16.03.2011 · Die Panik an den Weltbörsen hat sich am Mittwoch nach dem Kursrutsch vom Vortag im Zuge neuer Hiobsbotschaften vom Atomkraftwerk Fukushima Eins nur kurzzeitig gelegt. Der Dax verbuchte einen Abschlag von 2,01 Prozent auf 6513,84 Punkte.
Der Dax hat am Mittwoch nach einem von sehr starken Schwankungen geprägten Handel den sechsten Tag in Folge im Minus geschlossen. Nachdem der deutsche Leitindex zwischendurch noch klar auf über 6700 Punkte geklettert war, ließen am späten Nachmittag Aussagen vom EU-Energiekommissariat über eine sich weiter zuspitzende Situation im japanischen Atomreaktor Fukushima Eins die Kurse wieder absacken.
Zum Handelsschluss verbuchte der Dax einen Abschlag von 2,01 Prozent auf 6513,84 Punkte. Für den MDax der mittelgroßen Werte ging es um 0,66 Prozent auf 9565,61 Punkte nach unten. Der TecDax verlor 1,44 Prozent auf 854,83 Punkte. Jede kleine Meldung aus Japan beeinflusse derzeit den Markt, kommentierte Marktstratege Thilo Müller von MB Fund Advisory das Handelsgeschehen. Experte Robert Halver von der Baader Bank äußerte sich ähnlich: „Im Grunde hängt die Entwicklung vom Liveticker zu Japan ab.
Für einer grundlegende Stimmungsänderung zu früh?
Die Panik an den Weltbörsen hat sich am Mittwoch nach dem Kursrutsch vom Vortag im Zuge neuer Hiobsbotschaften vom Atomkraftwerk Fukushima Eins nur kurzzeitig gelegt. Von einer grundlegenden Erholung der Märkte gibt es nach Ansicht von Experten nach wie vor keine Spur. Zu unklar sind nach wie vor die Folgen der Katastrophe in Japan. Während sich die Börse in Tokio nach dem Crash vom Dienstag erholte und im Plus schloss, waren die Kurse der meisten europäischen Aktienmärkte einmal mehr rot.
Von einer grundlegenden Stimmungsänderung an den Märkten wollten Experten weiterhin nichts wissen. Es sei angesichts der Lage in Japan unwahrscheinlich, dass das Ende der Abwärtsbewegung schon erreicht sei, sagte Marktanalyst André Saenger von IG Markets. Andere Börsianer betonten, dass insbesondere im frühen europäischen Handel einige Schnäppchenjäger nach den Kursverlusten der vergangenen Tage zugegriffen hätten. Am Nachmittag bauten die Indizes ihre Verluste wieder etwas aus, was Händler unter anderem auf Äußerungen von EU-Energiekommissar Günther Oettinger zurück führten. Dieser hatte vor Europaparlamentariern in Brüssel davor gewarnt, dass sich „in den nächsten Stunden weitere katastrophale Entwicklungen“ ergeben können.
Im Fokus stand am Mittwoch insbesondere der japanische Leitindex Nikkei-225. Er schloss in Tokio um 5,68 Prozent höher bei 9.093,72 Punkten. Zwischenzeitlich war er sogar bis auf 9.168 Punkte geklettert, gab dann aber nach weiteren Hiobsbotschaften aus Fukushima wieder etwas nach. Am Vortag war der Index noch um mehr als zehn Prozent abgestürzt und hatte den höchsten Tagesverlust seit dem Höhepunkt der Finanzkrise vor zweieinhalb Jahren erlitten. Insgesamt hatte der Nikkei an den vergangenen drei Handelstagen nach der Naturkatastrophe in dem Inselstaat knapp 18 Prozent an Wert eingebüßt. Eine derartige Kurskorrektur habe es seit 1987 nicht gegeben, betonte Marktanalyst David Buik von BG Partners.
Aktien von Autobauern wurden in Deutschland zunächst gekauft, weil Händlern zufolge die Kurse nach den Vortagesverlusten wieder attraktiv waren. Ein anderer Börsianer argumentierte, dass deutsche und europäische Autobauer auch mittel- bis langfristig von dem Ausfall der japanischen Hersteller profitieren dürften. So würden die japanischen Autokonzerne wohl auch wegen der Stromknappheit frühere Produktionsquoten nicht mehr so schnell erreichen. Auto-Aktien rutschten am Nachmittag aber im Einklang mit dem Markt wieder ab. Daimler, BMW und Volkswagen verloren am Ende jeweils mehr als 2 Prozent.
Ähnlich verhielt es sich mit der Versorgerbranche. Eon und RWE gewannen erst dazu und wurden laut Händlern auch von einem Analystenkommentar der Deutschen Bank gestützt. Das Institut hatte für beide Titel die Kursziele angehoben. Die Verluste durch die vom Netz genommenen Atomkraftwerke würden von positiven Effekten durch höhere Strompreise mehr als ausgeglichen, argumentierten die Experten. Gegen Handelsschluss verloren Eon dann aber 1,18 Prozent auf 21,00 Euro und RWE 2,59 Prozent auf 42,855 Euro.
An die Dax-Spitze sprangen die Papiere von Fresenius mit plus 0,79 Prozent auf 62,86 Euro. Die Aktien hatten an den Vortagen mit dem Markt deutlich verloren. Sie seien nun vor allem wegen ihrer klassisch defensiven Eigenschaften gefragt gewesen, argumentierte ein Händler. Ans MDax-Ende rutschten die Titel von Wacker Chemie. Sie mussten trotz der angekündigten kräftigen Dividendenaufstockung Verluste von mehr als 4 Prozent hinnehmen. Analysten bemängelten vor allem den Ausblick des Halbleiter-Zulieferers und Chemiekonzerns.
