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Marktbericht Deutsche Aktien geben Gewinne fast komplett ab

 ·  Am deutschen Aktienmarkt haben stark steigende Anleihenrenditen in den Südländern die Kursgewinne auf der Aktienseite fast völlig dahinschmelzen lassen.

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Der deutsche Aktienmarkt hat am Montag nach zwischenzeitlich hohen Gewinnen mit uneinheitlicher Tendenz geschlossen. Als Grund für die späte Abwärtsbewegung wurde die wiederkehrende Skepsis über eine Lösung der Eurokrise genannt. Im frühen Handel hatte die angekündigte Milliarden-Hilfe für die angeschlagenen spanischen Banken den Papieren Auftrieb gegeben. Der Dax schloss mit einem Plus von 0,2 Prozent bei 6141 Punkten, nachdem er vormittags teilweise rund zweieinhalb Prozent gewonnen hatte. Der marktbreite FAZ-Index rettete ein minimales Plus von 0,1 Prozent auf 1340 Punkte.

Die Hilfsgelder für Spanien und die positiven chinesischen Exportdaten im Mai hätten am Morgen zu einer Marktübertreibung nach oben beigetragen, sagte Marktanalyst Gregor Kuhn von IG Markets. Das Problem sei durch zusätzliche Gelder für die Spanier aber nicht gelöst, meint Marktanalyst Markus Kraus von GKFX Deutschland. Schlimmstenfalls werde es in die Zukunft verlagert. Auch Lars Kremkow, Marktstratege bei Activtrades in London, schlug in diese Kerbe: „Ein Etappengewinn impliziert noch lange nicht den Sieg der Tour.“ Nun richte sich der Fokus auf die am Wochenende anstehende Wahl in Griechenland.

Italien ist das nächste Land

Die Risiko-Aversion der Anleger kehrte zurück, gefragt waren wieder einmal deutsche Anleihen. „Im Fall einer Auflösung des Euro könnten deutsche Anleihen von einer starken Währungsaufwertung profitieren“, meint ein Händler. Zyklische Aktien und auch die Aktien der Banken gerieten dagegen im Verlauf der Sitzung immer stärker unter Druck.

Besonders Italien geriet am Nachmittag unter den Beschuss der Hedge-Fonds. „Das ist der nächste, der schwach auf der Brust ist“, sagt der Leiter des Wertpapierhandels einer Großbank mit Blick auf Italien. „Wir sehen große Verkaufsaufträge Londoner Hedge-Fonds“, ergänzte er. Hauptziel des Angriffs war der italienische Bond-Markt, hier stieg die Rendite der Langläufer auf 6,01 Prozent von 5,74 am Freitagnachmittag. Bei Renditeständen über 6 Prozent waren Irland, Griechenland, Portugal und nun auch Spanien unter den Rettungsschirm gegangen. Der Aktien-Index MIB schloss 2,8 Prozent im Minus, Unicredit brachen um fast 9 Prozent ein. Auch der spanische Aktienmarkt drehte nach anfänglichen Kursgewinnen von fast fünf Prozent ins Minus.

Fresenius hebt Prognose an

Deutsche Bank fielen um 0,5 Prozent und Commerzbank um 1,6 Prozent. Angeführt wurden die Verlierer allerdings von Thyssen-Krupp, die ihre Talfahrt mit einem Minus von 2,8 Prozent auf 11,69 Euro fortsetzten. Lufthansa verloren 1,9 Prozent auf 8,09 Euro. Händler verwiesen auf die neue Prognose des Luftfahrtverbands IATA. Der internationale Verband rechnet damit, dass die europäischen Fluggesellschaften im laufenden Jahr 1,1 Milliarden amerikanischen Dollar Verlust machen wird, fast doppelt so viel wie die bisherige
Schätzung von 600 Millionen Dollar.

