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Marktbericht Die Jahresendrally nimmt ihren Lauf

01.12.2009 ·  Der „Dubai-Schock“ ist abgehakt, negative Daten werden ignoriert oder positiv interpretiert. Das führt zum weiteren Kurs- und Preisauftrieb an den Börsen und den Rohstoffmärkten. Der Dax legte am Dienstag knapp 2,7 Prozent zu.

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Abebbende Sorgen um Dubai haben den deutschen Aktienmarkt am Dienstag an den positiven Trend aus dem November anschließen lassen. Gemischt ausgefallene amerikanische Konjunkturdaten hatten am Nachmittag die Gewinne nur kurzzeitig etwas geschmälert.

Zum Handelsschluss verabschiedete sich der Dax bei 5.776,61 Zählern mit einem Plus von 2,68 Prozent auf seinem Tageshöchststand, nachdem er im Vormonat um 3,59 Prozent hinzugewonnen hatte. Der MDax mittelgroßer Werte gewann 3,22 Prozent auf 7.328,55 Punkte und für den TecDax ging es um 2,54 Prozent auf 801,74 Zähler hoch auf den höchsten Stand seit September 2008.

Negative Daten werden ignoriert oder positiv interpretiert

„Die nachlassenden Sorgen um Dubai haben dem Markt sicher geholfen“, sagte Niklas Breckling, Händler bei der Schnigge Wertpapierhandelsbank. „Allerdings dürften auch einige Marktteilnehmer mit einer weiteren Schockreaktion gerechnet haben und entsprechend auf fallende Kurse gesetzt haben. Die sind auf dem falschen Fuß erwischt worden und müssen nun Leerverkaufspositionen eindecken (short covering).“ Gleichzeitig räumte der Experte ein, dass die Übertreibung nach unten möglicherweise zu groß gewesen ist. „Die Impulse aus den Vereinigten Staaten sind nach den eher gemischten Daten auch erst einmal verhalten.“ Börsianer werteten den Rückgang des ISM-Index für die Industrie allerdings nicht als sonderlich dramatisch, da er auch auf dem aktuellen Niveau auf eine anhaltende Konjunkturerholung hinweise.

Die Aktien von K+S profitierten an der Dax-Spitze von Gerüchten über ein mögliches Interesse des Konkurrenten Yara und kletterten um 6,63 Prozent auf 42,78 Euro. Zuvor hatten Börsianer bereits auf den verbesserten Ausblick von Standard & Poor's für die Entwicklung der Kreditwürdigkeit des Düngemittelkonzerns als Stütze verwiesen.

Henkel-Vorzüge gewannen 5,10 Prozent auf 35,26 Euro. Die Societe Generale stufte die Papiere von „Hold“ auf „Buy“ hoch und hob das Kursziel von 25 auf 40 Euro. T-Aktien legten um 3,87 Prozent auf 10,20 Euro zu. Händlern zufolge spekulieren Experten auf einen iPhone-Vertrag für T-Mobile Vereinigten Staaten im kommenden Jahr, wenn die Exklusivvermarktungsrechte von AT&T auslaufen. „Das wäre sicher positiv für die Deutsche Telekom und unterstützt die Hoffnung auf Gewinne dank der umfangreicheren Datennutzung im Mobilfunk“, sagte ein Händler. Börsianern zufolge sorgte der wieder erweckte Optimismus dafür, dass vor allem jene Unternehmensanteile gefragt waren, die von einer Konjunkturerholung profitieren würden. Siemens rückten um 3,72 Prozent auf 67,69 Euro vor.

Kursbewegungen werden von Gerüchten und sonstigen Scheinargumenten ausgelöst

Schlechtester Dax-Wert waren MAN-Papiere, die sich um 4,40 Prozent auf 52,10 Euro verbilligten. Die Stammaktien von Volkswagen (VW) verloren 0,67 Prozent auf 81,45 Euro. Börsianer verwiesen auf Sorgen, dass VW den Lkw-Hersteller zur Abgabe eines Angebots für die schwedische Scania drängen könnte. „Dann würden die freien MAN-Aktionäre die Zeche zahlen - durchaus denkbar, zumal die vakanten Führungspositionen eher VW-freundlich besetzt werden dürften“, sagte ein Börsianer. VW hält 30 Prozent der MAN-Anteile und ist auch an Scania beteiligt. Sicher spiele aber auch Unsicherheit wegen des Führungsvakuums nach dem Abschied dreier Vorstände innerhalb einer Woche eine Rolle, so der Händler. Börsianern zufolge bevorzugen Händler aus diesem Komplex ohnehin Vorzüge von Volkswagen (VW), die um 5,31 Prozent auf 59,50 Euro nach oben sprangen. Merrill Lynch nahm die Titel auf die Empfehlungsliste „Europe 1“ und ließ das Ziel auf 100 Euro.

