Home
http://www.faz.net/-gv7-74ppo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Marktbericht Dax zum Monatsende knapp über 7400er-Marke

 ·  Der Dax ging zum Wochenschluss nahezu unverändert aus dem Handel. Die New Yorker Börsen präsentierten sich ebenfalls kaum verändert. Marktteilnehmer erwarten für die kommende Woche, dass die Wall Street das Geschehen aufgrund der amerikanischen Haushaltsproblematik maßgeblich beeinflussen wird.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Der Dax beendete am Freitagabend mit einem hauchdünnen Plus von 0,06 Prozent bei 7.405,50 Punkten, nur knapp über der am Vortag zurückeroberten 7400er-Marke, die letzte Sitzung der Woche. Im nun zu Ende gehenden November beläuft sich das Kursplus beim Dax auf rund 2 Prozent, die Woche beendete der Index 1,32 Prozent höher.

Für den M-Dax  ging es derweil um 0,38 Prozent auf 11.612,92 Punkte nach oben. Der Tec-Dax schloss jedoch mit einem Minus von 0,39 Prozent auf 840,79 Punkte, während der breite FAZ-Index um 0,09 Prozent auf 1594,90 Zähler minimal zulegte.

Nachdem nun auch der deutsche Bundestag seinen Segen zur Freigabe der nächsten Finanzspritze für Griechenland gegeben habe, könnten Anleger erst einmal durchatmen, kommentierte Experte Gregor Kuhn vom Broker IG. Zum Haushaltsstreit in Amerika sagte Kuhn, es sei kaum vorstellbar, dass sich Republikaner und Demokraten bis Jahresende nicht einigen würden.

HeidelbergCement an der Spitze

Zu den Dax-Spitzenreitern gehörten HeidelbergCement  nach einer Hochstufung durch Morgan Stanley. Die Aktien des Bauindustrie-Zulieferers stiegen um 2,3 Prozent auf 41,78 Euro. Die unterdurchschnittliche Kursentwicklung der vergangenen Monate sei nicht gerechtfertigt, schrieb Analystin Alejandra Pereda in einem Kommentar. Schließlich sei das Unternehmen in attraktiven Märkten Asiens und Afrikas sowie in den USA engagiert. Sie stufte daher die Aktie auf „Overweight“ von „Equal-Weight“ hoch.

Den HeidelbergCement-Konkurrenten Buzzi Unichem  setzte Pereda dagegen auf „Underweight“ von „Equal-Weight“ herunter. Dem italienischen Konzern machten fallende Zement-Preise zu schaffen. Buzzi gaben an der Mailänder Börse um bis zu 3,1 Prozent nach und schlossen 1,7 Prozent im Minus.

Am Dax-Ende fanden sich die Papiere von ThyssenKrupp mit einem Minus von 1,7 Prozent bei 15,57 Euro wieder. Mitarbeiter der kleinen Tochtergesellschaft GfT Bautechnik sollen in Osteuropa unsauber gearbeitet haben. Wegen des Verdachts auf Untreue schaltete Thyssen deshalb die Staatsanwaltschaft ein und entließ die verdächtigen Mitarbeiter. „Es geht hier nicht um den Betrag, der womöglich veruntreut worden ist, sondern darum, dass die Reputation von ThyssenKrupp nicht mehr 1A ist“, sagte ein Händler. Das mache sich bei den Kunden und damit auch bei den Anlegern nicht gut.

Metro-Aktie im Fokus

Eine Berg- und Talfahrt erlebten die Anteilsscheine von Metro. Sie verteuerten sich um bis zu 2,8 Prozent, nachdem der Einzelhandelskonzern den Verkauf des Osteuropageschäfts seiner Supermarktkette Real für 1,1 Milliarden Euro an den französischen Rivalen Auchan bekanntgegeben hatte. Den Handel beendeten die Metro-Papiere allerdings  mit einem Minus von 0,3 Prozent. „Der Verkaufspreis liegt einen Tick über dem, was der Markt erwartet hat, aber deshalb springt niemand vor Freude in die Höhe“, sagte ein Händler. Metro habe noch viele Baustellen abzuarbeiten, aber es gebe nun erste Anzeichen dafür, dass Vorstandschef Olaf Koch liefere. „Die Aktie wird sich deshalb in nächster Zeit wohl auf dem aktuell niedrigen Niveau stabilisieren.“