Dagegen laufen die Geschäfte beim Gesundheitskonzern Fresenius trotz Staatsschuldenkrise laufen bestens. Wegen „der sehr guten Geschäftsentwicklung“ in allen Bereichen hob der Konzern seinen Ausblick für das Gesamtjahr an. „Das bestätigt zwar die positive Entwicklung, kommt aber nicht ganz unerwartet“, sagt Ulrich Huwald, Analyst bei Warburg Research. Die Tochter Kabi profitiere in den Vereinigten Staaten im Geschäft mit intravenös verabreichten Arzneimitteln gegenwärtig von einer Verknappung des Angebots, was sich nun positiv im Ergebnis niederschlage. Die Aktie legte um 1,3 Prozent auf 77,80 Euro zu.

VW gewannen 1,3 Prozent auf 123,45 Euro. Der Konzern setzt auch längerfristig auf starkes Wachstum in China. Außerdem könnte er den Sportwagenbereich von Porsche nach Medienberichten übernehmen, ohne dass dann hohe Steuern bezahlt werden müssten. In der zweite Reihe fielen Deutsche Wohnen um 4,2 Prozent. Der Konzern will den Kauf von 23.500 Wohnungen mit einer Kapitalerhöhung finanzieren.

Hilfe für Spanien kann Wall Street nicht beruhigen

Die zugesagten Milliardenhilfen für marode spanische Banken haben der Wall Street am Montag keine Ruhe verschafft. Nach Gewinnen zum Handelsauftakt zeigten sich Investoren bei einem genaueren Blick auf die Bedingungen für die Unterstützung enttäuscht. Vor allem Finanztitel standen auf den Verkaufszetteln. Wenige Tage vor der für Griechenlands Euro-Zukunft entscheidenden Parlamentswahl dominierten in New York abermals Sorgen um die Zukunft der Gemeinschaftswährung.

Schwache Konjunkturdaten aus China fachten den Pessimismus bei Händlern zusätzlich an. Der Dow-Jones-Index mit den 30 Standardwerten verliert 0,3 Prozent auf 12.523 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 gibt 0,2 Prozent auf 1323 Zähler ab. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büßt 0,3 Prozent auf 2850 Punkte ein.

Analyst: Probleme nur verschoben

Die Zuwächse an den internationalen Finanzmärkten nach dem Hilferuf Spaniens entpuppten sich als Strohfeuer. Die spanische Regierung hatte am Wochenende nach langem Widerstand bekanntgegeben, doch Finanzhilfen aus den Euro-Rettungsfonds zur Rekapitalisierung von angeschlagenen Banken zu beantragen. Dem Land sollen bis zu 100 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden.

Bei genauerem Hinsehen zeige sich, dass der Deal der Spanier eine taktische und keine allumfassende, ultimative Hilfe der Europäischen Zentralbank sei, sagte James Dailey, Portfolio-Manager von TEAM Financial Asset Management. Angesichts der Schwere der Probleme würde nun allen klarwerden, dass die Hilfe nicht ausreiche.

Finanztitel verlieren deutlich

Investoren trennten sich von Finanztiteln. So fielen Papiere der Citigroup um mehr als zwei Prozent. Am Freitag war bekanntgeworden, dass Citi-Aktionäre zumindest in diesem Jahr nicht darauf hoffen können, eine höhere Ausschüttung je Anteilsschein zu bekommen. Aktien von Citigroup und AIG verloren ebenfalls deutlich.

Die Aktien von Citi-Konkurrent Goldman Sachs konnten sich dem Markttrend ebenfalls nicht entziehen und verloren 0,6 Prozent. Die Bank steht offenbar kurz vor dem Verkauf ihres Hedgefonds-Verwaltungsgeschäfts an den heimischen Rivalen State Street. Das fusionierte Geschäft wäre für die Verwaltung von Fonds im Volumen von fast 700 Milliarden Dollar zuständig.

Auch Papiere des Lastwagenbauers Navistar standen im Interesse der Anleger. Einem Zeitungsbericht zufolge prüft Volkswagen wie Fiat einen Einstieg bei dem Unternehmen. Navistar-Aktien stiegen zunächst deutlich, lagen im Handelsverlauf aber nur noch 0,3 Prozent im Plus.

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