Eine positiv verlaufene Anleihenauktion in Spanien und ein unerwartet gut ausgefallener ZEW-Index haben am Dienstag die Aktienkurse deutlich steigen lassen. Der Dax schloss 2,7 Prozent höher bei 6801 Zählern. Der marktbreite FAZ-Index gewann 2,4 Prozent auf 1513 Zähler. Rückenwind verliehen auch die amerikanischen Börsen , an denen es ebenfalls deutlich nach oben ging.
Bei der Emission kurzlaufender Geldmarktpapiere nahm die Regierung in Madrid mit 3,2 Milliarden Euro mehr auf als in der Spitze mit drei Milliarden geplant. „Die Auktion ist geglückt, die Überzeichnung war gut, und das angestrebte Volumen wurde übertroffen“, sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. „Das lässt auch für die Auktion am Donnerstag auf eine robuste Nachfrage hoffen. Da alles glatt gegangen ist, atmen die Märkte erst einmal auf.“ Am Donnerstag will Spanien zwei- und zehnjährige Staatsanleihen begeben.
Finanzwerte machen Boden gut
Zum ZEW-Index äußerten sich Börsianer ebenfalls positiv: „Die Erwartungen liegen weiterhin auf hohem Niveau, so dass eine Fortsetzung der wirtschaftlichen Erholung wahrscheinlich ist“, sagte ein Händler. Das ZEW-Barometer legte überraschend um 1,1 auf 23,4 Punkte zu. Von Reuters befragte Ökonomen hatten einen Rückgang erwartet. Die Lage wird von den befragten Börsenexperten ebenfalls besser bewertet als noch im März. Von dem Ifo-Index, der am Freitag veröffentlicht wird, erhoffen sich Anleger nun ebenfalls positive Signale.
Zusätzlichen Auftrieb erhielten die Kurse am Nachmittag von der höheren Wachstumsprognose des Internationalen Währungsfonds (IWF), der nun in diesem Jahr mit einem Wachstum der Weltwirtschaft von 3,5 statt wie bisher angenommen 3,3 Prozent rechnet.
Zu den größten Gewinner zählten die Verlierer der vergangenen Tage: So legten Deutsche Bank um 4,5 Prozent zu, Commerzbank verteuerten sich um 5,8 Prozent. Wie die meisten anderen europäischen Finanzwerte hatten sie zuletzt unter den neu aufgeflammten Sorgen um die Finanzkraft Spaniens gelitten. Auch der Aktienkurs der Aareal -Bank ging um 8,9 Prozent nach oben.
Sky-Aktie gefragt
Die Papiere von Sky Deutschland verteuerten sich zeitweise um mehr als 26 Prozent auf 2,54 Euro. Der Bezahlsender behält die Live-Rechte für die Fußball-Bundesliga, muss dafür mit 485,7 Millionen Euro pro Saison aber fast doppelt so viel Geld auf den Tisch legen wie bisher. Der hohe Preis vertrieb wieder einige Anleger, so dass sich das Plus der Sky-Aktie zum Handelsschluss auf 7 Prozent verringerte.
Dass die Deutsche Telekom bei der Rechtevergabe für die Übertragung ab 2013/14 leer ausging, hatte keine Auswirkung auf deren Aktienkurs. Der Kurs des Geldautomaten- und Kassensystem-Herstellers Wincor Nixdorf brach nach einer Senkung der Gewinnprognose um 10 Prozent auf 30,36 Euro ein.
An der Börse in Madrid richteten Anleger ihren Blick vor allem auf Repsol und deren Streit mit Argentinien um die Konzerntochter YPF. Die Titel des Ölmultis gaben im spanischen Leitindex Ibex mit einem Abschlag von bis zu 9 Prozent auf 15,90 Euro so deutlich nach wie kein anderer Wert. Damit hat der Konzern innerhalb eines Tages knapp zwei Milliarden Euro an Börsenwert verloren. Zum Handelsende reduzierte sich das Minus auf 6,1 Prozent. Argentinien will trotz internationaler Proteste 51 Prozent an YPF übernehmen. Bislang hält Repsol 57 Prozent der Anteile. Der Streit hat zu diplomatischen Verstimmungen zwischen den Regierungen in Buenos Aires und Madrid geführt.