Die Anteilsscheine von Praktiker sackten im S-Dax zum Auftakt einer rettenden Kapitalerhöhung auf ein Drei-Monats-Tief ab, erholten sich dann aber und gingen mit einem Aufschlag von 2,7 Prozent bei 1,18 Euro aus dem Handel. Die 57,1 Millionen neuen Praktiker-Aktien können in den kommenden beiden Wochen zum Preis von je 1,08 Euro gezeichnet werden. Bei der bevorstehender Überprüfung der Index-Zusammensetzung durch die Deutsche Börse am kommenden Mittwoch muss die Baumarktkette Experten zufolge indes um ihren Platz im SDax bangen.

Deutsche Anleihen drehen ins Minus

Die Kurse der deutschen Staatsanleihen sind am Freitag ins Minus gedreht. Grünes Licht für weitere Hilfsmilliarden zugunsten Griechenlands und positive Konjunkturdaten aus Amerika hoben die Risikofreude zum Wochenausklang etwas.

Der richtungsweisende Euro-Bund-Future fiel bis zum Abend um 0,04 Prozent auf 142,78 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stand bei 1,38 Prozent.

Wall Street kaum verändert

Die Wall Street hat sich am Freitag kaum bewegt. Der Hickhack im Haushaltsstreit ließ Anleger vorsichtig agieren. Sie warteten auf eine Erklärung von Präsident Barack Obama, der sich bei einem Fabrikbesuch in Pennsylvania zum Konflikt zwischen Demokraten und Republikanern äußern wollte. Führende Kongressabgeordnete hatten zuletzt wieder ein düsteres Bild der Haushaltsverhandlungen gezeichnet. Der Republikaner John Boehner erklärte, in den vergangenen zwei Wochen habe es keine substanziellen Fortschritte gegeben. Der Präsident des Repräsentantenhauses warf Finanzminister Timothy Geithner vor, keinen brauchbaren neuen Plan für eine Einigung vorgelegt zu haben.

Für das Jahresende zeigten sich die Börsianer jedoch zuversichtlich. „Wir erwarten eine Lösung in Washington und eine weitere Stabilisierung der Eurozone,“ sagte Joh Praveen von Prudential International Investments Advisers. „Diese beiden Faktoren in Verbindung mit Liquidität und Rückenwind bei den Zinsen sollten zu einer Rally zum Jahresende führen.“

Zynga-Aktie brechen ein

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor bis zum Mittag etwas mehr als 0,2 Prozent auf 12.994 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 ging um 0,26 Prozent auf 1412 Zähler zurück. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,35 Prozent auf 3002 Punkte.

Bei den Einzelwerten trennten sich Anleger fluchtartig von Zynga-Aktien. Nach Jahren enger Partnerschaft führen die Internetkonzerne Facebook und Zynga künftig nur noch eine lockere Beziehung. Sie vereinbarten weitreichende Änderungen in ihrem Bündnis, die beiden größere Freiheiten erlauben. Die Anteilsscheine von Zynga brachen rund acht Prozent ein, Papiere von Facebook verloren gut ein Prozent. Von der Konjunktur kamen enttäuschende Daten: Die Konsumausgaben gingen im Oktober zum Vormonat um 0,2 Prozent zurück. Analysten hatten indes mit einer Stagnation gerechnet. 

Wochenausblick: Amerika im Börsen-Fokus

Amerika dürfte in der kommenden Woche zum wichtigsten Taktgeber für den deutschen Aktienmarkt werden. Griechenland ist nach den weiteren Finanzspritzen der internationalen Geldgeber und der Zustimmung des Bundestages für die Milliardenhilfen zunächst aus der Schusslinie. Die Marktteilnehmer richten ihre Aufmerksamkeit daher auf die weitere Entwicklung im amerikanischen Haushaltsstreit:

Die zum Jahresende drohende Fiskalklippe rückt näher und noch immer scheinen Demokraten und Republikaner weit entfernt zu sein von einer Einigung. Finden sie keine gemeinsame Lösung beim Plan zum Schuldenabbau, treten zu Beginn 2013 automatisch Budgetkürzungen sowie Steuererhöhungen in Kraft, wodurch die Rezessionsgefahr für die noch immer größte Volkswirtschaft der Erde zunimmt. Somit dürfte auch in der kommenden Woche die Aussagen von amerikanischen Politikern zur Haushaltsdebatte die Märkte bewegen. Die DZ Bank rechnet aber damit, dass bis Jahresende ein vertretbarer Kompromiss gefunden sein wird.

