Nach mehreren Verlusttagen in Folge hat der deutsche Aktienmarkt am Dienstag wieder Gewinne verzeichnet. Nach einem schwachen Start in den Handelstag schloss der Dax 0,8 Prozent höher bei 6438 Punkten. Der marktbreite FAZ-Index stieg um 1 Prozent auf 1397 Punkte.
Angesichts globaler Konjunktursorgen und der europäischen Schuldenkrise hätten sich viele Anleger zunächst nicht aus der Deckung gewagt, sagte Marktanalyst Gregor Kuhn von IG Markets. Nach überraschend positiv ausgefallenen Industrieproduktionsdaten aus Europa, mit Ausnahme Frankreichs, hätten die Investoren allerdings wieder Mut gefasst und seien in den Markt zurückgekehrt. Analysten begründeten die positive Trendwende auch mit markttechnischen Faktoren.
Thyssen-Krupp und Infineon gefragt
Der Kurs des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp legte um vier Prozent auf 13,94 Euro zu. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl erklärte zwar, dass die Produktionsprognose gefährdet sei und nach der Sommerpause gesenkt werden könne. „Jeder weiß, dass es im Stahlsektor nicht gut läuft, aber Thyssen hat ja noch andere Geschäftsfelder, zum Beispiel bei Aufzügen“, sagte ein Händler. Langfristig werde es für Thyssen sicher wieder aufwärts gehen, deshalb biete der aktuelle Aktienkurs eine interessante Einstiegsmöglichkeit.
Linde schlossen 0,9 Prozent niedriger bei 114,20 Euro. Das Unternehmen hatte am Vorabend zur Finanzierung der Übernahme von Lincare eine Kapitalerhöhung angekündigt. Zeitweise fiel der Kurs um 4,7 Prozent. Infineon verteuerten sich um 2,5 Prozent auf 5,27 Euro. Die jüngsten Kursverluste seien zuletzt übertrieben gewesen, begründete ein Händler die Erholung. Aus der Technologiebranche gab es aus den Vereinigten Staaten positive wie negative Nachrichten. So will der weltgrößte Chip-Hersteller Intel beim niederländischen Chipausrüster ASML einsteigen. ASML-Aktien gewannen in Amsterdam 8,6 Prozent auf 43,15 Euro. Der Chiphersteller AMD verschreckte die Anleger dagegen mit einer Umsatzwarnung.
Monti-Aussagen belasten Wall Street
Aussagen von Italiens Ministerpräsident Mario Monti belasten am Dienstag die Kurse an Wall Street. Monti wollte eine Inanspruchnahme von ESM-Hilfen durch das hochverschuldete Land nicht vollständig ausschließen. Damit kehrt die Schuldenkrise in der Eurozone wieder in das Blickfeld der Investoren zurück. Dabei hatte es vorbörslich noch Signale für eine leichte Entspannung in Europa gegeben. Auch der Start in die Berichtssaison fiel insgesamt gut aus. Die Zahlen von Alcoa, die traditionell die Berichtssaison eröffnen, waren nicht ganz so schlimm ausgefallen wie erwartet.
Der Dow-Jones-Index gewinnt noch 0,2 Prozent auf 12.757 Punkte, nachdem er im frühen Handel noch bis auf 12.830 Punkte gestiegen war. Der S&P-500 fällt dagegen um 0,1 Prozent auf 1.351 Punkte und der Nasdaq Composite verliert 0,3 Prozent auf 2922 Punkte.
Unsicherheit kommt von der nun angelaufenen Berichtssaison. Von einem möglicherweise „schwierigen Monat“ spricht Marktstratege David Morrison von GFT mit Blick auf die bevorstehenden Quartalszahlen. Die Erwartungen seien zwar bereits gesunken, „die Frage ist aber, ob schon ausreichend.“
Alcoa und AMD unter Druck
Unter den Einzelwerten fällt die Alcoa-Aktie um 3,4 Prozent, nachdem es vor Handelsbeginn noch nach einem leichten Aufschlag ausgesehen hatte. Am Vorabend hatte der Aluminium-Konzern Zweitquartalszahlen ausgewiesen. Dabei waren der bereinigte Gewinn und der Umsatz zwar besser ausgefallen als von Analysten erwartet. Gleichwohl machten dem Aluminiumhersteller die sinkenden Preise zu schaffen, so dass unbereinigt unter dem Strich ein Verlust stand.
Der Kurs von AMD fällt um 10,5 Prozent. Nach Börsenschluss wartete der Chiphersteller am Vorabend mit einer überraschenden Umsatzwarnung auf. Vor allem wegen der schwächeren Nachfrage in China und Europa erwartet der Konzern für das zweite Quartal nun einen Umsatzrückgang um elf Prozent. Der überraschende Einstieg von Intel bei dem holländischen Spezialkonzern ASML wird an der Börse nicht honoriert. Die Intel-Aktie gibt um 1,8 Prozent nach.