Wall Street klar im Plus
Erleichterung über eine ordentlich verlaufene Auktion spanischer Staatsanleihen und über den Erwartungen ausgefallene Quartalsergebnisse prägen am Dienstag das Stimmungsbild an Wall Street. Vor diesem Hintergrund entfalten schwachen Daten zur amerikanischen Industrieproduktion und gemischt ausgefallene Signale vom Immobilienmarkt allenfalls bremsende Wirkung.
Die Zahl der Baubeginne ist auf Monatssicht deutlich gefallen, obwohl Volkswirte mit einem leichten Zuwachs gerechnet hatten. Die aktuellen Zahlen liegen weit unter dem historischen Durchschnitt. Positiv entwickelten sich im März immerhin die Baugenehmigungen, so dass Händler insgesamt von gemischt ausgefallenen Daten sprechen. Die Industrieproduktion blieb im März unverändert und damit leicht unter den Erwartungen.
Der Dow-Jones-Index steigt um 1,4 Prozent auf 13.097 Punkte, der S&P-500 gewinnt 1,4 Prozent auf 1.388 Zähler und der technologielastige Nasdaq Composite zieht um 1,6 Prozent auf 3.037 Stellen an.
Goldman und J&J nach Zahlen unverändert
„Man kann von einer leichten Verbesserung der fundamentalen Lage sprechen, aber wir müssen unsere Aufmerksamkeit verstärkt einer lang anhaltenden Erholung am Häusermarkt widmen. Die lässt weiter auf sich warten. Die globale Konjunktur schwächelt und das industrielle Wachstum verläuft mäßig, aber es gibt auch keinen Absturz. Aber der Grund, warum der Markt dies alles kalt lässt, heißt Spanien“, sagt Anthony Chan, Chefvolkswirt von J.P. Morgan Private Wealth Management.
Unterdessen nimmt die Berichtssaison Fahrt auf. Goldman Sachs hat aufgrund der schleppenden Nachfrage im Bereich Übernahmen und Fusionen im ersten Quartal deutlich weniger verdient als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn brach um fast ein Viertel ein, übertraf aber dennoch die Markterwartungen. Die Einnahmen hielten sich ebenfalls besser als erwartet. Goldman Sachs notieren praktisch unverändert.
Der Pharmakonzern Johnson & Johnson hat im ersten Quartal trotz leicht sinkender Erlöse angesichts eines schwachen Geschäfts in Amerika deutlich mehr verdient und die Marktprognosen übertroffen. Beim Umsatz gab es eine gegenläufige Tendenz, zurückgehenden Erlösen auf dem Heimatmarkt standen steigende im internationalen Geschäft gegenüber. Auch J&J notieren unverändert.
Coca-Cola gefragt
Coca-Cola hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres dank einer weltweit wachsenden Nachfrage nach Erfrischungsgetränken mehr verdient und umgesetzt. Der Nettogewinn stieg um 8 Prozent und übertraf die Schätzungen der Analysten. Der Kurs steigt um 2,6 Prozent auf 74,34 Dollar. Nach der Schlussglocke werden noch Intel, Yahoo! und IBM über den Verlauf des ersten Quartals Rechenschaft ablegen.
In der zweiten Reihe ziehen U.S. Bancorp nach Vorlage positiver Geschäftszahlen um 0,9 Prozent auf 31,45 Dollar an. Trotz eines auf den ersten Blick schwachen Geschäftsausweises gewinnen State Street 1,7 Prozent auf 44,415 Dollar. Apollo Residential Mortgage gibt 13,9 Millionen neue Aktien aus, die bereits gelisteten verbilligen sich um 6 Prozent auf 17,9801
Dollar.