Der EuroStoxx 50 ging mit einem kräftigen Abschlag von 2,26 Prozent auf 2721,24 Punkten aus dem Handel. Deutliche Verluste gab es auch an den Börsen in Paris und London. Der Dow-Jones-Index in New York lag zum europäischen Handelsschluss mehr als 1 Prozent im Minus.
Deutsche Anleihen mit Kursgewinnen nach Zuspitzung der Atomkatastrophe
Am deutschen Anleihenmarkt stand der Handel am Mittwoch weiterhin ganz im Schatten der Atomkatastrophe in Japan. Im späten Nachmittagshandel hätten Äußerungen des EU-Energiekommissar Günther Oettinger über eine sehr ernste Entwicklung am havarierten Atomreaktor zeitweise für einen massiven Kurssprung des Euro-Bund-Future gesorgt, hieß es von Händlern. Der richtungsweisende Future sprang in der Spitze auf ein Tageshoch bei 123,87 Punkte. Im weiteren Handel ist der Bund-Future wieder etwas zurückgekommen, stand aber immer noch um 0,49 Prozent höher bei 123,62 Punkten. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 3,101 Prozent. Die Äußerungen des EU-Kommissars Günther Oettinger hätten einen starken Kurssprung bei den Festverzinslichen ausgelöst, hieß es von Händlern. Demnach sei die Lage in dem Atomkraftwerk Fukushima außer Kontrolle. „Man muss befürchten, dass das ganze in Gottes Hand ist, und dass sich in den nächsten Stunden weitere katastrophale Entwicklungen ergeben können“, sagte Oettinger.
Yen neigt zur Stärke
Am Devisenmarkt hat die japanische Währung weiter an Stärke gewonnen. Im Devisenhandel wird die Repatriierung als Grund für die Nachfrage genannt. Aufgrund der Katastrophe in Japan würden Gelder im Ausland abgezogen, um den Aufbau im eigenen Land zu finanzieren. Viele Marktakteure erinnerten sich offensichtlich an das Jahr 1995, als der Dollar nach dem Erdbeben von Kobe gegen den Yen um 20 Prozent abwertete. Vorübergehend habe der Yen den höchsten Stand zum Dollar seit April 1995 markiert. Die Entwicklung werde im Moment durch immer neue Hiobsbotschaften aus Japan angeheizt. Zum Euro, der sich zum Dollar weiterhin in einer Seitwärtsrange bewegt, heißt es, dieser profitiere von den „hawkishen“ Kommentaren der EZB, die trotz der Katastrophe in Japan ihren Fahrplan beibehalten wolle. Die Federal Reserve habe dagegen am Vortag einen vorsichtigen Kommentar abgegeben. Die Inflationsrate des Euroraums ist außerdem im Februar auf 2,4 Prozent von 2,3 Prozent gestiegen. „Mit einer spürbaren Beruhigung der Preisentwicklung rechnen wir jedenfalls für den weiteren Jahresverlauf nicht mehr“, merkt ein Volkswirt der Postbank dazu an. Für das Gesamtjahr 2011 erwartet er die Inflation in der Europäischen Wahrungszone bei 2,4 Prozent.
Allerdings weist die Preisentwicklung auch in den Vereinigten Staaten nach oben. Die Erzeugerpreise sind im Februar stärker als erwartet um 1,6 Prozent gegenüber dem Vormonat geklettert. Ohne die Komponenten Energie und Nahrungsmittel haben sie zwar lediglich um 0,2 Prozent zugelegt, doch hegen Volkswirte Zweifel, ob dies so bleiben wird. Die annualisierte Zahl der Baubeginne in den Vereinigten Staaten ist im Februar von 618.000 auf 479.000 gesunken. Damit wurden die Markterwartungen deutlich unterboten. „Die Zahlen zum amerikanischen Immobilienmarkt belegen einmal mehr, dass dieser Wirtschaftszweig noch mit den Auswirkungen der Krise zu kämpfen hat“, so die Postbank. Die Abstufung der Bonität Portugals durch Moody's sei nicht überraschend gekommen, meint ein Händler. Die Rating-Agentur hat ihre Bonitätsnote Portugals um zwei Stufen auf „A3“ gesenkt und sieht den Ausblick weiter negativ. Dies trage aber dazu bei, dass der Euro an der großen Abwärtstrendlinie um 1,40 Dollar erneut gescheitert sei. Die Feinunze Gold ist zum Vormittags-Fixing mit 1.398,50 Dollar festgestellt worden, zum Nachmittag dann mit 1.402,00 Dollar. Marktteilnehmer führen die vergleichsweise geringe Reaktion des Goldes, das sonst gerne als sicherer Hafen betrachtet wird, auf die Abschwächung der internationalen Rohstoffpreise zurück. Der Wiederaufbau Japans könnte hier aber zu einem deutlichen Anstieg führen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.050,29 | −3,42% |
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| TecDAX | 730,90 | −2,68% |
| MDAX | 9.870,46 | −2,73% |
| SDAX | 4.717,40 | −2,20% |
| REX | 439,15 | +0,37% |
| Eurostoxx 50 | 2.068,66 | −2,37% |
| F.A.Z. EURO | 67,11 | −2,09% |
| Dow Jones | 12.118,60 | −2,22% |
| Nasdaq 100 | 2.458,83 | −2,62% |
| S&P500 | 1.278,04 | −2,46% |
| Nikkei225 | 8.440,25 | −1,20% |
| EUR/USD | 1,2433 | +0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 98,82 $ | −2,76% |
| Gold | 1.606,00 $ | +3,08% |
| Bund Future | 146,44 € | +0,36% |