Der deutsche Leitindex verlor 0,2 Prozent auf 6564,80 Zähler. Seit den überraschend weitreichenden Beschlüssen des EU-Gipfels vom Freitag hat das Börsenbarometer um knapp sieben Prozent zugelegt. Der EuroStoxx50 schloss 0,4 Prozent niedriger bei 2312 Zählern. Für Zurückhaltung an den Märkten sorgte auch, dass die amerikanischen Börsen wegen des Unabhängigkeitstages geschlossen blieben. Der Umsatz blieb im Dax denn auch ausgesprochen dünn. Auch am Devisenmarkt hielten sich die Investoren zurück. Der Euro fiel auf 1,2525 Dollar von 1,2605 Dollar am Vorabend in New York.
In Sachen Konjunktur rückte erneut die Euro-Zone in den Fokus. Mit 47,1 Punkten blieb der Einkaufsmanagerindex für den Service-Sektor der Euro-Zone weiter unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, auch wenn das Konjunktur-Barometer seine Talfahrt leicht bremste. Wichtigster Grund für die Schwäche waren die hohen Verluste beim Auftragseingang. Private Haushalte und Geschäftskunden zeigten sich in Zeiten der Euro-Krise gleichermaßen verunsichert.
Angesichts der schwächelnden Wirtschaft hoffen viele Anleger, dass die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer Ratssitzung am Donnerstag eine Zinssenkung ankündigt. Das dürfte der Konjunktur und den Märkten neuen Schwung verleihen, schrieb Roger Peeters, Analyst bei Close Brothers Seydler.
Übernahmefantasien treiben Singulus
Zu den größten Verlierern im Dax zählten nach kritischen Analystenkommentaren Eon mit einem Abschlag von 1,6 Prozent. Die Einigung auf günstigere Gasverträge mit dem Großlieferanten Gazprom sei zwar eine gute Nachricht, schrieben die Analysten von JP Morgan in einem Kommentar. „Das bedeutet jedoch auch, dass die von uns identifizierten möglichen Treiber des Aktienkurses erst einmal ausgeschöpft sind.“ Die Experten stuften Eon herunter auf „Neutral“ von „Overweight“. Die Analysten der Citigroup setzten die Bewertung der Papiere sogar auf „Sell“ von zuvor „Neutral“.
Der Energiekonzern hatte am Dienstag angesichts der erfolgreichen Verhandlungen mit Gazprom seine Jahresprognose angehoben. Die Aktien des Konkurrenten RWE ging am Mittwoch mit einem Plus von 0,4 Prozent aus dem Handel. Das Unternehmen hat im Streit um die Stilllegung seines Atomkraftwerks Biblis einen Etappensieg erzielt. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof ließ am Mittwoch eine Klage von RWE gegen eine Anordnung der Landesregierung zu.
Auf der Verliererseite fanden sich zudem die Bankenwerte wieder, die nach dem EU-Gipfel besonders deutlich zugelegt hatten. Commerzbank -Papiere verloren 3,1 Prozent, die Anteilsscheine der Deutschen Bank gaben 1,2 Prozent nach. Händlern zufolge schmälerten die Ermittlungen gegen mehrere Großbanken wegen Zinsmanipulationen die Kauflaune der Anleger ebenfalls. Der europäische Branchenindex sackte um 0,7 Prozent ab.
Zu den größten Gewinnern im Dax gehörten die schwer gewichteten Aktien von BASF mit einem Aufschlag von 1,1 Prozent. Ein Händler verwies auf eine Kaufempfehlung durch die Deutsche Bank. Die Analysten rechnen demnach damit, dass BASF dank besserer Geschäfte in den Bereichen Öl, Gas und Agrarchemie seinen Vorsteuergewinn (Ebit) im zweiten Quartal um acht Prozent steigern konnte. Der Chemiekonzern legt am 26. Juli Zahlen vor.
Im TecDax stachen Singulus ins Auge: Übernahmefantasien verteuerten die Aktien um bis zu 10,9 Prozent auf 2,15 Euro, den höchsten Stand seit Mitte Mai. Der IT-Dienstleister Allgeier hatte am Dienstagabend nach Börsenschluss mitgeteilt, das Softwareunternehmen Easy Software kaufen zu wollen und vier Euro je Aktie zu bieten. Dadurch seien neuen Übernahmespekulationen im Technologiesektor ausgelöst worden, sagte ein Händler. „Da denken einige, das könnte Singulus ja auch blühen.“ Die Singulus-Papiere schlossen 5,3 Prozent im Plus.
Abwärts ging es dagegen für die Aktien von Praktiker : Die kriselnde Baumarktkette warb am Mittwoch auf der Hauptversammlung um Zustimmung für ihren Rettungsplan. Als Sprecherin der Hauptaktionäre forderte die Wiener Fondsmanagerin Isabella de Krassny dagegen den Rücktritt des gesamten Aufsichtsrats und konterte mit einem eigenen Sanierungskonzept. Nach einem Verlust von mehr als einer halben Milliarde Euro im vergangenen Jahr droht dem einstmals zweitgrößten Baumarktbetreiber Deutschlands nach Angaben des Managements die Insolvenz. Die Aktien fielen im SDax um 5,4 Prozent auf 1,27 Euro.