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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Marktbericht Deutsche Aktien stecken Gewinnwarnungen weg

 ·  Der deutsche Aktienmarkt hat am Mittwoch nach unerwartet guten amerikanischen Konjunkturdaten und Gerüchten über ein chinesisches Konjunkturprogramm deutlich fester geschlossen.

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Am deutschen Aktienmarkt sind die Kurse am Mittwoch deutlich gestiegen. Der Dax gewann 1,5 Prozent auf 6.229 Punkte und schloss damit praktisch auf seinem Tageshoch. Der marktbreite FAZ-Index legte 1,3 Prozent auf 1350 Punkte zu.

Händler begründeten die Gewinne mit Positionsanpassungen vor dem mit Spannung erwarteten EU-Gipfel. Hier überwiege nun das positive Überraschungspotential, nachdem die Erwartungen bereits am Montag wegen der unterschiedlichen Positionen „Richtung Null“ gefallen seien. Besonders in der Frage der deutschen Haftung für die Schulden der Mittelmeeranrainer haben sich die Fronten verhärtet.

Rückenwind aus Amerika

Rückenwind kam am Nachmittag aus den Vereinigten Staaten. Dort sind die Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter um 1,1 Prozent gestiegen und damit deutlich stärker als erwartet. Auch der amerikanische Immobilienmarkt zeigte sich einmal mehr in unerwartet guter Verfassung, die so genannten ausstehenden Hausverkäufe stiegen im Mai um 5,9 Prozent. Diese Entwicklung fügt sich in das erfreuliche Bild, das die Daten zu den Neubauverkäufen und den Häuserpreisen bisher in dieser Woche gezeichnet haben.

Auch Gerüchte über ein mögliches Konjunkturprogramm Chinas hätten im späten Handel die Käufer wieder auf den Plan gerufen, sagte Marktexperte Johannes Bollongino von IG Markets.

Am deutschen Markt wurde die Gewinnerliste von K+S angeführt. Der Kurs stieg um 6,9 Prozent auf 34,92 Euro, nachdem Merrill Lynch die Aktie jetzt mit „Buy“ einstuft nach „Underperform“ bisher. Die Aktien von Eon gewannen 4,3 Prozent auf 16,55 Euro. Hier raten die Analysten von HSBC zum Übergewichten.

Commerzbank-Aktien legten um 1,6 Prozent zu. Die Bank kündigte am Vorabend an, die Geschäftsfelder Gewerbeimmobilien- und Schiffsfinanzierung zu schließen. Zudem überprüft die seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Bank sämtliche Geschäftsbereiche. Die Ergebnisse sollen im Herbst vorliegen. Ein Händler sagte: „Das dürfte die Gewinne kurzfristig belasten. Auf den zweiten Blick werden die Maßnahmen aber positiver aufgenommen, weil sie strategisch in die richtige Richtung gehen.“

Schwierige Übernahme belastet Rhön-Kurs

Positiv werteten Händler auch, wie der Markt eine ganze Reihe von Gewinnwarnungen verdaute: Sie belasteten zwar Einzelwerte, aber nicht den Gesamtmarkt, so ein Händler mit Blick auf Infineon, Salzgitter und Siemens, die sich alle vorsichtig geäußert haben. „Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von weniger als zehn hat der Markt einen Puffer gegen Gewinnwarnungen aufgebaut“, ergänzte er mit Blick auf die günstige Bewertung des Marktes. Salzgitter-Aktien verloren 4,9 Prozent, die Papiere von Infineon gaben um weitere 2,4 Prozent nach. Die Lanxess-Aktie fiel um 2,6 Prozent auf 47,62 Euro und litt damit unter einer Gewinnwarnung des Spezialchemie-Unternehmens Yule-Catto.

Größter Verlierer war die Aktie von Rhön-Klinikum mit einem Minus von 12,3 Prozent auf 18,52 Euro. Die Übernahme von Rhön-Klinikum durch Fresenius droht zu scheitern. Denn die Bedingung, nach der die Übernahme das Andienen von 90 Prozent plus eine Aktie voraussetzt, kann mit dem Kauf von 5,01 Prozent der Aktien durch Asklepios laut Händlern möglicherweise nicht mehr eingehalten werden. Klarheit wird der Markt vermutlich erst am Freitag oder Montag haben, wenn die Andienungsquote ermittelt sein wird. Mitte Mai hatte Fresenius den Aktionären von Rhön-Klinikum ein freiwilliges Übernahmeangebot unterbreitet und 22,50 Euro je Aktie in bar angeboten. Das Angebot läuft noch am Mittwoch aus. Die Fresenius-Aktie fiel mit der Entwicklung um 2,7 Prozent auf 80,19 Euro.

Konjunkturoptimismus treibt Aktienkurse an Wall Street

Die positiv interpretierten Konjunkturdaten lassen die amerikanischen Aktienmärkte ihren Anstieg am Mittwoch fortsetzen. Der Dow-Jones-Index (DJIA) gewinnt 0,7 Prozent auf 12.621 Punkte. Der S&P-500 legt um 0,9 Prozent auf 1331 Punkte zu. Der Nasdaq Composite steigt um 0,8 Prozent auf 2877 Punkte.

Bei aller Freude über die positiven Konjunktur- und Unternehmenszahlen ist aber auch eine gewisse Zurückhaltung zu beobachten. Die Schuldenkrise in der Eurozone und der EU-Gipfel, der am Donnerstag beginnt, lassen die Anleger vorsichtig agieren. Je näher der Gipfel rückt, desto größer werden die Zweifel, dass dort ein Durchbruch erreicht wird. Am Anleihemarkt halten sich die Abgaben in Grenzen, ein Zeichen dafür, dass sich die Investoren noch nicht aus der Deckung wagen. Die Rendite zehnjähriger amerikanischen Treasurys notiert kaum verändert bei 1,63 Prozent.

Der Aktienkurs des auf Einfamilienhäuser spezialisierten Bauunternehmens Lennar steigen um 4,5 Prozent. In ihrem Gefolge legen die Kurse der Wettbewerber Hovnanian Enterprises und KB Home um 6,5 Prozent und 4,4 Prozent zu.

Monsanto hat den Gewinn im dritten Geschäftsquartal um 35 Prozent gesteigert. Der Kurs des Agrarchemie-Unternehmens steigt um 2,8 Prozent. Der Kurs von Boeing klettert um 1 Prozent, nachdem der Flugzeughersteller überraschend den Leiter der Sparte Commercial Airplanes ausgetauscht hat.

Quelle: FAZ.net mit dpa-AFX, Dow Jones
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