Dax: Auf zum Jahreshoch (?)

Der Dax nimmt derweil Kurs auf sein bisheriges Jahreshoch vom September beim Stand von 7.478 Punkten. Die Entwicklung der zurückliegenden zwei Wochen ist beeindruckend. Von 6.950 Punkten hat sich das Leitbarometer bis auf inzwischen über 7.400 Punkte hochgearbeitet.

Auch der EuroStoxx 50 pendelt in der Nähe seines Jahreshochs bei 2.611 Punkten. Sollte den Börsenbarometern ein Ausbruch gelingen, werde ein starkes technisches Kaufsignal ausgesandt und dies könnte dann eine Jahresendrally auslösen, schreibt die Landesbank Berlin. Weil aber sowohl die Fiskalklippe als auch die noch keineswegs gelöste europäische Schuldenkrise zuletzt unter optimistischen Vorzeichen betrachtet worden seien, sollte ein Rückschlag durchaus eingeplant werden, raten die Fachleute und bleiben daher vorsichtig.

nvestmentanalyst Berndt Fernow von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) bemüht unterdessen die Historie und stellt fest, dass bei einem steigenden Dax in der Zeit von Juli bis November in 18 von 19 Fällen ein freundlicher Dezember gefolgt ist. Da die günstige Konstellation auch im Dezember 2012 gegeben sei, empfiehlt er bis zum Jahresende eine offensive Positionierung am Aktienmarkt.

Amerikanische Arbeitsmarktdaten sollen es richten

Von Seiten der Konjunktur stehen in der kommenden Woche vor allem die Arbeitsmarkt-Zahlen in den USA für den Monat November im Fokus. Die Commerzbank geht davon aus, dass der Bericht wegen des Hurrikans „Sandy“ verzerrt ist und wohl weniger neue Stellen entstanden sind als in den vorherigen Monaten.

In den USA wie auch in Deutschland stehen außerdem die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und die Auftragseingänge der Industrie auf dem Programm. In Amerika wird zudem der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor veröffentlicht.

EZB-Entscheid am Donnerstag

Am Donnerstag rückt der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) in den Mittelpunkt des Geschehens. Experten rechnen einhellig damit, dass die Notenbank auf ihrer letzten Sitzung des Jahres den Leitzins bei 0,75 Prozent belassen wird.

Die Volkswirte der DekaBank weisen darauf hin, dass EZB-Präsident Mario Draghi bereits habe anklingen lassen, die Vorhersage für das Wirtschaftswachstum 2013 zu reduzieren. Draghi habe allerdings auch angedeutet, dass diese Abwärtsrevision nicht groß genug sei, um eine erneute Senkung der Leitzinsen zu rechtfertigen, so die DekaBank.

T-Aktie und die Dividende

Spannend wird es am Donnerstag auch für die Aktionäre der Deutschen Telekom. Auf dem Kapitalmarkttag dürfte es um die Pläne zum Ausbau des Glasfasernetzes in Deutschland und damit verbunden die künftige Ausschüttungspolitik des Konzerns gehen, schreibt LBBW-Analyst Stefan Borscheid.

Seit Jahren dümpelt der Aktienkurs der Telekom um die 10-Euro-Marke. Bislang hat die kontinuierlich hohe Dividendenrendite viele Anleger von einem Verkauf der Titel abgehalten. Borscheid rechnet nun allerdings mit einer Senkung der Dividende von derzeit 0,70 Euro auf 0,60 Euro je Aktie ab dem Jahr 2013.

Quelle: FAZ.NET, dpa-AFX, Reuters, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Dow Jones
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Emittenten-News
Anzeige
Für die Inhalte sind die Emittenten verantwortlich
Weitersagen
Aktienmärkte
Name Wert Änderung
  FAZ-INDEX --  --
  DAX --  --
  Dow Jones --  --
  Nikkei225 --  --
  Hang Seng --  --
  FAZ-Euro-Index --  --
  Eurostoxx 50 --  --
  S&P500 --  --
  Nasdaq 100 --  --
  M-Dax --  --
  Tec-Dax --  --
  SDAX --  --
  Dax Future --  --
Wertpapiersuche