Tui-Aktien zählten erneut zu den Favoriten im MDax und verteuerten sich um 4,08 Prozent auf 5,485 Euro. Börsianer verwiesen auf die Zahlen der Veranstaltertochter Tui Travel als Stütze. Fraport-Aktien zogen um 7,25 Prozent auf 35,37 Euro an. Im Streit um die Erhöhung der Flughafengebühren in Frankfurt einigte sich der Flughafenbetreiber Fraport mit Fluggesellschaften und Verbänden.

Die Anteilsscheine von Bilfinger Berger legten um 5,67 Prozent auf 51,98 Euro zu. Die Commerzbank hob die Papiere des Bau- und Dienstleistungskonzerns von „Add“ auf „Buy“ und das Kursziel von 40 auf 62 Euro. Zudem erwägt der Baukonzern einen Rückzug aus Katar, nachdem es zum Streit mit der Baubehörde Ashgal über den Bau der Autobahn Doha Expressway gekommen ist. EADS-Aktien büßten indes nach einer Abstufung durch HSBC und wegen steigender Kosten für den A400M 1,10 Prozent auf 11,69 Euro ein.

Im TecDax zählten nach Hochstufungen die Papiere von Bechtle mit plus 4,03 Prozent auf 16,76 Euro zu den Favoriten. Merrill-Lynch-Analyst Claus Roller hob die Anteile an dem IT-Dienstleister von „Underperform“ auf „Buy“ und setzte das Kursziel von 16,00 auf 19,80 Euro hoch. Auch die WestLB stufte die Aktie hoch.

Euro klettert zeitweise über 1,51 Dollar

Die freundliche Stimmung an den Aktienmärkten hat den Euro am Dienstag zeitweise wieder über 1,51 amerikanische Dollar getrieben. In der Spitze kletterte der Euro bis auf 1,5102 Dollar. Am späten Nachmittag kostete die europäische Gemeinschaftswährung noch 1,5086 Dollar und damit knapp einen Cent mehr als am Morgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,5074 (Montag: 1,5023) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,6634 (0,6656) Euro. „Der Euro-Dollar-Kurs bleibt weiterhin ein Gradmesser für die Risikoneigung der Investoren“, sagte Devisenexperte Eugen Keller vom Bankhaus Metzler. Der Euro profitiere von einer festeren Verfassung der Aktienmärkte, während der Dollar bei höherer Unsicherheit und sinkenden Börsenkursen zulege. Dies habe auch der Dubai-Schock der vergangenen Tage gezeigt. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,90985 (0,91155) britische Pfund, 131,02 (129,77) japanische Yen und 1,5079 (1,5071) Schweizer Franken fest.

Deutsche Anleihen: Leichte Kursgewinne trotz freundlicher Aktienmärkte

Die deutschen Staatsanleihen haben am Dienstag trotz freundlicher Aktienmärkte leichte Kursgewinne verbucht. Der richtungweisende Euro-Bund-Future stieg bis zum Abend leicht um 0,03 Prozent auf 123,67 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 3,146 Prozent. Händler sprachen von einer anhaltend robusten Nachfrage nach Staatstiteln. Die festen Aktienwerte hätten in diesem Umfeld nur zeitweise belastet. Neue Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten verliehen den Rentenpapieren zusätzlichen Aufwind. So ist der vielbeachtete ISM-Einkaufsmanagerindex im November überraschend deutlich gesunken. Experten zeigten sich dennoch zuversichtlich, dass sich die konjunkturelle Erholung in den Vereinigten Staaten fortsetzten wird.

Goldpreis knackt erstmals Marke von 1.200 Dollar

Der Goldpreis hat am Dienstag erstmals die Marke von 1.200 amerikanische Dollar geknackt. Am frühen Abend stieg der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) des Edelmetalls bis auf 1.201,40 Dollar - ein historischer Höchststand. Damit hat Gold seinen seit Wochen anhaltenden Höhenflug fortgesetzt. Erst Anfang November wurde erstmals die Marke von 1.100 Dollar gerissen.

Händler erklärten die anhaltende Goldhausse insbesondere mit dem schwachen Dollar. Gegenüber anderen Währungen, so auch zum Euro, hat der Dollar in den vergangenen Monaten stark an Boden verloren. Grund sind nicht zuletzt die rekordniedrigen Zinsen in den Vereinigten Staaten. Die schwache amerikanische Währung stützt die Nachfrage nach dem gelbem Edelmetall, das vorwiegend in Dollar gehandelt wird.

Quelle: Quellen: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, F.A.Z.
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