fitch um über 14 Prozent ein, nachdem die Geschäftszahlen der Bekleidungskette enttäuscht haben. Das Unternehmen, dessen Angebot sich an eine jugendliche Zielgruppe richtet, will sich überdies mit der Eröffnung neuer Filialen zurückhalten. Deutlich unter Druck steht auch der Kurs von Knight Capital, der um die Hälfte einbricht. Der Broker hatte mitgeteilt, dass ihm aufgrund von Unregelmäßigkeiten im Computerhandel in dieser Woche voraussichtlich Verluste von 440 Millionen Dollar


 

Quelle: FAZ.net mit dpa-AFX, Reuters
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